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a guest
Oct 15th, 2019
78
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  1. Länglicher Beitrag mit viel Zynismus und Quellen:
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  3. Das Narrativ "Waffenexporte" muss sich leider langsam mal von der Vorstellung lösen das mit einer entschlossenen Bundesregierung, die Lieferungen stabil unterbindet, deutsche Waffen nicht mehr in Krisengebieten weitermorden. Selbst wenn man die Regierung dazu bekommt wirklich restriktiv zu handeln wird das nichts bringen.
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  5. Die Industrie ist schon lange einen Schritt weiter. In mehrfacher Hinsicht. Rheinmetall kann sich doch Dividendenausschüttungen nicht von den Launen des Wirtschaftsministeriums verhageln lassen.
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  7. Es gibt da zwei Trends:
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  9. 1. Umweg über ausländische Tochterunternehmen. Rheinmetall hat zB eine Fabrik in Italien. Von dort wurde / wird fleissig in den nahen Osten verschifft. Italien sagt sich "deutsches Unternehmen, deren Verantwortung", die Deutschen sagen sich "was, das Zeug wird doch nicht in Bremerhaven verschifft". Bei einer EU-weiten Regelung könnte Rheinmetall immer noch ausweichen auf Töchter in zB Südafrika.
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  11. Die Firma steht mit 51% Anteilen voll unter der Kontrolle von Rheinmetall.
  12. https://www.engineeringnews.co.za/login.php?url=/article/sa-munitions-company-enjoying-technical-and-commercial-success-2014-10-17
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  14. Gute Doku zu dem Thema:
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  16. https://www.youtube.com/watch?v=sat8NA3TwGU
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  18. 2. Der andere Trend ist ganze Fabriken zu liefern. Bisher wird er primär angewandt im Bereich Munition (von der 5,56mm Patrone bis zur 2000 Pfund Fliegerbombe). Eignet sich also für Kunden die bereits deutsches Material haben (Panzer, Haubitzen, Mörser, Gewehre, usw) aber jetzt in Ungnade gefallen sind und nicht Gerät sondern nur noch Munition brauchen.
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  20. Denn, wenig überraschend, der Aufbau einer Waffenfabrik erfordert keine Ausfuhrgenehmigungen nach Kriegswaffenkontrollgesetz. Es sind ja "nur" klassische Werkzeuge und Werkzeugmaschinen zur Metallverarbeitung - schneiden, stanzen, drehen, fräsen und so weiter. Man schiebt vorne Stahl und Chemikalien rein, hinten fallen Patronen oder Granaten raus. In deutscher Präzision und in Form der 120mm Glattrohrmun auch passend für die Kanone eines Leo2.
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  22. Wie das Geschäftsmodell (abseits der ca 250Mio Fabrikaufbaukosten, schlüsselfertig) weiterhin funktioniert konnte ich nicht recherchieren, ich gehe aber davon aus das Lizenzgebüren pro hergestellter Einheit fällig werden. Sonst würden Rheinmetallaktionäre ja in die Röhre gucken, und das kann ja keiner wollen. Das mit dem Aufbau und der Übergabe der Fabrik natürlich auch jede Kontrolle über die Weitergabe der hergestellten Ware verloren geht ist klar. Wenn die Fabrik in Saudi-Arabien an noch üblere Drecksäcke weiterverkauft gibt es wohl nichts was Rheinmetall dagegen machen könnte.
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  24. Wie immer ein paar Links damit ihr nicht alles blind glauben müsst was auf pastebin erzählt wird:
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  26. Feierliche Eröffnung der Rheinmetall-Denel Fabrik im Al-Kharj military industrial complex (sic!) south of Riyadh:
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  28. https://www.defensenews.com/home/2016/04/06/rheinmetall-denel-munition-factory-opens-in-saudi-arabia/
  29. https://www.derwesten.de/region/deutsch-suedafrikanische-munitionsfabrik-in-saudi-arabien-id11737363.html
  30. http://magazine.ufmalmo.se/2018/04/29/masters-of-war/
  31. https://www.defenceweb.co.za/industry/industry-industry/saudi-arabia-opens-munitions-factory-built-by-rheinmetall-denel-munition/?catid=7%3AIndustry&Itemid=11
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  34. Jetzt könnte man natürlich sagen, "Mensch, solche Drecksäcke, aber naja, Naher Osten, ist ja irgendwie auch wichtig das wir Öl bekommen, WIR WOLLEN JA ALLE TANKEN, da kann man bei so einen Sonderweg vielleicht mal beide Augen zudrücken". Oder man kann sich verbiegen und sagen Rheinmetall-Denel (die Südafrika-Tochter) ist ja kein deutsches Unternehmen, nur eine vollständig von Deutschen kontrollierte Firma in Südafrika - aber mir kann keiner erzählen das irgendjemand für Werkzeugmaschinen aus südafrikanischer Produktion eine Viertelmilliarde bezahlt. Es ist vollkommen klar das hier Rheinmetall "deutsche Präzisionsmaschinen" über den Umweg Südafrika verkauft.
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  37. Und es scheinst sich bei dem Vorgehen um das neue "normal" der Branche zu handeln. Vielleicht erinnert sich noch jemand an das Heckmeck um die geplante Panzerfabrik in der Türkei, das Thema scheint momentan erledigt, aber ich vermute da geht es Rheinmetall primär um Befürchtungen zuviel Technologie aus der Hand zu geben und dann Marktanteile an Plagiate zu verlieren. Aber der Export von Munitionsfabriken floriert. Es ist nur eine Frage der Zeit bis auch andere Firmen aufspringen und Rüstungsprodukte von niedriger und mittlerer Komplexität auf diese Weise "nicht exportieren" aber doch monetarisieren.
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  40. Der letzte Satz in diesem Link klingt wie einer Pressemitteilung entnommen:
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  43. https://www.defenceweb.co.za/industry/industry-industry/saudi-arabia-opens-munitions-factory-built-by-rheinmetall-denel-munition/?catid=7%3AIndustry&Itemid=116
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  45. ZITAT: RDM manufactures a wide variety of medium and large calibre ammunition, from 40 mm grenades to 155 mm artillery rounds as well as mortars, bombs, 76/62 mm shells, mine breaching systems and rocket and missile subsystems. For example, RDM provided the rocket motor for the FZ-90 rocket and offers rocket fuse, warhead and motor capabilities. RDM also builds two to three ammunition filling plants a year for export. The company has established ammunition filling plants in three dozen different countries over the last three decades. ZITATENDE
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  47. Wenn die Beteiligten im Jemen-Krieg also plötzlich bekannt werden und aus Deutschland nicht mal mehr eine Erbsenpistole dahin verschickt werden darf - die haben ihre eigenen Produktionskapazitäten, und wenn die erschöpft oder lahmgelegt sind sind können sie bei drei Dutzend anderen Ländern anfragen ob die nicht ein paar passende Mörsergranaten rüberschieben könnten.
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  49. Sorry für den "wall of text" rant, ich hoffe es war genug content dabei um die Aufmerksamkeit bis hierhin zu halten.
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  51. tl,dr: Deutsche Waffen, deutsche Geld morden mit in aller Welt. Und es gibt eigentlich nix was die Regierung dagegen tun kann.
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