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May 9th, 2017
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  1. Lange hatte es sich angebahnt, am Samstag um 14.50 Uhr war es dann offziell: Der Karlsruher SC ist in die 3. Liga abgestiegen! Das 1:3 im Derby gegen den 1. FC Kai- serslautern besiegelte den endgültigen Knock-out. Drei Spieltage vor Saisonende – ein Indiz für die sportliche Chancenlosigkeit in dieser Spielzeit 2016/17.
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  3. Die Fans nahmen den Abstieg sarkastisch hin. Mit „Europapokal“- Rufen begleiteten sie den Verfall eines einst tollen Klubs. 1993 sorgte Karlsruhe mit dem 7:0 gegen Valencia, dem „Wunder vom Wildpark“, noch in Europa für Furore. Mitte 2015, vor rund zwei Jahren also, spielten die Badener in der Relega- tion gegen den HSV und standen mit einem Bein in der Bundesli- ga – seit Samstag mit zweien in der 3.Liga... Für diesen Totalschaden gibt es etliche Gründe – der Erfolgskader konnte nicht gehalten werden, Erfolgscoach Markus Kauczinski ebensowenig.
  4. Die Gründe für den neuerlichen Niedergang sind wie so oft hausgemacht.
  5. Sicher war es schwer möglich, vor knapp zwei Jahren die Abgänge von Rouwen Hennings, Ray Yabo und Philipp Max zu vermeiden. Auch den Verlust von Jonas Meffert und Manuel Gulde konnte man aufgrund entsprechender Vertragsklauseln nicht abwenden. Aber der Weggang von Daniel Gordon oder Dominic Peitz hätte verhindert werden können. Besonders schlimm: Die Sportchefs schafften es nicht – trotz rund 20 neuer Spieler – die Lücken adäquat zu schließen.
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  7. Fehler im Management, unglückliche Vorgaben und Eingriffe durch die Vereinsführung, schlim-me Grabenkämpfe und peinliche öffentliche Schuldzuweisungen in einer grauenhaften Schlammschlacht – das beherrschte den KSC in den vergangenen Monaten. Der Traditionsklub gab ein schlechtes, ein zerrüttetes Bild ab. Kopfschütteln bundesweit über die Badener.
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  9. Es begann damit, dass man Kauczinski nach dem missratenen Start in die Saison 2015/16 – welcher nach den vielen Abgängen als Folge des verpassten Bundesligaaufstiegs aber zu befürchten war – nicht den Rücken stärkte. Der Coach hätte gerne mehr Wertschätzung erfahren – und verdient gehabt. „Kaucze“ forderte 2016 eine Ausstiegsklausel im neuen Vertrag. Die KSC-Bosse stimmten zähneknirschend zu, wollten dann jedoch 1,5Millionen Euro Ablöse fixieren. Zu viel für den Coach – er sagte ab. So begann das Dilemma. Die Trennung von „Kaucze“, seit über 15 Jahren beim KSC aktiv, war der erste Schlag. Und seither klfft sie wieder, die Wunde vom Wildpark.
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  11. Der KSC-Fahrstuhl startete erneut Richtung Liga drei. Die Trainersuche? Gestaltete sich unglücklich, vorsichtig ausgedrückt. Sportchef Jens Todt präsentierte eine lange Liste – die Bosse luden zu Gesprächen und entschieden. Auch die Trainer-Verpflichtung ist Chefsache, mit einer bitteren Bilanz: Die Halbwertzeit der vom Präsidium um Ingo Wellenreuther extern verflichteten Trainer beträgt weit weniger als ein halbes Jahr! Ein Negativrekord in der 2. Liga.
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  13. Erst wurde Argirios Giannikis, Assistent von Kauczinski, geladen, obwohl der angeblich nicht auf der langen Liste stand. Giannikis konnte das KSC-Präsidium nicht überzeugen. Dann kam Rüdiger Rehm. Seine Präsentation war ebenfalls nicht gut genug. Die von Tayfun Korkut dagegen gfiel den Bossen. Doch Korkut sagte ab. Nummer vier: Tomas Oral. Der erhielt den Zuschlag. Trotz Vorbehalten gegen dessen knallharte Arbeitsweise als „Magath-Schüler“. Oral hatte keinen Kredit und damit eigentlich keine Chance. Für ihn kam Interimscoach Lukas Kwasniok, der einen tollen Job ablieferte: zwei Spiele, null Ge- gentore, keine Niederlage. Aber: Ihm fehlte die nötige Lizenz.
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  15. Daraufhin folgte der GAU: Mirko Slomka kam – auf heiße Empfehlung von Oliver Kreuzer, der den inzwischen freigestellten Todt als Sportdirektor beerbt hatte. Kreuzer lobte Spezi Slomka über den grünen Klee – obwohl in fast drei Jahren kein deutscher Pro klub echtes Interesse am arbeitslosen Slomka gezeig hatte. Warum? Diese Frage stellte man sich im Wildpark wohl nicht ... Zudem gab Kreuzer bei Slomkas Vorstellung noch U-17-Trainer Marc-Patrick Meister, der ebenfalls Trainerkandidat war, überflüssigerweise eine Breitseite mit. Slomka würde das Ruder rumreißen, man könne nicht „irgendeinen U-17-Trainer installieren und auf Besserung hoffen“ ... Und jetzt? Ab sofort ist ebendieser die große Hffnung in Sachen Wiederaufstieg.
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  17. Dass Slomka, bei dem man das Gefühl hatte, dass er sich nie mit dem Zweitligisten KSC identifzieren konnte, ein kompletter Fehlgriff war – das gibt das Präsidium inzwischen auch ofiziell zu. Doch für die Chefs ist klar, wer der Hauptschuldige ist: Ex-Sportdirektor Todt. Der bekommt Prügel ohne Ende. Bisweilen geht es zu wie bei einer
  18. Schlammschlacht. Mit zahlreichen Schuldzuweisungen des Präsidiums, das von eigenen Unzulänglichkeiten wie den bizarren Trainerverpflichtungen ablenken will.
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  20. Todt habe bei Spielerverkäufen und Verpfichtungen viele Fehler gemacht. Eigentlich, so heißt es, hätte man sich schon nach dem verpassten Bundesligaaufstieg von ihm trennen müssen. Warum aber hat man Todt dann erst Ende 2016 freigestellt, mit der Begründung, dass er seinen Vertrag nicht habe verlängern wollen? Was Logik ist, liegt eben oftmals in der Betrachtung desjenigen, der sie vertritt.
  21. Sicher hatte Todt vor dieser Saison gemeinsam mit Oral kein glückliches Händchen bei Neuverpflichtungen. Aber auch Nachfolger Kreuzer schaffte es mit seinen fünf Winternachkäufen nicht, die Kaderqualität auch nur um eine Nuance zu verbessern. Kreuzer und Slomka holten im Winter ein Quintett neuer Spieler – danach beklagte sich der Sportdirektor, dass es im Team an Typen fehle, an denen sich die Jüngeren aufrichten könnten: „Als ich durchgezählt habe, kam ich auf drei.“ Eine absolut zutreffende Analyse. Aber: Das ist wenig überraschend, wenn man Akteure wie Benedikt Gimber (20, null Pro -Erfahrung), Fabian Reese (19, 74 Minuten Profifußball) oder den 21-jährigen Angreifer Oskar Zawada von Wolfsburg II holt ... Der Kader wurde auf 34 Akteure aufgebläht. Und einige davon bevorzugten ein „Dolce Vita“, anstatt professionell zu leben. Was auch an der absoluten Perspektivlosigkeit des Kaders lag.
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  23. Eines wurde aber immer deutlicher. Die Arbeitsweise von Todt und die engen Vorgaben des Präsidiums in Sachen Vertragsgestaltung waren seit Langem nicht mehr kompatibel. Während Todt mit den Profis verhandeln wollte, forderte das Präsidium bis zu einem festgelegten Datum eine Entscheidung, zu fixierten Bedingungen. Ohne Wenn und Aber. Doch anstatt Probleme intern zu klären, nagelte das Präsidium Manager Todt für den Zerfall der Mannschaft in einer Pressemitteilung ofentlich an die Wand. Der nahm es äußerlich gelassen hin – innerlich hat er wohl schon damals beschlossen, den Kontrakt beim KSC nie und nimmer zu verlängern.
  24. Bei aller Kritik an Todt: Ihm gelangen gemeinsam mit Ex-Coach Kauczinski etliche starke Transfers. Er entdeckte viele Regionalligaspieler, die sich beim KSC im Laufe der Zeit zu Bundesligaprofis entwickelten: Philipp Max, Jonas Meffert, Manuel Torres oder auch Bjarne
  25. Thoelke.
  26. Der Transfer eines Talentes aus einer unteren Liga, das dem KSC Millionen in die Kassen spülte, gelang Kreuzer bislang nicht ... Aber auch die Trefferquote von Todt sank vor der laufenden Saison. Beispiele gefällig? Franck Kom. Ein Kameruner, der in Tunesien kickte, wurde von Ex-Coach Oral als „Krieger“ bezeichnet, lief aufgrund fehlender Schnelligkeit aber meist hinterher. Ein Fehlgriff von besonderer Größenordnung: Jordi Figueras. Dessen Grundschnelligkeit reicht einfach nicht für die 2. Liga. Zudem beantragte in Spanien die Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Spielmanipulation eine Haftstrafe. Auch die Entwicklung der talentierten Eigengewächse stagnierte, wohl auch wegen der permanenten Trainerwechsel. Weder Marvin Mehlem noch Boubacar Barry entwickelten sich entscheidend weiter.
  27. Bereits im Jahr 2012 war der KSC in die 3. Liga abgestürzt. Es gibt jedoch einen gravierenden Unterschied: Damals holte der KSC unter Kauczinski in den letzten sieben Partien 13 Zähler, scheiterte erst in der Relegation. Jetzt legten die Badener eine Niederlagenserie hin, die Vereinsrekord bedeutet! Das Ergebnis: kaum Zuversicht – und kein Geld. Statt mehr als zehn Millionen Euro TV-Gelder zu kassieren, klimpern demnächst höchstens 711 000 Euro in der klammen Kasse. Nach einer exakten Prüfung durch den DFB muss der KSC für die 3. Liga bis zum 1. Juni einiges nachbessern.
  28. Wieder mal muss wohl Vizepräsident Günter Pilarsky für Etliches geradestehen. Der ist dazu bereit – aber nur unter einer Bedingung: Der bei einigen Fangruppen in
  29. Misskredit geratene Wellenreuther muss im Amt bleiben, trotz Rücktrittsforderungen der Anhänger. Nur mit Wellenreuther gibt es von Pilarsky also die benötigte Kohle.
  30. Ob das aber dazu beiträgt, den KSC in ruhigem Fahrwasser in Richtung Wiederaufstieg zu führen? Ob das zu Geschlossenheit im Verein führt? Denn nur ohne Grabenkämpfe, mit vereinten Vereinskräften, schafft der KSC das schnelle Comeback in der 2. Liga. Alle sollten an einem Strang ziehen – vor allem in dieselbe Richtung. Ein Vorteil: Kreuzer schaffte immerhin schon einmal den Aufstieg, er sollte also wissen, was nun zu tun ist.
  31. 14 Verträge haben in der 3. Liga noch Gültigkeit. Doch nicht alle diese Akteure sollen im Wildpark bleiben. Man plant ohne Torhüter René Vollath und ohne Linksfuß Ylli Sallahi. „Der Kader wird ein neues Gesicht erhalten“, erklärt der neue Coach. Da die Einnahmen in Liga drei drastisch sinken, könnte es in der Geschäftsstelle im Wildpark Arbeitsplätze kosten. Die Angst geht um. Der Stadionneubau aber gerät angeblich nicht ins Wanken, zur Saison 2019/20 soll es so weit sein. Spätestens in den neuen vier Wänden muss es dann gelingen, die Wunde vom Wildpark zu heilen. PETER PUTZING/G.H.
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