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Zorns Experimente

a guest
Aug 1st, 2018
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  1. Daniel-Patrick Zorns Facebook-Apologetik 16.-20.01 – ziemlich komplett
  2. (jedenfalls nach bestem Wissen und Gewissen)
  3.  
  4. – Da hat der gute Herr Zorn doch tatsächlich einen pastebin entfernen lassen –
  5.  
  6. Mittlerweile ist das offline bzw. nicht sichtbar für die Öffentlichkeit, Link war: https://www.facebook.com/daniel.zorn/posts/10212850210584912
  7.  
  8. Vorherige Versionen und Ergänzungen: https://pastebin.com/u/18-Mann-Chor
  9.  
  10. Natürlich alles ohne Gewähr und v.a. inoffiziell. Zorn änderte seine Texte immer wieder und hat ein paar Kommentar entfernt.
  11. "====…" und 'Titel' der Teile sind unsere Ergänzungen. Sonst Text wie jeweils auf Facebook vorgefunden.
  12. Screenshots bzw. Safari Web Archives sind mehrere vorhanden.
  13.  
  14. – Da fehlen ziemlich sicher ein, zwei Kommentare, die Zorn oder die Autoren entfernt haben. Naja, sein Facebook, sein Text.
  15. - Und nee, Herr Zorn, das haben wir immer noch nicht alles gelesen. Aus guten Gründen.
  16.  
  17. 0) Unsere letzte komplett gesicherte Fassung der Diskussion (20.01., 00:30, als Safari Webarchive)
  18. - nach unserem Stand Zorns eigene Fassung Ende 19.01.
  19. - 1) und 2) kamen noch dazu.
  20.  
  21. 1) Die Reaktion auf Polenz, 20.10. nachmittags
  22. - *Letzter* Zusatz von Zorn
  23. - Später am 20.01. hat alles gelöscht.
  24.  
  25. 2) 20.10.: "Disclaimer für Zwangsempörte" vor dem Text.
  26. - *Vorletzter* Zusatz von Zorn
  27.  
  28. 3) Zorn-Text 19.01. – 15:30 – 2 Fußnoten dazu.
  29.  
  30. 4) Diskussion insgesamt, Stand 20180117 – 1245 MEZ
  31.  
  32. ================
  33. 0) Letzte komplett gesicherte Fassung
  34.  
  35. Wichtig: Hinzu kamen noch 1) und 2) (siehe unten).
  36. 1) Die Reaktion auf Polenz.
  37. - Am 20.01. hat Zorn später alles gelöscht.
  38. 2) 20.10.: "Disclaimer für Zwangsempörte" vor dem Text.
  39.  
  40. Daniel-Pascal Zorn
  41. 16 January at 14:55 ·
  42. Zum Verhältnis von Argumentationslogik, Reflexionslogik und Dialektik
  43. Seit mittlerweile vier Jahren widme ich mich der Frage, wie man philosophische Kompetenzen wieder gesellschaftsfähig und das heißt hier: praktisch anwendbar, im Sinne wohlüberlegter diskursiver Interventionen, machen kann. Als ungefähres Schema habe ich mir Sokrates dreistufige Elenktik zum Vorbild genommen, ergänzt um Platons Beitrag: (1) Konfrontation der eigenen Überzeugung mit Kritik (dem Elenchos) - (2) Einsehen der Aporie (des Nichtwissens etc.) - (3) gemeinsame Auflösung der Aporie. Alles, was ich seit 2014 bis zum Sommer 2017 gemacht habe, diente der Erforschung von Schritt (1).
  44. Genauer: Seit 2014 nutze ich für diese Fragestellung und verschiedene, wechselnde und teils im 'trial and error'-Verfahren, teils als Stufungen und Schachtelungen erprobte Hypothesen Facebook quasi als meinen Experimentierraum (im Sinne einer beschreibenden und beobachtenden Diskursanalyse des öffentlichen Diskurses). Der Grund hierfür ist einfach: hier stellen sehr viele Menschen kostenlos und völlig freiwillig ihre Sichtweise zur Diskussion, hier spielt ein stilles, aber eifrig mitlesendes Publikum eine wesentliche Rolle, hier gibt es eine ausreichende Infrastruktur, um übersichtlich zu diskutieren, und hier kann man durch die Konzentration auf Text eben jene Aufmerksamkeit einüben, um die es mir geht.
  45. Wie die meisten - Freunde und Gegner gleichermaßen - mitbekommen haben, habe ich mich dabei seit 2016 (dem Hauptjahr meiner Logik-Kolumne bei der 'Hohen Luft') auf typische argumentationslogische Fehlschlussanalyse spezialisiert, der ich erst in der Kolumne und dann in meinem Buch 'Logik für Demokraten' eine meiner Philosophie entsprechende reflexionslogische Drehung verpasst habe.
  46. Diese Drehung hatte zunächst vor allem den Zweck einer didaktischen Stoffreduktion. Reflexions- und Reflexivitätslogik sind bei Schällibaum und mir ja in erster Linie Phänomenologien logischer Möglichkeitsräume. Eine allzu einseitige Reduktion dieser Räume z. B. auf argumentationslogische Beurteilung macht blind für alternative Zusammenhänge. Zwischen reflexiven Resten und reflexiver Konsistenz liegen mithin sehr kleine Schritte, die oft nur im modus tollens beurteilbar sind. Aber am Beispiel der Argumentationslogik kann man - sozusagen en passant und mit Mehrwert - die Grundlagen einüben, von denen aus man sich die eben genannten Phänomenologien erschließen kann.
  47. In einem Bild gesagt: Die von mir vertretene Argumentationslogik ist nur ein sehr kleiner Ast an einem sehr großen Baum. Wenn ich in den letzten Jahren den Eindruck gemacht habe, dass ich oder meine philosophische Position mit der von mir - mit viel Hingabe gespielten - Rolle des 'promovierten Argumentationslogikers' identisch sei, dann diente das vor allem meiner gedanklichen Experimentalanordnung. Dass gerade bei Philosophen bei so etwas auch immer ein Gutteil Selbstklärung mitschwingt, brauche ich nicht zu verschweigen.
  48. Diese Experimentalanordnung - eine Problemstellung ausgehend von der Frage 'Wieviel Dialektik verträgt die Gesellschaft?' - startete bewusst mit der wohl rigidesten und strengsten, aber auch engstirnigsten Form dialektischer Auseinandersetzung. Wie weit, so fragte ich mich, würde man damit kommen?
  49. Wie sich herausstellte, erstaunlich weit: die von mir vorgeschlagene Argumentationslogik wurde - wohl auch wegen ihres formalen Charakters, der an Regelfolgen erinnert - bereitwillig angenommen. Der Moment der bewussten Reduktion ist benennbar: für die Kolumne bei der 'Hohen Luft' war mein Ansatz zu komplex. Also entschieden wir auf Take-away-Argumentationslogik. Das war bekanntlich so erfolgreich, dass noch die 'Logik für Demokraten' auf ihr aufbaut, auch wenn ich ein paar reflexionslogische Grundfiguren hineingemogelt habe.
  50. Für mich war die 'Logik' der Abschluss von Stufe (1). Entsprechend wandte ich mich ab dem Frühjahr 2017 - mit tatkräftiger gedanklicher Unterstützung durch Per Leo - Stufe (2) meines sokratisch-platonischen Schemas zu: der Erforschung der Einsicht in Aporien.
  51. Dafür war der eher konfrontative **) Ansatz der rigiden Argumentationslogik nicht mehr nötig und sinnvoll. Da Reflexionslogik, als logische Phänomenologie, alle möglichen Formen von Rückbezüglichkeit beschreibt, auch literarische oder rhetorische, interessierte mich die Frage, wie Dialektik im Modus der Rezeption - statt der Konfrontation - funktionieren und erfolgreich angewendet werden kann. Entsprechend wandten wir uns einem Projekt zu, das mit einer Kombination aus Dialektik und Rhetorik - sonst Antipoden - experimentiert, im Sinne einer nicht-inkonsistenten Rhetorik. Das Buch 'mit Rechten reden' ist, aus meiner Sicht, das erste Ergebnis dieser neuen gedanklichen Experimentalanordnung. ***)
  52. Ebenso wie Stufe (1) von Logik-, Dialektik- und Sophistik-Studien und, durch die diskurspraktische Problemstellung, auch zunehmend von politik- und rechtsphilosophischer Lektüre geprägt war, lese ich jetzt Texte der Renaissancephilosophie, die mit Satire und Ironie experimentiert und arbeite schon länger an einem Buchprojekt zum Thema 'Logos und Mythos'.
  53. Das bedeutet aber auch, das meine - oft ostentativ zur Schau gestellte - Rigidität einer offeneren Herangehensweise weicht. Schließlich ist Argumentationslogik nicht der grundlegende Gesprächsmodus und schließlich gibt es nicht und gab es nie einen Zwang zum argumentierenden Gespräch. Argumentationslogik, in meinem Verständnis, ist operational aufmerksame dialektisch-kritische Analyse im Hinblick auf Geltungsansprüche. Dialektisch ist sie, weil sie den Analytiker auf seine eigene Kritik verpflichtet.
  54. Leider ist mir auf diesem Weg passiert, was Philosophen oft passiert: was ich 'Dialektik' nenne, wurde nicht nur von Gegnern (erwartbarerweise) auf argumentationslogische Rigidität festgelegt und mit Pappkameraden verfeinert; auch einige solche, die von mir in affirmativer Absicht Dialektik lernten, verloren das 'big picture' aus dem Blick. Sie verwechselten Reflexionslogik und Argumentationslogik, identifizierten den reduzierten konfrontativen Ansatz mit Dialektik und entwickelten so eine halberistische Kampfdialektik. Aus diesem Missverständnis heraus erschien ihnen die viel weiter reichende Reflexionslogik - auf die sie sich dennoch stolz beriefen - als Zeichen von argumentativer Schwäche und Dekadenz. Wie in solchen Zusammenhängen typisch, hatte die Strenge, die Verantwortung erforderte, sich dieser entledigt und aus der Argumentationslogik ein Instrument zum Rechthaben, Überlegensein und Klugscheißen geschaffen. (Und das aus meiner Feder, was?)
  55. Ich bedaure sehr, dass meine Zuspitzung dialektischen Urteilens auf Argumentationslogik zu solchen Missverständnissen führen kann. Aber Argumentationslogik ist nur eine (!) von mehreren Strategien für den ersten, niedrigsten Schritt des dialektischen Elenchos. Weil sie die - gemessen am gegenwärtigen Wissensbestand - am leichtesten zu erlernende Strategie ist, habe ich sie für eine dialektische Didaktik ausgewählt, der auch philosophische Laien folgen können. Sie für das Fundament zu halten, ist absurd - und doch war es wohl mein Stoizismus der Methode, der letztlich dafür verantwortlich ist.
  56. 'Dialektik', wie ich sie verstehe, ist aber viel mehr als das. Als operationale Aufmerksamkeit kann sie Geltungsansprüche begründen, ja - aber diese Aufmerksamkeit im Dienst der logischen Phänomenologie, die meine philosophische Position ist, umfasst viel, viel mehr.
  57. Das sokratisch-platonische Schema, selbst Grundlage meiner viele Jahre dauernden und bis jetzt unabgeschlossenen Experimentalanordnung, umfasst nur wenige diskurspraktische und diskursdidaktische Hinsichten. Das weite Feld der Texthermeneutik habe ich in meiner Diss behandelt; die Phänomenologie institutionalisierter Rechtfertigungsstrategien behandle ich in der Habil; die Übertragbarkeit meiner explikativen Heuristik in die Kulturanalyse ist bis jetzt nur grob angerissen; dasselbe gilt für Mathematik und theoretische Physik.
  58. Ich halte diesen Einblick für nötig, um Konzepte wie 'Rollenprosa' verständlich werden zu lassen. Und auch, um den allzu eifrigen Epigonen eine Ahnung zu geben, wo ihr gerade erst begonnener Weg hinführen würde, wenn sie den Mut aufbringen, ihn zu gehen. Dialektik, Philosophie überhaupt ist, in einer letzten *) Konsequenz, das Erlernen der hinsichtlichen Selbstaufhebung. Selbst wenn man, wie ich, den Weg schon einmal gegangen ist, ist jedes Wiedergehen anders. Wer die Philosophie durchdacht und beendet hat, den macht sie zum Werkzeug ihrer unendlich mannigfaltigen Entfaltung.
  59. Ich möchte bei allen, die ich auf diesem Weg verletzt und instrumentalisiert habe, um Verzeihung bitten. Wenn ich eines gelernt habe, dann dass Ethik nicht nur darin besteht, die Freiheit, sondern vor allem darin, die Unfreiheit des Anderen zu achten. Zudem weiß ich nun, warum Philosophen kleine und esoterisch anmutende Schulen gründen. Dennoch hoffe ich, dass mehr akademische Philosophen diesen Weg gehen. Ihre Vielfalt im offenen Diskurs erscheint mir der sicherste Weg meiner Selbstaufhebung.
  60. *) "letzt[e]" im Sinne einer dialektischen Umwendung
  61. **) "eher", weil es ein Gefälle gab: je dogmatischer das Gegenüber, desto sachlicher und 'härter' die Reaktion. Je weniger dogmatisch, desto verbindlicher. Das - und nicht eine 'schwarze Pädagogik' von 'Brechen / Unterwerfung' - hat mein Handeln hier stets bestimmt. Das sieht man auch daran, dass entsprechende Klagen stets von Gegnern kamen, die wegen ihres Dogmatismus gegen die 'Wand' liefen - nicht meine, sondern ihre eigene (was einzusehen die ganze Pointe war - je dogmatischer, desto problematischer die Selbsttäuschung über das eigene Wissen).
  62. ***) Zum Begriff des 'Experiments' im Sinne einer Beobachtung meiner Praxis unter bestimmten Bedingungen siehe auch unten.
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  65. 58 Marko Demantowsky, Pia Antonia Koch and 56 others
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  67. 16 comments
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  69.  
  70. Norbert Finzsch
  71. Norbert Finzsch So, das Ganze bitte als zitierbaren Aufsatz oder so etwas Ähnliches....Danke!
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  75. Daniel-Pascal Zorn
  76. Daniel-Pascal Zorn Man kann auch FB-Posts zitieren.
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  80. Norbert Finzsch
  81. Norbert Finzsch ist aber nicht so schön. Überhaupt möchte man solche Perlen nicht nur in FB-Trögen liegen sehen...
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  84. Daniel-Pascal Zorn
  85. Daniel-Pascal Zorn Ich mach einen Blogeintrag daraus. Ende der Woche. Deal?
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  89. Norbert Finzsch
  90. Norbert Finzsch You're a star!
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  94. Jens Bernhard
  95. Jens Bernhard Udo Wolf
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  99. André Luthardt
  100. André Luthardt
  101.  
  102. TENOR
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  106. Burkhard Wahle
  107. Burkhard Wahle Ich bin zwar immer noch nicht damit durch, aber wer in VGZG gelesen hat, der kann deinen Ansatz eigentlich nicht auf Argumentationslogik verkürzen oder ein nur instrumentelles Verhältnis zu dieser entwickelt haben, im Sinne einer "halberistischen Kampfdialektik" (sehr schön!). Dass Philosophie sich aber im politischen Diskurs dadurch neu bemerkbar machte, dass ihr Handwerkszeug von dir "streng" eingefordert und als kritisches Instrument vorgeführt wurde, ist ja nichts, was durch deine dialektische Aufhebung nun nichtig würde: auch wenn die Gemeinde noch vielsagend schweigt oder gar ausfällig wird. Edit : das Ausfällige scheint gelöscht worden zu sein.
  108. 2
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  111. Aljoscha Hellekes
  112. Aljoscha Hellekes Eher deskriptiv denn dialektisch.
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  115. Daniel-Pascal Zorn
  116. Daniel-Pascal Zorn Hm?
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  119. Aljoscha Hellekes
  120. Aljoscha Hellekes Mhhhh. Mhhhh. Once... 🎙
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  123. Daniel-Pascal Zorn
  124. Daniel-Pascal Zorn Das meinte: kannst Du das bitte etwas näher ausführen?
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  127. Til Quadflieg
  128. Til Quadflieg Und wann lösen Sie auf, dass das jetzt wieder ein Rollenspiel ist?
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  132. Daniel-Pascal Zorn
  133. Daniel-Pascal Zorn Gar nicht. Sollte sich aus dem Kontext ergeben: Das Rollenspiel macht nur in der Konfrontation Sinn.
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  136.  
  137. Til Quadflieg
  138. Til Quadflieg "Sinn" und "Unsinn" kann vieles ergeben. Es ist nur "reflexiv ungünstig" (gilt das noch?), als Wissenschaftler / mit wissenschaftlichen Geltungsansprüchen aufzutreten und gleichzeitig die Maßstäbe von Verlässlichkeit und Vertrauen (in Sie als Gewährsperson) zu dekonstruieren. Zudem rührt Ihre Praxis ja ohnehin an weitere sagen wir mal existenzphilosophische Probleme : Wenn das jetzt keine Rolle ist - was ist es dann, was qualifiziert es als "echt"?
  139. 2
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  142. Daniel-Pascal Zorn
  143. Daniel-Pascal Zorn Hm. "Sinn" bezieht sich auf das, was ich oben dargestellt habe: die Beschränkung - 'Rollenprosa' - auf argumentative Zusammenhänge ist nur im Kontext meiner Studien zur Konfrontation sinnvoll, weil dasselbe Vorgehen sich bei Studien zur Rezeption selbst im Weg steht.
  144.  
  145. Ansonsten habe ich - von Anfang an - klar gemacht, dass ich Argumentation nicht als Grundform des Redens verstehe, dass ich, wenn ich Behauptungen kritisiere, auf bestimmte Aspekte achte usw.
  146.  
  147. Ich sehe also nicht, wo ich "die Maßstäbe von Verlässlichkeit und Vertrauen" in mich "dekonstruier[t]" haben soll. Wer meine Arbeit kennt, meine Texte liest, was ich in Interviews, Blogeinträgen etc. etc. (schon in meinen FAQ zur 'Logik für Demokraten') zu sagen habe, für den ist das Obenstehende höchstens die Einordnung des längst Bekannten in einen größeren Kontext. Ich verstehe Ihre Irritation also vor allem als Reaktion auf eine Ent-Täuschung des Bildes, das Sie sich von mir gemacht haben. Und dazu ist der Post da - reflexiv günstig übrigens, denn genau um solche Enttäuschungen geht es unter anderem.
  148.  
  149. Wenn ich davon spreche, dass Reflexionslogik viel mehr ist als Argumentationslogik, bedeutet das nicht: etwas ganz anderes. Es ist eben eine ganz bestimmte Anwendung. Und ich mache jetzt den Schritt zurück und ordne das ein. Ich lehre immer noch Argumentationslogik - nur beschränke ich mich nicht mehr darauf. Wenn Sie das als Erschütterung von Verlässlichkeit und Vertrauen erleben, tut mir das leid. Aber so funktioniert Wissenschaft: man klärt Hypothesen in einen klar begrenzten Experimentalraum, in dem die Bedingungen halbwegs kontrollierbar sind. Und wenn man die Kontexte ausgeschöpft hat, erweitert man den Blick.
  150.  
  151. Ihre Frage ist im Post beantwortet: Ausgangspunkt und Horizont ist meine Diss. Das Gesamtbild liegt also vor, wenngleich auch in ihm weitere Aufgaben formuliert sind. Meine freiwillige Selbstbeschränkung ab Herbst 2015 (!) war immer darauf angelegt, sich zu diesem Bild zu runden.
  152. 1
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  155. Til Quadflieg
  156. Til Quadflieg Daniel-Pascal Zorn - Ich habe, wie Sie wissen, Ihre "Rollenprosa" immer wieder als zu kurz greifend kritisiert und bin in keiner Weise enttäuscht; Sie scheinen Ihr Experiment noch nicht vollständig differenziert ausgewertet zu haben. Zur "Wissenschaft": Sie haben nach Ihren eigenen Angaben "mehrere Jahre" gegenüber vielfach kontingent-unkontrollierten, Ihnen in ihren jeweiligen Hintergründen unbekannten Personen wie ein Berserker versucht, Betrachtungen durchzusetzen, die sie jetzt jedenfalls als unvollständig kennzeichnen und denen gegenüber Sie unausgesprochene Vorbehalte bzw. experimentell-manipulative Hintergedanken hatten. Sie sagen, dies sei ja eigentlich für jeden erkennbar gewesen; de facto dürften aber 80% der Personen, auf die Sie so eingewirkt haben, weder diesen Post lesen, noch auf sonstigen Wegen darüber aufgeklärt werden, dass Sie Teilnehmer eines "wissenschaftlichen" Experimentes waren. Das "Experiment" hat den Testraum weit überschritten und auf Wirklichkeit eingewirkt. Ihre angebliche Rolle als Versuchsleiter, Agent Provocateur und Analyst der Ergebnisse in einer Person erscheint wissenschaftlich konfus. Ihr Vorgehen mag vielleicht mit einer Künstlerethik oder mit einer Ethik des Selbsterfahrungstrips vereinbar sein, nicht aber mit einer Wissenschaftsethik. Die Dekonstruktion von Verlässlichkeit besteht eben darin - offenzulegen, dass Sie über "Jahre" hinweg Inhalte instrumentell verwendet haben, letztlich um Personen zu manipulieren und mithin massiv uneigentlich agiert haben; offenzulegen, dass dies bei Ihnen möglich ist (Verlässlichkeit ist so verstanden gewissermaßen eine "Eigentlichkeitsgewähr" des Wissenschaftlers, die etwa ein Künstler soziokulturell nicht oder weniger in Anspruch nimmt, auf die er für seine Kommunikation aber auch weniger angewiesen ist).
  157. 4
  158. Manage
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  160. Daniel-Pascal Zorn
  161. Daniel-Pascal Zorn Til Quadflieg: In Ihrer Kritik haben Sie leider immer wieder übersehen, dass "zu kurz greif[en]" nur dann ein schlüssiger Vorwurf ist, wenn jemand einen Vollständigkeitsanspruch behauptet. Insofern ist das nicht gerade ein Kompetenznachweis.
  162.  
  163. Wenn ein Experiment nicht abgeschlossen ist, kann man es schwerlich "vollständig differenziert" (was immer das heißen mag) auswerten.
  164.  
  165. Wie Sie die Personen einschätzen, mit denen ich über die Jahre gesprochen habe, interessiert mich nicht besonders - auch weil das zu großen Teilen offensichtlich vorgetäuschtes Wissen ist (so lange kennen wir uns ja noch nicht). Aber nochmal eine solche Polemik wie "wie ein Berserker" und Sie fliegen hier raus.
  166.  
  167. Ansonsten habe ich an keiner Stelle versucht, "Betrachtungen durchzusetzen". Solche Pappkameraden sind schon deswegen ungünstig, weil ich insbesondere Ihnen mühevoll und in mehreren Sitzungen erklären musste, was der Unterschied zwischen einer Behauptung und einer Setzung ist. Wieder: kein Kompetenznachweis.
  168.  
  169. Wofür ich argumentiert habe, ist im Kontext der Argumentation keineswegs "unvollständig". Sehr wohl aber im Kontext der Beurteilung meiner philosophischen Position. Lernen Sie, Hinsichten zu unterscheiden - und verabschieden Sie sich endlich von dem Konzept des Vollständigkeitsanspruches. Das ist nämlich aporetisch.
  170.  
  171. Ihre Behauptung, ich hätte "unausgesprochene Hintergedanken" gehabt, ist überprüfbar falsch. Ich weiß nicht in wie vielen Debatten ich klar gemacht habe, dass Argumentationslogik eine HINSICHT auf das Gespräch ist. Wenn Sie meinen, meine Gesprächspartner der letzten Jahre beurteilen zu können, sollten Ihnen diese Beiträge aufgefallen sein. Entsprechend gibt es auch keine "manipulative[n] Hintergedanken". Wo soll da die Manipulation liegen? Dass ich das Argument des Anderen, so doof es auch ist, ernst nehme? Dass ich ihn darin als Gleichberechtigten akzeptiere, etwas, was Sie bis heute nicht gelernt haben, weil Sie Ihre juristische Kampfrhetorik offenbar für das Nonplusultra halten oder zu mehr nicht fähig sind? Oder dass ich wirklich jede meiner Behauptungen auf etwas beziehe, was er und ich teilen - und daraufhin meine Begründungspflicht akzeptiere? Das ist manipulativ? Oder meinen Sie damit, dass ich mir die Freiheit nehme, mich für meine Interaktionen auch in anderen Hinsichten zu interessieren? Anhand derselben gegebenen Redeeinsätze, so dass jede diesbezügliche Beobachtung wieder nachprüfbar ist? Freie Beobachtung von Gegebenem ist unredlich? Nach welchem Kriterium?
  172.  
  173. Sie scheinen der aporetischen Illusion anzuhängen, dass man, bevor man in Interaktion tritt, bereits in perfekter und abschließender Weise (100% haben meinen Post gelesen) in Interaktion getreten sein muss. Das führt halt in einen Regress. Aber dass jemand, der aus der Hand Prozentangaben und psychologische Dispositionen von Leuten, die er nicht kennt, hervorzaubert, auch das fertigbringt, verwundert mich eher nicht.
  174.  
  175. Ihre unreflektierte Polemik scheint sich an dem Konzept 'wissenschaftliches Experiment' aufzuhängen. Aber ich bin kein Laborwissenschaftler. Was ich hier 'Experiment' nenne, ist letztlich beschreibende Beobachtung von diskursiver Interaktion im Hinblick auf Strukturmomente und ihre Wiederholungsrate und Varianzbreite. Die Personen spielen darin keine Rolle, sondern nur das, was ich - als Erfahrung - aus den Gesprächen mitnehme. Und dabei handelt es sich nicht um 'Daten', sondern im Wesentlichen um Problemstellungen, die mich zur Verbesserung, Verfeinerung und Erweiterung meines Ansatzes anregen. Mehr nicht.
  176.  
  177. Unfasslich finde ich, dass Sie nach all der Zeit nicht verstehen, was dialektische Praxis ist. Es ging ja gerade darum, die Frage zu klären, ob und wie 'Einwirkung' funktioniert. Herrje. Ich unterhalte mich mit einem Blinden über Farben.
  178.  
  179. Die "angebliche[n] Rolle[n]" sind Ihre eigene Erfindung. Sie machen in einem diskursanalytisch-dialektischen Zusammenhang auch keinen Sinn. Was sich durch ein bisschen Nachdenken ergibt - denn Dialektik ist Beobachtung in der Teilnahme. Und nun dürfen Sie darauf herumkauen, welche Hinsichten man als Teilnehmer einer solchen Interaktion so beschreiben kann, dass andere die Beschreibung prüfen können. Dann sind Sie ganz nah dran an meinem Ansatz. Was Sie "konfus" finden, hat einfach mit Ihrer eigenen Ersetzung meines Experimentalverständnisses (das ich in VGZG geklärt habe) durch Ihres zu tun.
  180.  
  181. Mich interessiert ansonsten nicht sonderlich, was Sie womit für "vereinbar" halten. Ihr Begriff von "Wissenschaftsethik" ist hier nicht das Kriterium. Und wer reflexive Rechtfertigungspraxis als "Künstlerethik" oder "Ethik des Selbsterfahrungstrips" herabsetzen muss - wer hat oben von "existenziellen Problemen" gefaselt? -, sollte andere nicht über Ethik belehren. Das wirkt lächerlich.
  182.  
  183. Ihr letzter Absatz wiederholt Ihre Falschbehauptungen, ohne auch nur eine einzige Begründung anzugeben. Dass es mir freisteht, aus Erfahrung zu lernen, werden Sie kaum bestreiten können. Dass Sie keinen Plan von meinen Texten oder meiner Arbeit haben, haben Sie nicht zum ersten Mal offenbart - insofern ist "massiv uneigentlich" wohl eher Ihr Fehlschluss ad ignorantiam. Oder halt der Versuch, mit unlauteren Kriterien - perfekte Rezeption, s. o. - eine nichtexistierende Manipulation herbeizuschreiben. Da ich ansonsten in jedem Text - die Sie offenbar alle nicht kennen - die Kriterien meiner Beurteilung offenlege, ist auch die von Ihnen behauptete "Eigentlichkeitsgewähr" gewährt.
  184.  
  185. Ich glaube, Sie haben einfach ein Problem damit, dass Ihr Bild von mir, mit dem Sie mich so bequem einsortiert hatten - hochtrabend und arrogant waren Sie mir gegenüber ja schon immer -, nicht mehr funktioniert. Sie halten Ihren Teetassen-Horizont für eine Norm und heulen auf, wenn man sie verletzt. Wahrlich ein existenzielles Problem. Aber Ihres, nicht meines.
  186.  
  187. Und jetzt würde ich vorschlagen, Sie nehmen sich mal mein Gesamtwerk vor und versuchen, zu verstehen, bevor Sie kritisieren, wozu Sie gar nicht kompetent sind. Viel Erfolg.
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  189. Like · 2d · Edited
  190. Daniel-Pascal Zorn
  191. Daniel-Pascal Zorn Quadfliegs Beitrag wurde nach neuerlicher Beleidigung - "Sektenführer" - gelöscht. Er hat mich blockiert, weswegen dieses Gespräch wohl zu Ende ist...
  192. 1
  193. Manage
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  195. Guido Heidmann
  196. Guido Heidmann Schade.
  197. Manage
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  199.  
  200. Aldan Ris
  201. Aldan Ris Daniel-Pascal Zorn Es ist davon zu lesen, dass nur allzu oft das Verlangen nach Wissen beim Lernenden aus Übereiltheit noch von der Annahme überflügelt werde, er solle in einer Art lernen, die er wünsche oder befürworte.
  202.  
  203. Als Lernender kann ich nur sagen, dass ich mit meinem nun auf 260 Seiten angewachsenem Lernstoff - vollauf zufrieden bin.
  204. 2
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  206. Like · 1d
  207.  
  208. Marko Demantowsky
  209. Marko Demantowsky Jetzt endlich aufmerksam gelesen. Grossartig, Daniel.
  210. 1
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  213. Daniel-Pascal Zorn
  214. Daniel-Pascal Zorn Danke. Texte sind ja auch immer Selbstklärung - ich erzähle von diesem Plan, seitdem ich derart auf Facebook aktiv bin, habe mir aber nie die Mühe gemacht, ihn so ausführlich aufzuschreiben. Dass Facebook mein Experimentierfeld ist, ist ein Standard bei meinen Auftritten. Entsprechend überrascht mich die Überraschung hier ein bisschen.
  215. 1
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  218. Marko Demantowsky
  219. Marko Demantowsky Daniel-Pascal Zorn Ein guter Zeitpunkt. Das nächste Level.
  220. Es bleibt - und ich hoffe, ich bekomme jetzt nicht wieder einen auf den Deckel :-) - beständig eine Grunderfahrung aller Denkenden:
  221. http://gutenberg.spiegel.de/buch/-589/1
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  223. Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden von Heinrich von Kleist - Text im…
  224. GUTENBERG.SPIEGEL.DE
  225. 3
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  227. Daniel-Pascal Zorn
  228. Daniel-Pascal Zorn Ganz und gar nicht - vgl. dazu das Kapitel zum Schreiben in meiner 'Einführung'!
  229. 2
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  232. Marko Demantowsky
  233. Marko Demantowsky Daniel-Pascal Zorn Liegt auf meinem Schreibtisch!
  234. 1
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  237. Daniel-Pascal Zorn
  238. Daniel-Pascal Zorn Hier findet sich die Selbstklärung des argumentationslogischen Ansatzes: https://rechtfertigung.wordpress.com/.../fragen-und.../
  239. Manage
  240.  
  241. Fragen und Antworten zur ‚Logik für Demokraten‘ und zur…
  242. RECHTFERTIGUNG.WORDPRESS.COM
  243. 2
  244. Like · 2d
  245. Marko Demantowsky
  246. Marko Demantowsky Shared.
  247. Manage
  248. Like · 2d
  249.  
  250. Thomas Arnold
  251. Thomas Arnold Ich darf hier vielleicht ganz eitel auf meine Besprechung im DLF hinweisen, die damit schließt, dass VGZG - ausgehend von der Reflexionslogik - nicht primär eine Argumentationstheorie, sondern eine reflexive Ethik anbietet. http://www.deutschlandfunk.de/daniel-pascal-zorn-vom...
  252. Manage
  253.  
  254. Daniel-Pascal Zorn: "Vom Gebäude zum Gerüst" - Reflexionslogische Übung
  255. DEUTSCHLANDFUNK.DE
  256. 7
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  258.  
  259. Lars Hartmann
  260. Lars Hartmann Ich gehöre zu denen, die austeilen und die auch einstecken können. Ich habe von Ihnen manches gelernt, leider aber nicht, mein heißes Temperament zu zügeln, ich bin, ähnlich vielleicht wie der von mir geschätzte Karl Heinz Bohrer, in diesen Dingen nicht nur reflexiv, sondern zugleich auch ästhetisch-intuitiv und probiere aus, was geht. Wie dem auch sei: ich halte Ihren Ansatz als Praktik für interessant, insbesondere jene Dreiteilung. Die „Erforschung der Einsicht in Aporien“ fasziniert auch mich in meinem Trachten, Forschen, Treiben. Dialektik hat in diesem Sinne bei mir eher einen hegelianischen Einschlag, wo es geht, die Aporien aufzulösen oder weiterzutreiben. (Man ist da schnell bei Adorno und hat da qua negativer Dialektik und Nichtidentischem zugleich ein Mehr an Erkenntnis. )
  261.  
  262. Das Mythos/Logos-Projekt bzw. in meinem Rahmen das Verhältnis von Kunst und Philosophie treibt auch mich ziemlich lange um. Insbesondere die narrative (aber auch rhetorische) Komponente von Texten fand ich von Anbeginn an wichtig. Insofern bin ich gespannt, was Sie dazu zu schreiben haben und würde mich freuen, wenn Sie, sobald da Texte vorliegen, auf diese verweisen. Ansonsten zu den von Ihnen angesprochenen Aspekten vielleicht die schöne Zeile von Hölderlins „Das Gasthaus“
  263.  
  264. „Komm! ins Offene, Freund! zwar glänzt ein Weniges heute
  265. Nur herunter und eng schließet der Himmel uns ein.
  266. Weder die Berge sind noch aufgegangen des Waldes
  267. Gipfel nach Wunsch und leer ruht von Gesange die Luft.
  268. Trüb ists heut, es schlummern die Gäng’ und die Gassen und fast will
  269. Mir es scheinen, es sei, als in der bleiernen Zeit.“
  270.  
  271. Den Konjunktiv dieser Art gälte es zu überwinden.
  272. 2
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  275. Daniel-Pascal Zorn
  276. Daniel-Pascal Zorn Lieber Lars Hartmann: vielen Dank! Insbesondere was die Schritte (2) und (3) angeht, werde ich zurückgeben können, was Sie schreiben: da kann ich von Ihnen lernen. - Hegel und Adorno sind jeweils von mir gar nicht weit weg. Ich habe die Stellen in VGZG markiert - darüber könnte man mal in ein Gespräch geraten.
  277.  
  278. Mythos / Logos dauert noch ein bisschen; ich bekomme eine Ahnung, die mich aber in die Literatur und Lyrik hineintreibt. Insofern danke für den Hölderlin!
  279. 1
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  282. Eli Herrmann
  283. Eli Herrmann Ich habe Ihnen viel zu verdanken.
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  287. Daniel-Pascal Zorn
  288. Daniel-Pascal Zorn Weil sich diese Missverständnisse eingeschlichen haben:
  289.  
  290. - Stufe (1) zu erforschen bedeutet nicht, nicht in jedem Gespräch auch auf Stufe (2) und (3) zurückzugreifen. Es bedeutet lediglich, dass ich bewusster und häufiger Auseinandersetzungen mit Dogmatikern gesucht habe und in Debatten eher auf strenge Sachlichkeit als auf rhetorische Verbindlichkeit oder sokratische Ironie gesetzt habe. Auch die o. g. Argumentationslogik bietet mit jeder begründeten Behauptung den Weg in die Einsicht der Aporie und die Auflösung derselben. Nur beginnt sie den ersten Schritt eben eher mit einer Kritik des Arguments als mit einer fragenden, heranführenden Haltung.
  291.  
  292. Ihre Grenzen liegen in der größeren Hürde des Kritisierten, den Schritt hin zu (2) und (3) zu machen, weil bereits (1) mannigfach Anlass zu narzisstischer Kränkung gibt. Umgekehrt ist der rigidere argumentationslogische Ansatz dadurch auch ein gutes Sieb, um diejenigen, die weitere Mühe lohnen, von denjenigen zu scheiden, die in Selbstimmunisierung verbleiben.
  293.  
  294. - in einigen Kommentaren ebenso wie in einschlägigen Foren wird mit wütender Überraschung auf meine Erklärung reagiert, die bewusste Konzentration auf streng sachliche Argumentationslogik sei Teil einer Experimentalanordnung gewesen. Die 'jumping conclusion' lautet, das sei also alles nur ein Spiel gewesen und ich hätte mit meinen Gesprächspartnern ohne deren Wissen experimentiert. Kurz gesagt: das 'Experiment' gibt vielfältigen Anlass zur neuerlichen Selbstviktimisierung, gerade bei denen, die auf einen Fehler lauern, weil sie mir die Haltung der Behauptung völliger Fehlerlosigkeit unterstellen.
  295.  
  296. Wenn ich hier von 'Experiment' spreche, dann bedeutet das jedoch nicht ein psychologisches Experiment mit 'Probanden' (ahnungslos, wider Willen) oder Laborexperiment mit ahnungslosen Laborratten. Es meint hier einfach eine fragende Haltung meinerseits, die ich - als durchgängiges, beobachtendes Interesse - mit all meinen Interaktionen verbinde. Man könnte auch sagen: ich lerne aus Erfahrung, wie jeder andere auch. Trial and error. Nur beschränke ich mich in diesem Fall eben selbst auf eine ganz bestimmte Erfahrung. Es werden keine 'Daten' erhoben und keine Statistiken erstellt. Sondern ausprobiert, ob und wenn ja, was wann wo wie funktioniert. Für mich und meine eigenen Fragestellungen.
  297.  
  298. Es ist jederzeit möglich, streng sachlich ein Argument in Frage zu stellen oder zu führen, darin mein Gegenüber vollkommen ernst zu nehmen, seine These so, wie sie gegeben ist, ernst zu nehmen, ihn als gleichberechtigt anzuerkennen und ihm in begründeten oder belegten Behauptungen über seine Rede die Gelegenheit zu geben, diese Behauptungen zu prüfen und ggf. eine Aporie einzusehen und gemeinsam mit mir aufzulösen - und zugleich das, was der andere und was man selbst dabei tut, zu beobachten, mit Erfahrungen abzugleichen, die man bereits gemacht hat und daraus Problemstellungen zu entwickeln, die man sich selbst zur Lösung vorlegt. Mehr meint 'Experiment' hier nicht.
  299.  
  300. Ich benutze diesen Begriff überhaupt nur, weil eine streng sachliche Perspektive es durch Weglassen rhetorischer Verbindlichkeit erlaubt, in der Beobachtung die relevanten Faktoren klar zu unterscheiden. Je rhetorischer und verbindlicher, desto diffuser wird auch die Analyse, weil die stillen Voraussetzungen mit jedem rhetorischen Zug zunehmen, Erwartungshorizonte eröffnen und - was oft übersehen wird - Debatten wirkungsvoller verhindern können als jede strenge Sachlichkeit.
  301.  
  302. - wer hier mit wütender Überraschung reagiert, hat nicht aufgepasst. Ich habe die Reduktion auf Sachlichkeit in - ich weiß nicht wie vielen - Diskussionen, Lehrsituationen, auf Vorträgen, in Interviews, in meinen Texten wieder und wieder erklärt. Wer überrascht ist, dass hinter meiner Argumentationslogik ein weiterer, vor allem phänomenologischer Ansatz steht, hat offenbar ausgeblendet, dass genau dieser Ansatz die Grundlage meiner Argumentationslogik ist. Worum es dort geht, kann man in der Rezension von Thomas Arnold nachlesen. Auch die Wende von Interesse für (1) in der Abfolge (!) von (1)-(2)-(3) zu (2) habe ich in mehreren Beiträgen erklärt. Und wer meinen Ansatz kennt, der reagiert einfach nicht überrascht.
  303.  
  304. Aus dialektischer Sicht kann wütende Überraschung - mit einem Wort: Irritation - auch daher rühren, dass sicher oder lieb gewonnene Voraussetzungen sich als problematisch erweisen. Es entbehrt also nicht einer gewissen Komik, wenn man auf meinen Post, der die Wende hin zur Erforschung der Einsicht in eine selbstgeschaffene Aporie in den Blick nimmt, mit selbstgerechter Wut über diese Aporie reagiert. Um Euch direkt anzusprechen: ich habe es Euch immer wieder gesagt, ich bin nicht Euer Pappkamerad. Nun lernt Ihr das eben auf die harte Tour - was auch zeigt, dass Härte auch und vor allem die eigene ist.
  305. 3
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  308. Daniel-Pascal Zorn
  309. Daniel-Pascal Zorn P. S.: Wer meinen Post zum Anlass nimmt, um ihn anhand von Screenshots wütend aus dem Blickpunkt der eigenen Sicht zu kommentieren, tut genau das, worüber er oder sie sich so hinsichtlich meines 'Experiments' echauffiert: man beobachtet, man verknüpft die Beobachtung mit früheren Erfahrungen und man zieht Schlüsse daraus für eigene Problemstellungen.
  310.  
  311. Der Unterschied liegt darin, dass diese Netzpranger sich gar nicht erst die Mühe machen, sachlich zu kommentieren - sie gehen gleich dazu über, den Gegenstand ihrer Beobachtung zum Ausgangspunkt eigenmächtigen Urteilens zu machen. Und anders als bei mir, bei dem Urteile zu Problemstellungen für mich führen, zielt das Urteilen auf Netzprangern dazu, die Irritation über das Scheitern der eigenen Setzung durch eine neue Setzung zu kompensieren. Mit also genau dem Zug, der die Einsicht in die Aporie durch dogmatische Verschärfung verhindert (quasi ein 'und ich hab trotzdem recht - und jetzt erst recht!').
  312.  
  313. Reflexiv ungünstig also, anderen etwas vorzuwerfen, was man in verschärfter Weise selber macht. Und doch auch ein interessantes dialektisches Problem - denn doppelte Standards ergeben sich stets aus fehlender Reflexion auf die eigene Redehandlung. Was genau das ist, was Dialektik zu lehren hat...
  314.  
  315. (Ihr habt doch nicht ernsthaft gedacht, dieser doch sehr offene Post enthielte keine dialektische Falle, oder?)
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  319. Helge Hesse
  320. Helge Hesse Ein sehr interessanter und lauterer Text, der in mir sicher nachwirkt. Ich freue mich auf weiteren Austausch.
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  324.  
  325. Pietro Sanguineti
  326. Pietro Sanguineti Daniel, ich habe ein paar Fragen zu diesem denkwürdigen Text und Deinen weiteren erklärenden Kommentaren.
  327. "Dialektik, Philosophie überhaupt ist, in einer letzten *) Konsequenz, das Erlernen der hinsichtlichen Selbstaufhebung."
  328. - was genau meint "hinsichtliche Selbstaufhebung"?
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  333. Daniel-Pascal Zorn
  334. Daniel-Pascal Zorn Operationale Aufmerksamkeit betrifft nicht nur operative Begriffe, sondern Medium, Hexis, Stil, Darstellung usw. Da jede Position stets Operationen aufweist, die sie nicht aktual reflektiert, kann sie immer anhand der Reflexion ihrer Operation zu einer anderen hin 'aufgehoben' werden. Hier bedeutet 'aufgehoben' quasi hegelianisch: (1) als Position verlassen, (2) bewahrt, also impliziert und (3) auf eine 'höhere' Ebene gehoben (besser: eine Ebene, von der aus auch anderes möglich ist).
  335.  
  336. Beachtet man diese Möglichkeit nicht, besteht die Gefahr der Verhärtung oder Sedimentierung der eigenen Position. Die Fähigkeit, die Bedingungen der Möglichkeit der eigenen Position - und damit ihren Grund und ihre Grenze - reflektieren zu können, immer auch die eigene Position also unter einen Vorbehalt stellen zu können, entspricht der Fähigkeit, die eigene Position als bestimmte Hinsicht unter anderen Hinsichten denken zu können, faktische (nicht: bekenntnishafte) Selbstkritik üben zu können und vor allem das 'bigger picture' nicht aus dem Auge zu verlieren.
  337.  
  338. Bei mir ist der Begriff aber überdies noch ironisch konnotiert. Denn ich habe in meiner Doktorarbeit verschiedene Hinsichten reflexiver Struktuierung untersucht, von Grund- und Ursprungsfiguren über ihre inhaltliche Versachlichung und Verdinglichung, Figuren des Anfangs, der Immanenz und des Endes, bis hin zur logischen Begründung, dem ethischen Postulat (und ihren seinslogischen Entsprechungen), bis hin zur Phänomenologie der Mannigfaltigkeit und der Entfaltung.
  339.  
  340. Diese Arbeit hat also gewissermaßen sehr viele Hinsichten einer logischen Phänomenologie von Reflexivität angedacht, einige davon ausgeführt und damit den Ausgangspunkt, reflexionslogisch damit zugleich: den Horizont geschaffen, in / von dem aus dem ich mich bewege.
  341.  
  342. Stell es Dir wie eine große Kugel aus Gedachtem vor, die ihre Grenzen nicht nur in einer Hinsicht (geltungslogisch, auch weil ich die Arbeit philosophisch begründen musste), sondern in mehreren Hinsichten zugleich durchläuft, quasi eine Kugel aus verschiedenen, wechselnden Perspektiven, so aber, dass klar ist, dass nie alle Perspektiven ausgeschöpft werden können und das 'Zentrum' und die 'Oberfläche' der Kugel (aber: von innen her) stets die reflexiven Umkehrpunkte sind.
  343.  
  344. Stell Dir nun vor, dass ich diese ganze, sehr reiche Welt bewusst auf wenige Aspekte reduziert habe. In etwa so wie Professor X in Cerebro erst alle Menschen aufruft - und dann nur die Mutanten.
  345.  
  346. Nach der Entfaltung der Fülle reflexiver Phänomene hat mich interessiert, was passiert, wenn ich meinen Blick radikal einschränke, nicht reduziere, aber die vielen anderen phänomenologischen Hinsichten einklammere. Was, wenn ich das mit der überlieferten Argumentationspragmatik verknüpfe, damit es ein Vehikel hat und das Ganze als Phänomenologie reflexiver Figurationen im Hinblick auf Geltungsprobleme und Argumentationsphänomene im öffentlichen Diskurs anlege. So also, dass der ganze Reichtum des öffentlichen Diskurses radikal aus einer bestimmten Perspektive betrachtet wird und diese Perspektive auch in der Interaktion eingesetzt wird. Die Betrachtung war bald abgeschlossen, weil die Komplexität im öffentlichen Diskurs überschaubar ist. Interessant war aber die Anwendung, also die Frage, was passiert, wenn man Argumente und damit die Argumentierenden vollkommen ernst nimmt, wenn man das Prinzip des 'herrschaftsfreien Diskurses' (gereinigt von empirischen Voraussetzungen bei Habermas und ohne den apelschen begrifflichen Essentialismus) tatsächlich praktiziert? Wenn man das in JEDEM Gespräch dazu sagt: was einen interessiert und warum. Welche Möglichkeiten hat dieser Ansatz? Welche Grenzen? Einige waren leicht vorherzusehen, andere nicht. Und wenn ich es recht überlege, dann habe ich bereits dort am Aspekt der Rezeption gearbeitet, denn Anwendung zu beobachten bedeutet, Rezeption zu beobachten.
  347.  
  348. Wie weit reicht sachliche Argumentation? Sehr weit. Aber sie besitzt spezifische Grenzen und triggert bestimmte Abwehrbewegungen. Weiß man das, kann man schauen, wie viel davon man in einem Argument einsetzt - und wieviel im selben Argument weniger hinterfragende oder kritisierende, als repräsentierende Funktion hat. Und das war der Übergang zu Stufe (2).
  349.  
  350. Ich kehre also von der freiwilligen und bewussten Selbstbeschränkung langsam und kontrolliert (da nicht getrieben von Begründungsmotivationen oder phänomenologischen relativen Vollständigkeitsansprüchen, wie in der Diss) zu dem von mir bereits erschlossenen Reichtum zurück. Ich gehe den Weg meiner Diss nochmal, aber ganz anders - und schaue, wo ich heraus komme. Und dieser Weg gestaltet sich als aspektive oder hinsichtliche Selbstaufhebung jedes bisherigen Schritts in den vorhergehenden - auch wenn ich das wesentlich freier mache als Hegel in seinem aristotelisierenden System. Denn Möglichkeitshorizonte bestehen auch zwischen den einzelnen Schritten der hinsichtlichen Explikation.
  351.  
  352. Insofern war ich immer und werde ich immer bleiben: Phänomenologe. Der beizeiten wie ein dialektischer Lehrer aussieht, weil sein Gegenstandsbereich ihm verständlich macht, wie Dialektik funktioniert, manchmal wie ein Argumentationslogiker, aus dem gleichen Grund, manchmal wie ein Fundamentalontologe, wie ein Theoriearchitekt oder ein Spezialist für Rechtfertigungslogiken, Fundamente und Begründungen usw.
  353.  
  354. Das überstieg allerdings schon in der Diss - obwohl es dort nur anklingt - das Vermögen mancher Leute. Sie sind es gewohnt, andere auf genau EINE bestimmende Eigenschaft festzunageln. Was unsäglich primitiv ist und letztlich der eigenen kleinen selbstgerechten Überheblichkeit dient. Mein Blick reicht wesentlich weiter als die Vorstellungskraft vieler, die mich laufend zur Grundlage ihrer Empörung machen. Und ich habe entschieden, dass ich jetzt einen kleinen Schritt weiter gehe als vorher. Und wenn sie jetzt schon aufheulen und in skrupellose und selbstvergessene Angriffe verfallen, wie wird das werden, wenn ich mich dem nähere, wo es tatsächlich spannend wird? Und wer das für einen Ausdruck von Hybris hält, darf sich daran messen lassen, ob er meine Diss ausführlich und ernsthaft durchgearbeitet hat (also nicht nur als erledigende Pappkameraden-Lektüre).
  355.  
  356. In gewisser Weise versuche ich also, über Platons Höhlengleichnis nachzudenken. Und dabei den Schierlingsbecher ebenso zu vermeiden wie die Fahrt nach Syrakus.
  357. 3
  358. Manage
  359. Like · 9h · Edited
  360. Pietro Sanguineti
  361. Pietro Sanguineti Danke für die ausführliche Antwort, Daniel.
  362.  
  363. Eine weitere Frage die mir kam, du schreibst:
  364.  
  365. "... Ich möchte bei allen, die ich auf diesem Weg verletzt und instrumentalisiert habe, um Verzeihung bitten. ..."
  366.  
  367. Unter "instrumentalisieren" verstehe ich die Funktionalisierung eines Hierarchiegefälles (im Sinne eines wie auch immer gearteten Kompetenzvorsprungs) zu Gunsten der Interessen des Instrumentalisierenden, bei dem die Instrumentalisierten nicht wissen, dass sie Werkzeug sind, was mir Deine Bitte um Verzeihung erklären würde.
  368.  
  369. Das vermag ich nicht in Übereinstimmung zu bringen, mit Deiner Fragestellung "... was passiert, wenn man Argumente und damit die Argumentierenden vollkommen ernst nimmt, wenn man das Prinzip des 'herrschaftsfreienDiskurses' (gereinigt von empirischen Voraussetzungen bei Habermas und ohne den apelschen begrifflichen Essentialismus) tatsächlich praktiziert? ..."
  370. Bezieht sich die oben zitierte Fragestellung auf Deinen Experimentierraum als den Du facebook angesehen hast? (so verstehe ich es)
  371. 1
  372. Manage
  373. Like · 10h
  374. Daniel-Pascal Zorn
  375. Daniel-Pascal Zorn Die sanfte Ironie im letzten Absatz dürfte Dir nicht entgangen sein. "[V]erletzt" bezieht sich auf eine subjektive Erfahrung; entsprechend ist auch "instrumentalisiert" verwendet. Die Bitte um Verzeihung ist für Ersteres eher ernst gemeint - weil das passieren kann und passiert ist, wenngleich es meistens auf Missverständnissen (intentionale Zuschreibungen, uneinholbare Erwartungen usw.) basiert; für Letzteres nicht so sehr bzw. bildet das eher einen Honigtopf für Empörung.
  376.  
  377. Der Post denkt also präzise die Fehlrezeption mit, die diejenigen, die sich ernsthaft mit meiner Position beschäftigen von denjenigen unterscheidet, die nur nach einem Anlass für Empörung suchen. Und diese Unterscheidung wiederum exemplifiziert performativ einmal das Problem, um der es der eher argumentationslogischen Problematisierung geht (was hier oben in der Klammer steht) und einmal das, was mich aktuell interessiert: welche Rolle spielen eingefahrene Sichtweisen bei der Rezeption differenzierter formulierter Positionen? Wer macht sich, in seiner Empörung über ein vermeintliches 'Humanexperiment' durch diese Empörung selbst erneut zum Teilnehmer dessen, was er als solches missversteht? Wer erkennt diese ironische Funktion? Und wer wiederholt nur das Problem?
  378.  
  379. Angeregt dazu hat mich das, was Sokrates im Laches mit eben jenem macht (danke Pia!), um dem Mitleser etwas zu zeigen.
  380.  
  381. Übrigens ist das, worüber man sich als 'Humanexperiment' empört, dasselbe, was man als 'Herausreden' verspottet. Was auch eine interessante Spannung ist.
  382.  
  383. Und der gesamte Absatz kann schließlich exemplarisch dafür stehen, wie sich unter bestimmten Bedingungen (Vorurteile) rhetorischer formulierte Passagen nahezu beliebig auslegen lassen (was ich dadurch vermeide, dass ich immer noch auf immanente Mechaniken verweise). Was eben das Problem war, mit dem wir in der Rezeption von MRR zu tun hatten.
  384. 1
  385. Manage
  386. Like · 9h · Edited
  387. Pietro Sanguineti
  388. Pietro Sanguineti "Angeregt dazu hat mich das, was Sokrates im Laches mit eben jenem macht (danke Pia!), um dem Mitleser etwas zu zeigen."
  389. Also hätten Deine Sprechakte hier eine pädagogische Hinsicht, bei der Du eine Rolle vergleichbar zu Sokrates als Lehrmeister annimmst? Mit welchem Ziel?
  390. 1
  391. Manage
  392. Like · 9h
  393. Daniel-Pascal Zorn
  394. Daniel-Pascal Zorn Dialektik ist immer eine Didaktik, jedoch nie eine Pädagogik. Sie ist eine Praxis, keine Disziplin.
  395.  
  396. Und im 'Laches' besteht eine Ironie darin, dass Sokrates für den Leser nur solange Lehrmeister ist, wie das, was er zu lehren hat, z. B. von Laches nicht erkannt wird - und für den Leser UND seinen Gesprächspartner in dem Moment als Lehrmeister überflüssig wird, wo der Lernende das erkennt.
  397.  
  398. Eben das passiert im 'Sophistes': dort, wo ein Problem tatsächlich gelöst und nicht nur aufgeworfen werden soll bzw. wo eine Frage inhaltlich geklärt werden und nicht nur eine Praxis gezeigt werden soll, schweigt Sokrates und übernimmt die Lehrerfigur des 'Xenos'. Und das kann dieser wiederum nur dadurch tun, dass er den Theaitetos zu dem aufhebt, was dieser bereits schon die ganze Zeit tut.
  399.  
  400. Ein dialektischer Lehrmeister arbeitet daran, sich selbst überflüssig zu machen. Und er wird zu diesem Lehrmeister erst dann wieder, wenn der von ihm Lernende das vergisst und einen Inhalt mit der Praxis verwechselt, um die zu lernen es geht und die in letzter Konsequenz bedeutet: selbst Lehrmeister sein zu können.
  401.  
  402. Der dialektische Lehrmeister hebt sich auf, indem er den Lernenden zum Lehrmeister ausbildet. Weitergabe endet im Weitergehen.
  403. Manage
  404. Like · 8h · Edited
  405. Pietro Sanguineti
  406. Pietro Sanguineti Danke, Daniel, für Deine geduldigen, lehrreichen Antworten. Es ergeben sich mir immer neue Fragen, diese sollen- aber meine letzte sein:
  407. "Der dialektische Lehrmeister hebt sich auf, indem er den Lernenden zum Lehrmeister ausbildet. Weitergabe endet im Weitergehen."
  408.  
  409. - Bedarf es zwischen (dialektischem) "Lehrmeister" und "Lernendem" eines Konsensus, dass es sich um ein solches Verhältnis handelt, auch in Hinsicht auf das Ziel des Weges den der Lernende (sich als solcher wissend) bis zur "Weitergabe" beschreitet, um die Gleichheit eines herrschaftsfreien Diskurses in der Ungleichheit (hinsichtlich des Kompetenzvorsprungs) zwischen Lernendem und Lehrenden zu ermöglichen?
  410.  
  411. Anders gefragt: Wer setzt fest, wer für wen wann Lehrmeister ist?
  412.  
  413. Nach wie vor verstehe ich in dieser Vorstellung von dialektischem Lehrmeister nicht den Zweck der "Instrumentalisierung"?
  414. 1
  415. Manage
  416. Like · 8h · Edited
  417. Daniel-Pascal Zorn
  418. Daniel-Pascal Zorn Danke, Pietro, für Deine geduldigen, interessierten Fragen! Das ist für mich ein Beispiel für 'best practice' im Sinne meines Verständnisses von Dialektik. Ich antworte gleich!
  419. Manage
  420. Like · 8h
  421.  
  422. Fabian Leinen
  423. Fabian Leinen Lieber Daniel-Pascal: Ich habe in dem Zusammenhang auch noch eine Nachfrage, weil ich beim Lesen ebenfalls über die Passage „...und instrumentalisiert...“ „gestolpert“ bin. Du führst hierzu aus:
  424.  
  425. „Die sanfte Ironie im letzten Absatz dürfte Dir nicht entgangen sein. ‚[V]erletzt‘ bezieht sich auf eine subjektive Erfahrung; entsprechend ist auch ‚instrumentalisiert‘ verwendet. Die Bitte um Verzeihung ist für Ersteres eher ernst gemeint - weil das passieren kann und passiert ist, wenngleich es meistens auf Missverständnissen (intentionale Zuschreibungen, uneinholbare Erwartungen usw.) basiert; für Letzteres nicht so sehr bzw. bildet das eher einen Honigtopf für Empörung.“
  426.  
  427. Die „sanfte Ironie“ war mir – konkret für den ersten Satz des letzten Absatzes, um den es Pietro ging – ehrlich gesagt schon entgangen und ich vermute, Pietro auch (sonst hätte er wohl nicht nachgefragt?). Du schreibst an mehreren Stellen in Deinem Post, dass Du aufgetretene Missverständnisse bedauerst und sie aufklären möchtest (z.B.: „Ich bedaure sehr, dass meine Zuspitzung dialektischen Urteilens auf Argumentationslogik zu solchen Missverständnissen führen kann.“ – „Sie für das Fundament zu halten, ist absurd – und doch war es wohl mein Stoizismus der Methode, der letztlich dafür verantwortlich ist.“ – „Ich halte diesen Einblick für nötig, um Konzepte wie 'Rollenprosa' verständlich werden zu lassen.“). Insofern überrascht es etwas, dass nun gerade die (fast) an den Schluss Deines Posts gesetzte Bitte um Verzeihung nur teilweise „eher ernst“, teilweise hingegen „nicht so sehr“ ernst gemeint sein bzw. „eher einen Honigtopf für Empörung“ darstellen soll. Denn einerseits sagst Du, Du möchtest Missverständnisse aufklären; jetzt aber sagst Du, dass der Begriff "instrumentalisiert" wiederum quasi von vornherein darauf angelegt war, neue Missverständnisse nebst den entsprechenden Reaktionen hervorzurufen. Wie passt das zusammen?
  428. 2
  429. Manage
  430. Like · 7h
  431. Pietro Sanguineti
  432. Pietro Sanguineti In der Tat ist mir die Ironie entgangen, Fabian. Gute Frage, die ich hinter meine anderen Fragen zurückgestellt hatte.
  433. Manage
  434. Like · 7h
  435. Daniel-Pascal Zorn
  436. Daniel-Pascal Zorn Pietro: "Bedarf es zwischen (dialektischem) 'Lehrmeister' und 'Lernendem' eines Konsensus, dass es sich um ein solches Verhältnis handelt ..."
  437.  
  438. Nein. Denn das ist nicht die Beschreibung einer Institution, sondern die Beschreibung einer Praxis. Der Lernende kann also etwas lernen, er muss nicht. Der Lehrende kann etwas zeigen, aber man kann es auch übersehen. So lange man es übersieht, wird man ihn z. B. mit jemandem verwechseln, der sich anmaßt, einem vorzuschreiben, was man zu sagen oder zu denken hat.
  439.  
  440. Wer eine Behauptung aufstellt und dafür einen Geltungsanspruch erhebt, der erhebt einen Anspruch mir gegenüber. Er beansprucht also, mich etwas lehren zu können. Also frage ich nach. Worauf ich meine Frage beziehe, bleibt mir überlassen, so wie ihm überlassen bleibt, was er zuvor behauptet hat. Indem ich seine Behauptung - oder seinen Geltungsanspruch - hinterfrage, stelle ich wiederum Behauptungen auf, für die ich ebenso beweispflichtig bin wie mein Gegenüber für seine Behauptung mit Geltungsanspruch beweispflichtig ist.
  441.  
  442. Das ist also erst einmal ein Verhältnis, in dem beide gleichberechtigt sind. Das Verhältnis 'Lernender - Lehrender' ergibt sich erst dann, wenn ich meine Einwände - pro bono - so formuliere, dass ich erkläre, warum ich etwas so-und-so hinterfrage und so meinem Gegenüber erkläre, was ich mache, wenn ich ihn kritisiere. Das ist, was er von mir lernen kann - insofern er sich darauf einlässt, ist er Lernender. Lässt er sich nicht darauf ein, kann immer noch ein stiller Leser oder Zuhörer ein Lernender werden - oder eben niemand. Das beinhaltet die Bereitschaft, bei besseren Gründen meines Gegenübers selbst zum Lernenden zu werden, was mir in meinen Auseinandersetzungen immer wieder passiert ist. Und eben dieses Lernen beschreibe ich in meinem Post.
  443.  
  444. " ... auch in Hinsicht auf das Ziel des Weges den der Lernende (sich als solcher wissend) bis zur 'Weitergabe' beschreitet ..."
  445.  
  446. In dem Moment, wo der Lernende die Frage stellt, was der Lehrende tut, um eben das von ihm zu lernen, kann er weiter fragen, um zu verstehen, worum es in letzter Hinsicht geht. Und insofern er weiterfragt, kann der Lehrende ihm die "Weitergabe" als ein mögliches "Ziel des Weges" darlegen. Aber Dialektik ist nicht auf Ergebnisse oder auf Ziele hin angelegt, sondern auf das Erlernen einer Praxis. Wäre das "Ziel des Weges" die "Weitergabe", dann implizierte das die Absicht, jeden Menschen zum Philosophen zu machen oder auch nur machen zu können. Und diese Absicht wäre m. E. fehlschlüssig, denn erstens ist "Alle Menschen" unabschließbar, zweitens wäre, selbst wenn wir uns auf 'Alle Menschen (zum Zeitpunkt x)' einigen würden, die Aufgabe unmöglich. Weswegen ich die Perspektive umkehre und ein Angebot unterbreite - das man annehmen kann oder auch nicht. Nur sollte man, wenn man das Angebot in Anspruch nimmt, nicht so tun, als sei der Teil des Weges, den man bis zu einem bestimmten Punkt beschritten hat, das einzige oder beste Angebot, das man machen kann. Das Angebot geht weiter, hin zur Weitergabe des Könnens der Weitergabe. Und das impliziert natürlich auch die Einsicht in die extensive Unabschließbarkeit der Hinsichten, in denen man diesen Weg gehen kann.
  447.  
  448. " ... um die Gleichheit eines herrschaftsfreien Diskurses in der Ungleichheit (hinsichtlich des Kompetenzvorsprungs) zwischen Lernendem und Lehrenden zu ermöglichen?"
  449.  
  450. Hier steckt eine unbegründete Voraussetzung drin: Dass Gleichheit allein durch einen Vertrag, den zwei Gesprächspartner schließen, ermöglicht wird. Aber Gleichheit besteht bereits dort, wo überhaupt (mindestens) zwei am Gespräch teilnehmen, etwas Bestimmtes sagen oder hinschreiben, etwas in Verhältnisse setzen, die bestimmte Verhältnisse sind usw. Gleichberechtigung wäre also eben nicht ein Vertrag, sondern die Bedingung der Möglichkeit jedes Vertragsschlusses - das Konzept 'Vertrag' setzt voraus, dass beide darin gleich sind, dass sie Verträge schließen können usw. 'Kompetenzvorsprung' zeigt sich - oder nicht. Er zeigt sich darin, dass man das bessere Argument hat - oder nicht. Insofern arbeite ich natürlich an meiner Kompetenz - aber das bedeutet keineswegs, dass ein anderer nicht kompetenter sein kann als ich. Allerdings müsste er das dann eben belegen, beweisen oder begründen.
  451.  
  452. "Wer setzt fest, wer für wen wann Lehrmeister ist?" - Der Lernende. Und eigentlich ist der Lehrmeister keiner, der dem Lernenden ein positives Wissen beibringt. Der Lehrmeister lehrt den Lernenden, sich selbst Lehrmeister sein zu können. Denn was er zu lehren hat, das ist, zumindest in der Dialektik, einfach nur eine Aufmerksamkeit auf das, was der Lernende bereits die ganze Zeit schon tut, aber in seinen Urteilen verfehlt. Und das er es verfehlt, legt nicht der Lehrmeister fest, sondern die Rede des Lernenden.
  453.  
  454. "Nach wie vor verstehe ich in dieser Vorstellung von dialektischem Lehrmeister nicht den Zweck der "Instrumentalisierung"?"
  455.  
  456. Ich dachte, das sei eben klar geworden: Es gibt keine "Instrumentalisierung". Sie ist ein Schein. Eine Schimäre. Ich diskutiere mit jemandem, der von mir verlangt, mir bezüglich einer bestimmten These zuzustimmen (was etwa 99% meiner argumentationslogischen Interventionen ausmacht) - wenn überhaupt, dann instrumentalisiert dieser Jemand mich. Er möchte meine Zustimmung und nutzt dazu seine Behauptung und seine Begründungen. Oder er versucht, meine Zustimmung zu erzwingen.
  457.  
  458. Menschen fühlen sich instrumentalisiert, wenn sie eine Absicht 'hinter' einer Tat vermuten oder kennen. Aber diese Absicht gibt es nicht und mein Post formuliert sie auch nicht. Oder anders gesagt: meine Tat IST meine Absicht. War sie immer. Ich erkläre jedem, der es wissen will und vielen, die es nicht wissen wollen, dass mich ein bestimmter Aspekt an ihrer Rede interessiert. Dass ich ihre Rede hinsichtlich dessen beschreibe, ob sie gelten kann. Dass ich mir ansehe, wie eine Argumentation funktioniert. Das tue ich von Anfang an, z. B. wenn Pappkameraden oder Unterstellungen im Spiel sind. Ansonsten diskutiere ich eben einfach. Und lerne daraus.
  459. 1
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  462. Daniel-Pascal Zorn
  463. Daniel-Pascal Zorn Fabian: "Die 'sanfte Ironie' war mir – konkret für den ersten Satz des letzten Absatzes, um den es Pietro ging – ehrlich gesagt schon entgangen und ich vermute, Pietro auch..."
  464.  
  465. Ok. Schauen wir uns mal die Sätze im Einzelnen an:
  466.  
  467. "Ich möchte bei allen, die ich auf diesem Weg verletzt und instrumentalisiert habe, um Verzeihung bitten."
  468.  
  469. Das klingt erst einmal gänzlich unironisch. Man KANN es also als ernsthaftes Statement lesen. Muss man aber nicht. Denn:
  470.  
  471. "Wenn ich eines gelernt habe, dann dass Ethik nicht nur darin besteht, die Freiheit, sondern vor allem darin, die Unfreiheit des Anderen zu achten."
  472.  
  473. Die Anerkenntnis der "Unfreiheit des Anderen" bedeutet, ihn in einem unfreien Zustand zu belassen. Es bedeutet, diese Unfreiheit zu erkennen und nichts dagegen zu tun. Entsprechend ist "achten" ironisch - denn wenn ich etwas achten würde, was aufzulösen ich vertrete, würde ich mir selbst widersprechen. Darüber hinaus kann man es aber auch lesen als eine resignative Einsicht: ich versuche nicht mehr, jemanden auf eine Unfreiheit aufmerksam zu machen, in der er selbst partout bleiben will. Da ich auch das immer schon vertreten habe (z. B. in meiner Kolumne zum dogmatischen Fehlschluss) ist also auch "gelernt" ironisch. Ich habe etwas gelernt, was ich schon wusste und was nur gerade so massiv auftritt, dass ich mich ironisch resigniert zurückziehe.
  474.  
  475. "Zudem weiß ich nun, warum Philosophen kleine und esoterisch anmutende Schulen gründen."
  476.  
  477. Warum "weiß" ich das? Weil dort keine Shitstorm-Empörungswellen losgetreten werden auf der Basis irgendwelcher Unterstellungen (Zorn denkt, er habe immer Recht, mache keine Fehler), Agenden (das wollen wir doch mal sehen) und triumphalen Gesten, wenn man meint, einen Fehler gefunden zu haben ("Bankrotterklärung"), der aber dummerweise einzig darauf beruht, dass man einen Text nur assoziativ liest, Zusammenhänge missachtet und einzelne Vokabeln aus dem Kontext reißt, um sie mit eigenen Bedeutungen zu füllen - kurz: dass man Pappkameraden baut. Auch das 'wusste' ich offenbar vorher, aber hier steckt vielleicht tatsächlich Resignation: dass ein Publikum aufzuklären eben unmöglich ist, dass es Hybris ist, so etwas zu versuchen. Zugleich mache ich das ja immer noch - weswegen "kleine und esoterisch anmutende Schulen" wieder ironisch ist. Und das spielt natürlich auch auf den "Sektenführer"-Pappkameraden an, den man damit durch den Kakao zieht.
  478.  
  479. "Dennoch hoffe ich, dass mehr akademische Philosophen diesen Weg gehen."
  480.  
  481. Kann ernst sein, da keine ironische Anzeige.
  482.  
  483. "Ihre Vielfalt im offenen Diskurs erscheint mir der sicherste Weg meiner Selbstaufhebung."
  484.  
  485. Wieder ironisch, denn ein utopisches Schema. Etwas zu pathetisch, finde ich. Hart an der Grenze zur Selbstheroisierung - aber ich dachte, der ansonsten ironische Kontext entschärft das etwas.
  486.  
  487. "Du schreibst an mehreren Stellen in Deinem Post, dass Du aufgetretene Missverständnisse bedauerst und sie aufklären möchtest ..."
  488.  
  489. Die erste dazu zitierte Stelle ist ein Kassiber. Er richtet sich an diejenigen, die genau wissen, dass ich sie immer vor dieser Verabsolutierung gewarnt habe. Mein Bedauern ist also ironisch, was aber nicht einsichtig ist (was ich auch nicht behauptet habe). Die zweite dazu zitierte Stelle meine ich ganz ernst - im Sinne des Kassibers. Da steht also: Ihr wisst genau, dass ich Euch davor gewarnt habe, aber ich übernehme auch Verantwortung, indem ich zugebe, dass meine stoische Konsequenz und meine für mich zeitweise ungeklärte Rollenprosa es hat so aussehen lassen, als wäre das so. Die dritte dazu zitierte Stelle ist kein Bedauern, sondern eine Verknüpfung mit meinem Post zur 'Rollenprosa'. Ein 'Link', wenn man so will.
  490.  
  491. " ... Insofern überrascht es ..., dass ... die ... Bitte um Verzeihung ... gemeint sein ... soll."
  492.  
  493. Hier liegt ein Missverständnis vor: Ich erkläre meinen Gebrauch anhand von Kriterien, die im Text selbst vorliegen. Ich beziehe mich nicht auf das, was "gemeint sein ... soll". Meine Erklärungen erklären nicht, wie etwas gemeint ist. Sondern wie ich etwas verwende. Wenn ich "meint" hinschreibe, verwende ich es im Sinne von "wird verwendet als". Umgangssprache, aber kein Velatus-Sophisma. Und was etwas "darstellen soll", das ergibt sich m. E. aus dem Kontext: es gibt eine kaum merkliche Differenz zwischen "verletzt" und "instrumentalisiert", einen Wechsel des Agenten - verletzt ist der Andere, instrumentalisieren tue ich. Und der nächste Satz ist ironisch. Das verstehe ich unter Rhetorik: solche Feinheiten in der Formulierung. Offenbar führen sie in ein viel größeres Auslegungschaos als sachliche Argumentation. Was meine nächste Problemstellung betrifft.
  494.  
  495. " ... einerseits sagst Du, Du möchtest Missverständnisse aufklären; jetzt aber sagst Du, dass der Begriff 'instrumentalisiert' wiederum quasi von vornherein darauf angelegt war, neue Missverständnisse nebst den entsprechenden Reaktionen hervorzurufen. Wie passt das zusammen?"
  496.  
  497. Ganz einfach: indem man in ein und demselben Text Missverständnisse problematisiert und erklärt - und dann durch rhetorische Mehrdeutigkeiten eben jenen Missverständnissen erneut Nahrung gibt, um ihnen die Gelegenheit der Anwendung der Problematisierung zu geben. Anstatt mein "instrumentalisiert" für bare Münze zu nehmen, hätte man es ja auch unter Ironieverdacht setzen können, immerhin ist der gesamte Absatz allusiv und ironisch durchsetzt. Man hätte es mit dem "verletzt" verbinden können und als "diejenigen, die sich jetzt instrumentalisiert fühlen" verstehen können. Man kann auch einfach den (vermeintlichen) Widerspruch herausstellen zwischen dem "instrumentalisiert" und der expliziten Ablehnung von Instrumentalisierung, so wie Pietro das gemacht hat. Um dann zu verstehen, dass operative Kontexte mehrdeutig sind und nicht eindeutig - und dass solche Mehrdeutigkeit in vielen Hinsichten produktiv sein kann.
  498.  
  499. Was präzise das ist, worum es mir geht, wenn ich bemerke, dass es in der Reflexionslogik um etwas mehr geht als um operative Begriffs- oder Begründungsklärung (Argumentationslogik): um operative Aufmerksamkeit in vielen Hinsichten, auch so, dass man mehrdeutige Kontexte nicht einfach vereindeutigt, weil man an einem 'Gemeinten' oder einem (pfadabhängig) 'Wahrscheinlichen' oder 'Eigentlichen' oder - noch platter - an einer Vorstellung von meiner Person hängt.
  500.  
  501. Man könnte sagen: der Post ist sein eigenes Testgelände. Anders als MRR macht er aber nicht (fast) jede Reaktion zur Empirie, sondern lässt viele Wege des sachlichen Hinterfragens offen. Ihr seid beide diese Wege gegangen - andere eben nicht. Und deswegen schulde ich Euch auch Erklärungen. Die können die anderen natürlich auch lesen - aber sie werden sie, mit einiger Wahrscheinlichkeit, nicht verstehen. Weil dasselbe Missverständnis, das ihre Empörung über den Post hervorruft, auch die Empörung über meine Erklärungen dieses Posts nähren wird.
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  503. Like · 6h
  504. Pietro Sanguineti
  505. Pietro Sanguineti Danke Daniel, nur haben sich die Widersprüche für mich nicht aufgelöst, sondern sind in einem Labyrinth von nun bezeichneten Ironiebrechungen, von Möglichkeitsebenen, die zwischen offener und geschlossener Semantik changieren, aufgelöst, in der jedenfalls ich den Überblick verliere, und auch das spezifische des Bildes, das sich aus den Rektionen ergibt kann ich nicht mehr erkennen.
  506.  
  507. "Ganz einfach: indem man in ein und demselben Text Missverständnisse problematisiert und erklärt - und dann durch rhetorische Mehrdeutigkeiten eben jenen Missverständnissen erneut Nahrung gibt, um ihnen die Gelegenheit der Anwendung der Problematisierung zu geben."
  508.  
  509. Welchen Zweck haben diese immer neuen Missverständnis -Problematisierungskaskaden für Dich? Was ist am Grund?
  510. Wer ist "man"? the master of the game?
  511.  
  512. "der Post ist sein eigenes Testgelände. Anders als MRR macht er aber nicht (fast) jede Reaktion zur Empirie, sondern lässt viele Wege des sachlichen Hinterfragens offen."
  513.  
  514. Wäre also dies die zu ziehende Erkenntnis aus Post plus erläuternden Kommentaren? Wo wäre das Spezifische?
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  516. Like · 6h · Edited
  517. Daniel-Pascal Zorn
  518. Daniel-Pascal Zorn Pietro: Unübersehbarkeit ergibt sich meistens aus unkontrollierten All-Quantoren. Deswegen empfehle ich, abschnittweise vorzugehen - das Eindeutige und das potenziell Mehrdeutige zu unterscheiden und letzteres als Baumstrukturen zu denken.
  519.  
  520. "Welchen Zweck haben diese immer neuen Missverständnis -Problematisierungskaskaden für Dich?"
  521.  
  522. Sorry, aber es gibt keine "immer neuen ... Problematisierungskaskaden". Eben das meinte ich mit unkontrollierten All-Quantoren: weil man den Überblick verliert, neigt man dazu, alles im Modus des Und-so-weiter auszulegen. Dialektische Texte sind Performanzen. Ich problematisiere etwas - und je nachdem, wie reflexiv das ist, was ich problematisiere (und 'Rezeption' betrifft reflexiv jede mögliche Reaktion auf den Text) ergeben sich eben komplexere oder einfachere reflexive Ebenen, offenere oder weniger offenere, partielle oder vollständige Zirkel usw. Die kann man auseinander halten - aber nur, wenn man bereit ist, schrittweise vorzugehen. Man könnte auch sagen: Du drohst gerade in einen Pappkameraden abzurutschen. Mein Rat wäre: tue das nicht.
  523.  
  524. "Was ist am Grund?" - Eben diese Frage führt Dich in die Irre. Du suchst nach einem letzten Grund. Aber Texte sind Immanenzen, die partiell in sich selbst zurückführen und in diesen Reflexivitäten etwas zeigen. Wenn es einen 'Zweck' gibt, den man nennen könnte, kennst Du ihn längst: etwas zu erlernen. Und was? Das Sehenkönnen solcher reflexiver Strukturierungen von Texten.
  525.  
  526. "Wer ist 'man'?" - Ich, in der Rolle desjenigen, der etwas macht, was andere nachmachen können und in diesem Nachmachen erlernen können, wie man etwas macht - und es dann auf ihre Weise machen können.
  527.  
  528. "the master of the game?" - Es gibt keinen "master of the game". Es gibt einen Text und der hat einen Logos. Der Logos besteht aus den möglichen Verknüpfungen der bestimmten Verhältnisse, die im Text gegeben sind. Ich habe Dir gerade Einblick in die reflexionslogischen (und teilweise rhetorischen) Magnetfeldlinien meines Textes gewährt. Der Text selbst ist ein Phänomen. Etwas, das man beschreiben kann. Wie lautete also das "game"? Lerne, in Texten mehr zu sehen, als es Deine allzu einfache Voraussetzung eines einfachen Zwecks, Ziels, Grundes, einer Absicht usw. erlauben. Suspendiere, für einen Moment, diesen Versuch, alles teleologisch zu denken - und sieh Dir die Gegebenheit von etwas an. Im Text steht etwas - und was da steht, erlaubt immanente Verbindungen, die man auslegen kann. Diese Verbindungen sind nicht beliebig, weil ihre Voraussetzungen nicht beliebig sind. Sie sind nur potenziell unendlich, wenn man textäußere Voraussetzungen erlaubt. Was ich zu lehren habe, ist textimmanente Auslegung. Wer ist der "master of the game"? Du selbst. Aber nur, wenn Du es spielen willst. Wenn nicht, dann nicht. Das meint: Angebot.
  529.  
  530. "Wäre also dies die zu ziehende Erkenntnis aus Post plus erläuternden Kommentaren?"
  531.  
  532. Nein. Weil es nicht um Deduktion oder um Ergebnisse geht, sondern um Beschreibung.
  533.  
  534. "Wo wäre das Spezifische?" - Spezifisch ist jede Hinsicht. Auch das Allgemeine ist eine spezifische Hinsicht.
  535. 1
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  537. Like · 5h · Edited
  538. Daniel-Pascal Zorn
  539. Daniel-Pascal Zorn P. S.: Ich habe Friedrich nach einigen Dummheiten die Chance gegeben, einen neuen Anfang zu machen. Allerdings stellte sich heraus, dass er sie nur dazu genutzt hat, um erneut angesichts von etwas, was er nicht versteht, polemisch Überlegenheit zu markieren. Für solche Kindereien habe ich keine Zeit mehr.
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  541. Like · 5h
  542. Daniel-Pascal Zorn
  543. Daniel-Pascal Zorn Wir machen da jetzt mal ein Spiel daraus: Ich poste etwas, worüber man sich empören kann und dann messe ich den Effekt in bestimmten Gruppen. Mal sehen, wie lange sie sich so manipulieren (!) lassen. Weil mir das persönlich Spaß macht, ich aber an meine eigenen Standards gebunden bin, werde ich es aber niemanden verraten.
  544.  
  545. (Achtung: Auf diese Provokation fallen nur Idioten rein. Sei wie ich - sei kein Idiot.)
  546. 1
  547. Manage
  548. Like · 10h · Edited
  549. Pietro Sanguineti
  550. Pietro Sanguineti War das jetzt die Antwort auf meine Frage?
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  552. Like · 10h
  553. Daniel-Pascal Zorn
  554. Daniel-Pascal Zorn Nein. Das ist ein reflexiver Honigtopf.
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  557. Like · 10h
  558. Vincent Bos
  559. Vincent Bos Warum ist es denn so, dass „[…]Philosophen kleine und esoterisch anmutende Schulen gründen.“? Und warum muten diese Schulen nur esoterisch an und sind sie nicht tatsächlich esoterisch?
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  561. Like · 7h · Edited
  562. Daniel-Pascal Zorn
  563. Daniel-Pascal Zorn Wenn ich meine ironische Formulierung kurz versachlichen darf: Weil kleine und esoterisch anmutende Schulen abseits der Öffentlichkeit liegen und dort methodisch streng gearbeitet werden kann, während in der Öffentlichkeit der Diskurs sehr oft dem Skandalon folgt, wörtlich: (dem Stolpern über) einen/m Stein des Anstoßes im Sinne einer Irritation der eigenen als geltend gesetzten und nicht weiter hinterfragten Sichtweise.
  564.  
  565. Philosophische Schulen muten esoterisch an, wenn man keinen Zugang dazu hat. Das muss aber nicht an der Schule liegen. Ich erfahre z. B. keine einzige philosophische Schule als esoterisch - einfach weil ich nicht Verständlichkeit zum Kriterium mache, sondern Strukturierung bestimmter Figuren. Was nahelegt, dass die Esoterik einfach ein Bildungsgefälle beschreibt, das man aber auch zum eigenen Vorteil (oder besser: zur Vermeidung von Nachteilen, s. o.) nutzen kann.
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  567. Like · 6h
  568.  
  569. Ende 0) Letzte komplett gesicherte Fassung
  570.  
  571. ================
  572.  
  573. 1) Die Reaktion auf Polenz, 20.10. nachmittags
  574. [Als Reaktion darauf: https://www.facebook.com/ruprecht.polenz/posts/1846483812029912?pnref=story (nicht mehr online, Zorn zitiert aber komplett)]
  575. [Letzter Kommentar, den wir gesehen haben]
  576.  
  577. Daniel-Pascal Zorn Ruprecht Polenz: Sie schreiben auf Ihrer Wall Folgendes:
  578.  
  579. "Herr Zorn hatte mich zwischenzeitlich blockiert. Er ist unverschämt im Ton und langatmig im Text. Wenn ich diesen sehr länglichen Text von ihm, den ich zugegebenermaßen nur überflogen habe, richtig verstanden habe, hat er seine Facebook-Diskussionen als Versuchsanordnung für welches seiner Gedankenexperimente auch immer gestaltet. Für mich ein klarer Verstoß gegen wissenschaftliche Ethik."
  580.  
  581. Ich darf festhalten: Sie berichten von meinem Block, ohne den Grund anzugeben. Dann bilden Sie ein Tone-Argument, setzen also dogmatisch Ihre subjektive Sichtweise als Kriterium für die Beurteilung dessen ein, was Sie als meinen "Ton" wahrnehmen. Dasselbe machen Sie mit "langatmig" und "sehr längli[ch]", wobei Sie sich auf einen Text auf meiner Wall beziehen, also dort, wo ich schreiben kann, was und wie lange ich will. Dann geben Sie zu, dass Sie meinen Text nur "überflogen" haben - und stellen eine Behauptung auf, die offensichtlich falsch ist:
  582.  
  583. "... hat er seine Facebook-Diskussionen als Versuchsanordnung für welches seiner Gedankenexperimente auch immer [!] gestaltet."
  584.  
  585. Ich darf die Aufmerksamkeit des geneigten Lesers auf "welches ... auch immer" lenken, wo also vollkommenes Desinteresse für die Fragestellung der von mir genannten (und oben aufgeklärten 'Experimentalanordnung', von "Gedankenexperimente" steht da nichts) zugegeben wird.
  586.  
  587. Sie blenden also aus, worum es ging, haben den Text nur überflogen, formulieren unredliche und dogmatische Aussagen. Und dann beanspruchen Sie allen Ernstes aus dieser 'Grundlage' folgende Schlussfolgerung zu ziehen:
  588.  
  589. "Für mich ein klarer Verstoß gegen wissenschaftliche Ethik."
  590.  
  591. Halten wir fest, was Sie gemacht haben: Sie nehmen meinen Text, kontextualisieren ihn mit einem mehrfach dogmatisch (!) wertenden Text von Ihnen und kommentieren ihn nach einer von Ihnen explizit zugegebenen Auslegung des Textes, ohne mir auch nur eine einzige Frage dazu zu stellen. Sie beanspruchen, meinen Text nach Ihren eigenen Kriterien auszulegen und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen - was in Lektüre, Auslegung nach eigenem Interesse und Verknüpfung mit anderen Erfahrungen PRÄZISE das ist, was ich in meinem Post als 'Experimentalanordnung' beschreibe. Wohlgemerkt: Ohne Schlussfolgerungen zu ziehen oder sogar zu veröffentlichen, sondern AUSSCHLIEßLICH, um mir selbst Probleme vorzulegen, die im Zusammenhang mit bestimmten Fragestellungen entstehen.
  592.  
  593. Sie erinnern sich an die Wendung 'reflexiv ungünstig'? Hier passt sie hervorragend.
  594.  
  595. Weil Sie sich aber so sehr um die wissenschaftliche Ethik sorgen, sind Sie sicherlich bereit, im Rahmen dieser Ethik Ihrem eigenen Anspruch Genüge zu tun. Ich bitte Sie also, mir sachlich begründend darzulegen, wo genau Sie hier den Verstoß sehen. Bedenken Sie aber, dass jeder Versuch, mir rhetorisch irgendwelche Voraussetzungen aufzuzwingen, Ihre eigene Kritik im gleichen Maß entwertet.
  596.  
  597. Viel Erfolg.
  598.  
  599. [Später am 20.01. wurde beides offline genommen, bei Zorn der komplette Post mit allen Kommentaren.]
  600.  
  601. Ende 1) Reaktion auf Polenz
  602.  
  603. ==========================
  604.  
  605. 2) Disclaimer für Zwangsempörte (an den Anfang vom Post gesetzt, 20.01.)
  606.  
  607. Daniel-Pascal Zorn
  608. 49 minutes ago
  609. Zum Verhältnis von Argumentationslogik, Reflexionslogik und Dialektik
  610.  
  611. (Disclaimer für Zwangsempörte: dieser Text ist kein 'Bekenntnis' oder eine 'Offenlegung vorher geheimer Hintergedanken', sondern einfach die Zusammenfassung von längst Bekanntem und hier und anderswo Veröffentlichtem zu einem Gesamtbild. Wer das nicht sieht, offenbart Unkenntnis und untergräbt das eigene empörte Urteil.
  612.  
  613. Interesse ist nicht 'Taktik', Beobachtung keine 'Instrumentalisierung' und das Aufwerfen von Fragen und Problemen kein 'wissenschaftliches Fehlverhalten'. Gesprächspartner sind keine 'Probanden', ich bin kein Experimentalpsychologe und wer was veröffentlicht, der macht es der Öffentlichkeit zugänglich - auch wenn er daran weniger beobachten kann als andere.
  614.  
  615. Die Empörten haben durch die Bank eine Gemeinsamkeit: Sie haben versucht, Argument und Person zu identifizieren und mich auf ihre - meistens pejorativ konnotierte - Vorstellung von mir reduziert und sich damit in Sicherheit gewogen. Das wird nun enttäuscht - erwartbarerweise. Daraus die Enttäuschung aller anderen abzuleiten, verrät die Gewohnheit, von sich auf alle anderen zu schließen.)
  616.  
  617. Ende 2) – Disclaimer für Zwangsempörte (an den Anfang vom Post gesetzt, 20.01.)
  618.  
  619. ====
  620. 3) Zorns Text 19.01. – 15:30
  621. + 2 Fußnoten
  622.  
  623. Daniel-Pascal Zorn
  624. 16 January at 14:55 ·
  625. Zum Verhältnis von Argumentationslogik, Reflexionslogik und Dialektik
  626. Seit mittlerweile vier Jahren widme ich mich der Frage, wie man philosophische Kompetenzen wieder gesellschaftsfähig und das heißt hier: praktisch anwendbar, im Sinne wohlüberlegter diskursiver Interventionen, machen kann. Als ungefähres Schema habe ich mir Sokrates dreistufige Elenktik zum Vorbild genommen, ergänzt um Platons Beitrag: (1) Konfrontation der eigenen Überzeugung mit Kritik (dem Elenchos) - (2) Einsehen der Aporie (des Nichtwissens etc.) - (3) gemeinsame Auflösung der Aporie. Alles, was ich seit 2014 bis zum Sommer 2017 gemacht habe, diente der Erforschung von Schritt (1).
  627. Genauer: Seit 2014 nutze ich für diese Fragestellung und verschiedene, wechselnde und teils im 'trial and error'-Verfahren, teils als Stufungen und Schachtelungen erprobte Hypothesen Facebook quasi als meinen Experimentierraum (im Sinne einer beschreibenden und beobachtenden Diskursanalyse des öffentlichen Diskurses). Der Grund hierfür ist einfach: hier stellen sehr viele Menschen kostenlos und völlig freiwillig ihre Sichtweise zur Diskussion, hier spielt ein stilles, aber eifrig mitlesendes Publikum eine wesentliche Rolle, hier gibt es eine ausreichende Infrastruktur, um übersichtlich zu diskutieren, und hier kann man durch die Konzentration auf Text eben jene Aufmerksamkeit einüben, um die es mir geht.
  628. Wie die meisten - Freunde und Gegner gleichermaßen - mitbekommen haben, habe ich mich dabei seit 2016 (dem Hauptjahr meiner Logik-Kolumne bei der 'Hohen Luft') auf typische argumentationslogische Fehlschlussanalyse spezialisiert, der ich erst in der Kolumne und dann in meinem Buch 'Logik für Demokraten' eine meiner Philosophie entsprechende reflexionslogische Drehung verpasst habe.
  629. Diese Drehung hatte zunächst vor allem den Zweck einer didaktischen Stoffreduktion. Reflexions- und Reflexivitätslogik sind bei Schällibaum und mir ja in erster Linie Phänomenologien logischer Möglichkeitsräume. Eine allzu einseitige Reduktion dieser Räume z. B. auf argumentationslogische Beurteilung macht blind für alternative Zusammenhänge. Zwischen reflexiven Resten und reflexiver Konsistenz liegen mithin sehr kleine Schritte, die oft nur im modus tollens beurteilbar sind. Aber am Beispiel der Argumentationslogik kann man - sozusagen en passant und mit Mehrwert - die Grundlagen einüben, von denen aus man sich die eben genannten Phänomenologien erschließen kann.
  630. In einem Bild gesagt: Die von mir vertretene Argumentationslogik ist nur ein sehr kleiner Ast an einem sehr großen Baum. Wenn ich in den letzten Jahren den Eindruck gemacht habe, dass ich oder meine philosophische Position mit der von mir - mit viel Hingabe gespielten - Rolle des 'promovierten Argumentationslogikers' identisch sei, dann diente das vor allem meiner gedanklichen Experimentalanordnung. Dass gerade bei Philosophen bei so etwas auch immer ein Gutteil Selbstklärung mitschwingt, brauche ich nicht zu verschweigen.
  631. Diese Experimentalanordnung - eine Problemstellung ausgehend von der Frage 'Wieviel Dialektik verträgt die Gesellschaft?' - startete bewusst mit der wohl rigidesten und strengsten, aber auch engstirnigsten Form dialektischer Auseinandersetzung. Wie weit, so fragte ich mich, würde man damit kommen?
  632. Wie sich herausstellte, erstaunlich weit: die von mir vorgeschlagene Argumentationslogik wurde - wohl auch wegen ihres formalen Charakters, der an Regelfolgen erinnert - bereitwillig angenommen. Der Moment der bewussten Reduktion ist benennbar: für die Kolumne bei der 'Hohen Luft' war mein Ansatz zu komplex. Also entschieden wir auf Take-away-Argumentationslogik. Das war bekanntlich so erfolgreich, dass noch die 'Logik für Demokraten' auf ihr aufbaut, auch wenn ich ein paar reflexionslogische Grundfiguren hineingemogelt habe.
  633. Für mich war die 'Logik' der Abschluss von Stufe (1). Entsprechend wandte ich mich ab dem Frühjahr 2017 - mit tatkräftiger gedanklicher Unterstützung durch Per Leo - Stufe (2) meines sokratisch-platonischen Schemas zu: der Erforschung der Einsicht in Aporien.
  634. Dafür war der eher konfrontative **) Ansatz der rigiden Argumentationslogik nicht mehr nötig und sinnvoll. Da Reflexionslogik, als logische Phänomenologie, alle möglichen Formen von Rückbezüglichkeit beschreibt, auch literarische oder rhetorische, interessierte mich die Frage, wie Dialektik im Modus der Rezeption - statt der Konfrontation - funktionieren und erfolgreich angewendet werden kann. Entsprechend wandten wir uns einem Projekt zu, das mit einer Kombination aus Dialektik und Rhetorik - sonst Antipoden - experimentiert, im Sinne einer nicht-inkonsistenten Rhetorik. Das Buch 'mit Rechten reden' ist, aus meiner Sicht, das erste Ergebnis dieser neuen gedanklichen Experimentalanordnung. ***)
  635. Ebenso wie Stufe (1) von Logik-, Dialektik- und Sophistik-Studien und, durch die diskurspraktische Problemstellung, auch zunehmend von politik- und rechtsphilosophischer Lektüre geprägt war, lese ich jetzt Texte der Renaissancephilosophie, die mit Satire und Ironie experimentiert und arbeite schon länger an einem Buchprojekt zum Thema 'Logos und Mythos'.
  636. Das bedeutet aber auch, das meine - oft ostentativ zur Schau gestellte - Rigidität einer offeneren Herangehensweise weicht. Schließlich ist Argumentationslogik nicht der grundlegende Gesprächsmodus und schließlich gibt es nicht und gab es nie einen Zwang zum argumentierenden Gespräch. Argumentationslogik, in meinem Verständnis, ist operational aufmerksame dialektisch-kritische Analyse im Hinblick auf Geltungsansprüche. Dialektisch ist sie, weil sie den Analytiker auf seine eigene Kritik verpflichtet.
  637. Leider ist mir auf diesem Weg passiert, was Philosophen oft passiert: was ich 'Dialektik' nenne, wurde nicht nur von Gegnern (erwartbarerweise) auf argumentationslogische Rigidität festgelegt und mit Pappkameraden verfeinert; auch einige solche, die von mir in affirmativer Absicht Dialektik lernten, verloren das 'big picture' aus dem Blick. Sie verwechselten Reflexionslogik und Argumentationslogik, identifizierten den reduzierten konfrontativen Ansatz mit Dialektik und entwickelten so eine halberistische Kampfdialektik. Aus diesem Missverständnis heraus erschien ihnen die viel weiter reichende Reflexionslogik - auf die sie sich dennoch stolz beriefen - als Zeichen von argumentativer Schwäche und Dekadenz. Wie in solchen Zusammenhängen typisch, hatte die Strenge, die Verantwortung erforderte, sich dieser entledigt und aus der Argumentationslogik ein Instrument zum Rechthaben, Überlegensein und Klugscheißen geschaffen. (Und das aus meiner Feder, was?)
  638. Ich bedaure sehr, dass meine Zuspitzung dialektischen Urteilens auf Argumentationslogik zu solchen Missverständnissen führen kann. Aber Argumentationslogik ist nur eine (!) von mehreren Strategien für den ersten, niedrigsten Schritt des dialektischen Elenchos. Weil sie die - gemessen am gegenwärtigen Wissensbestand - am leichtesten zu erlernende Strategie ist, habe ich sie für eine dialektische Didaktik ausgewählt, der auch philosophische Laien folgen können. Sie für das Fundament zu halten, ist absurd - und doch war es wohl mein Stoizismus der Methode, der letztlich dafür verantwortlich ist.
  639. 'Dialektik', wie ich sie verstehe, ist aber viel mehr als das. Als operationale Aufmerksamkeit kann sie Geltungsansprüche begründen, ja - aber diese Aufmerksamkeit im Dienst der logischen Phänomenologie, die meine philosophische Position ist, umfasst viel, viel mehr.
  640. Das sokratisch-platonische Schema, selbst Grundlage meiner viele Jahre dauernden und bis jetzt unabgeschlossenen Experimentalanordnung, umfasst nur wenige diskurspraktische und diskursdidaktische Hinsichten. Das weite Feld der Texthermeneutik habe ich in meiner Diss behandelt; die Phänomenologie institutionalisierter Rechtfertigungsstrategien behandle ich in der Habil; die Übertragbarkeit meiner explikativen Heuristik in die Kulturanalyse ist bis jetzt nur grob angerissen; dasselbe gilt für Mathematik und theoretische Physik.
  641. Ich halte diesen Einblick für nötig, um Konzepte wie 'Rollenprosa' verständlich werden zu lassen. Und auch, um den allzu eifrigen Epigonen eine Ahnung zu geben, wo ihr gerade erst begonnener Weg hinführen würde, wenn sie den Mut aufbringen, ihn zu gehen. Dialektik, Philosophie überhaupt ist, in einer letzten *) Konsequenz, das Erlernen der hinsichtlichen Selbstaufhebung. Selbst wenn man, wie ich, den Weg schon einmal gegangen ist, ist jedes Wiedergehen anders. Wer die Philosophie durchdacht und beendet hat, den macht sie zum Werkzeug ihrer unendlich mannigfaltigen Entfaltung.
  642. Ich möchte bei allen, die ich auf diesem Weg verletzt und instrumentalisiert habe, um Verzeihung bitten. Wenn ich eines gelernt habe, dann dass Ethik nicht nur darin besteht, die Freiheit, sondern vor allem darin, die Unfreiheit des Anderen zu achten. Zudem weiß ich nun, warum Philosophen kleine und esoterisch anmutende Schulen gründen. Dennoch hoffe ich, dass mehr akademische Philosophen diesen Weg gehen. Ihre Vielfalt im offenen Diskurs erscheint mir der sicherste Weg meiner Selbstaufhebung.
  643. *) "letzt[e]" im Sinne einer dialektischen Umwendung
  644. **) "eher", weil es ein Gefälle gab: je dogmatischer das Gegenüber, desto sachlicher und 'härter' die Reaktion. Je weniger dogmatisch, desto verbindlicher. Das - und nicht eine 'schwarze Pädagogik' von 'Brechen / Unterwerfung' - hat mein Handeln hier stets bestimmt. Das sieht man auch daran, dass entsprechende Klagen stets von Gegnern kamen, die wegen ihres Dogmatismus gegen die 'Wand' liefen - nicht meine, sondern ihre eigene (was einzusehen die ganze Pointe war - je dogmatischer, desto problematischer die Selbsttäuschung über das eigene Wissen).
  645. ***) Zum Begriff des 'Experiments' im Sinne einer Beobachtung meiner Praxis unter bestimmten Bedingungen siehe auch unten.
  646.  
  647. Ende 3)
  648.  
  649. ===========
  650.  
  651. 4) Diskussion insgesamt, Stand 20180117 – 1245 MEZ
  652.  
  653. Daniel-Pascal Zorn
  654. 21 hrs ·
  655. Zum Verhältnis von Argumentationslogik, Reflexionslogik und Dialektik
  656.  
  657. Seit mittlerweile vier Jahren widme ich mich der Frage, wie man philosophische Kompetenzen wieder gesellschaftsfähig und das heißt hier: praktisch anwendbar, im Sinne wohlüberlegter diskursiver Interventionen, machen kann. Als ungefähres Schema habe ich mir Sokrates dreistufige Elenktik zum Vorbild genommen, ergänzt um Platons Beitrag: (1) Konfrontation der eigenen Überzeugung mit Kritik (dem Elenchos) - (2) Einsehen der Aporie (des Nichtwissens etc.) - (3) gemeinsame Auflösung der Aporie. Alles, was ich seit 2014 bis zum Sommer 2017 gemacht habe, diente der Erforschung von Schritt (1).
  658.  
  659. Genauer: Seit 2014 nutze ich für diese Fragestellung und verschiedene, wechselnde und teils im 'trial and error'-Verfahren, teils als Stufungen und Schachtelungen erprobte Hypothesen Facebook als meinen Experimentierraum. Der Grund hierfür ist einfach: hier stellen sehr viele Menschen kostenlos und völlig freiwillig ihre Sichtweise zur Diskussion, hier spielt ein stilles, aber eifrig mitlesendes Publikum eine wesentliche Rolle, hier gibt es eine ausreichende Infrastruktur, um übersichtlich zu diskutieren, und hier kann man durch die Konzentration auf Text eben jene Aufmerksamkeit einüben, um die es mir geht.
  660.  
  661. Wie die meisten - Freunde und Gegner gleichermaßen - mitbekommen haben, habe ich mich dabei seit 2016 (dem Hauptjahr meiner Logik-Kolumne bei der 'Hohen Luft') auf typische argumentationslogische Fehlschlussanalyse spezialisiert, der ich erst in der Kolumne und dann in meinem Buch 'Logik für Demokraten' eine meiner Philosophie entsprechende reflexionslogische Drehung verpasst habe.
  662.  
  663. Diese Drehung hatte zunächst vor allem den Zweck einer didaktischen Stoffreduktion. Reflexions- und Reflexivitätslogik sind bei Schällibaum und mir ja in erster Linie Phänomenologien logischer Möglichkeitsräume. Eine allzu einseitige Reduktion dieser Räume z. B. auf argumentationslogische Beurteilung macht blind für alternative Zusammenhänge. Zwischen reflexiven Resten und reflexiver Konsistenz liegen mithin sehr kleine Schritte, die oft nur im modus tollens beurteilbar sind. Aber am Beispiel der Argumentationslogik kann man - sozusagen en passant und mit Mehrwert - die Grundlagen einüben, von denen aus man sich die eben genannten Phänomenologien erschließen kann.
  664.  
  665. In einem Bild gesagt: Die von mir vertretene Argumentationslogik ist nur ein sehr kleiner Ast an einem sehr großen Baum. Wenn ich in den letzten Jahren den Eindruck gemacht habe, dass ich oder meine philosophische Position mit der von mir - mit viel Hingabe gespielten - Rolle des 'promovierten Argumentationslogikers' identisch sei, dann diente das vor allem meiner Experimentalanordnung. Dass gerade bei Philosophen bei so etwas auch immer ein Gutteil Selbstklärung mitschwingt, brauche ich nicht zu verschweigen.
  666.  
  667. Diese Experimentalanordnung - ausgehend von der Frage 'Wieviel Dialektik verträgt die Gesellschaft?' - startete bewusst mit der wohl rigidesten und strengsten, aber auch engstirnigsten Form dialektischer Auseinandersetzung. Wie weit, so fragte ich mich, würde man damit kommen?
  668.  
  669. Wie sich herausstellte, erstaunlich weit: die von mir vorgeschlagene Argumentationslogik wurde - wohl auch wegen ihres formalen Charakters, der an Regelfolgen erinnert - bereitwillig angenommen. Der Moment der bewussten Reduktion ist benennbar: für die Kolumne bei der 'Hohen Luft' war mein Ansatz zu komplex. Also entschieden wir auf Take-away-Argumentationslogik. Das war bekanntlich so erfolgreich, dass noch die 'Logik für Demokraten' auf ihr aufbaut, auch wenn ich ein paar reflexionslogische Grundfiguren hineingemogelt habe.
  670.  
  671. Für mich war die 'Logik' der Abschluss von Stufe (1). Entsprechend wandte ich mich ab dem Frühjahr 2017 - mit tatkräftiger gedanklicher Unterstützung durch Per Leo - Stufe (2) meines sokratisch-platonischen Schemas zu: der Erforschung der Einsicht in Aporien.
  672.  
  673. Dafür war der eher konfrontative Ansatz der rigiden Argumentationslogik nicht mehr nötig und sinnvoll. Da Reflexionslogik, als logische Phänomenologie, alle möglichen Formen von Rückbezüglichkeit beschreibt, auch literarische oder rhetorische, interessierte mich die Frage, wie Dialektik im Modus der Rezeption - statt der Konfrontation - funktionieren und erfolgreich angewendet werden kann. Entsprechend wandten wir uns einem Projekt zu, das mit einer Kombination aus Dialektik und Rhetorik - sonst Antipoden - experimentiert, im Sinne einer nicht-inkonsistenten Rhetorik. Das Buch 'mit Rechten reden' ist, aus meiner Sicht, das erste Ergebnis dieser neuen Experimentalanordnung.
  674.  
  675. Ebenso wie Stufe (1) von Logik-, Dialektik- und Sophistik-Studien und, durch die diskurspraktische Problemstellung, auch zunehmend von politik- und rechtsphilosophischer Lektüre geprägt war, lese ich jetzt Texte der Renaissancephilosophie, die mit Satire und Ironie experimentiert und arbeite schon länger an einem Buchprojekt zum Thema 'Logos und Mythos'.
  676.  
  677. Das bedeutet aber auch, das meine - oft ostentativ zur Schau gestellte - Rigidität einer offeneren Herangehensweise weicht. Schließlich ist Argumentationslogik nicht der grundlegende Gesprächsmodus und schließlich gibt es nicht und gab es nie einen Zwang zum argumentierenden Gespräch. Argumentationslogik, in meinem Verständnis, ist operational aufmerksame dialektisch-kritische Analyse im Hinblick auf Geltungsansprüche. Dialektisch ist sie, weil sie den Analytiker auf seine eigene Kritik verpflichtet.
  678.  
  679. Leider ist mir auf diesem Weg passiert, was Philosophen oft passiert: was ich 'Dialektik' nenne, wurde nicht nur von Gegnern (erwartbarerweise) auf argumentationslogische Rigidität festgelegt und mit Pappkameraden verfeinert; auch einige solche, die von mir in affirmativer Absicht Dialektik lernten, verloren das 'big picture' aus dem Blick. Sie verwechselten Reflexionslogik und Argumentationslogik, identifizierten den reduzierten konfrontativen Ansatz mit Dialektik und entwickelten so eine halberistische Kampfdialektik. Aus diesem Missverständnis heraus erschien ihnen die viel weiter reichende Reflexionslogik - auf die sie sich dennoch stolz beriefen - als Zeichen von argumentativer Schwäche und Dekadenz. Wie in solchen Zusammenhängen typisch, hatte die Strenge, die Verantwortung erforderte, sich dieser entledigt und aus der Argumentationslogik ein Instrument zum Rechthaben, Überlegensein und Klugscheißen geschaffen. (Und das aus meiner Feder, was?)
  680.  
  681. Ich bedaure sehr, dass meine Zuspitzung dialektischen Urteilens auf Argumentationslogik zu solchen Missverständnissen führen kann. Aber Argumentationslogik ist nur eine (!) von mehreren Strategien für den ersten, niedrigsten Schritt des dialektischen Elenchos. Weil sie die - gemessen am gegenwärtigen Wissensbestand - am leichtesten zu erlernende Strategie ist, habe ich sie für eine dialektische Didaktik ausgewählt, der auch philosophische Laien folgen können. Sie für das Fundament zu halten, ist absurd - und doch war es wohl mein Stoizismus der Methode, der letztlich dafür verantwortlich ist.
  682.  
  683. 'Dialektik', wie ich sie verstehe, ist aber viel mehr als das. Als operationale Aufmerksamkeit kann sie Geltungsansprüche begründen, ja - aber diese Aufmerksamkeit im Dienst der logischen Phänomenologie, die meine philosophische Position ist, umfasst viel, viel mehr.
  684.  
  685. Das sokratisch-platonische Schema, selbst Grundlage meiner viele Jahre dauernden und bis jetzt unabgeschlossenen Experimentalanordnung, umfasst nur wenige diskurspraktische und diskursdidaktische Hinsichten. Das weite Feld der Texthermeneutik habe ich in meiner Diss behandelt; die Phänomenologie institutionalisierter Rechtfertigungsstrategien behandle ich in der Habil; die Übertragbarkeit meiner explikativen Heuristik in die Kulturanalyse ist bis jetzt nur grob angerissen; dasselbe gilt für Mathematik und theoretische Physik.
  686.  
  687. Ich halte diesen Einblick für nötig, um Konzepte wie 'Rollenprosa' verständlich werden zu lassen. Und auch, um den allzu eifrigen Epigonen eine Ahnung zu geben, wo ihr gerade erst begonnener Weg hinführen würde, wenn sie den Mut aufbringen, ihn zu gehen. Dialektik, Philosophie überhaupt ist, in einer letzten *) Konsequenz, das Erlernen der hinsichtlichen Selbstaufhebung. Selbst wenn man, wie ich, den Weg schon einmal gegangen ist, ist jedes Wiedergehen anders. Wer die Philosophie durchdacht und beendet hat, den macht sie zum Werkzeug ihrer unendlich mannigfaltigen Entfaltung.
  688.  
  689. Ich möchte bei allen, die ich auf diesem Weg verletzt und instrumentalisiert habe, um Verzeihung bitten. Wenn ich eines gelernt habe, dann dass Ethik nicht nur darin besteht, die Freiheit, sondern vor allem darin, die Unfreiheit des Anderen zu achten. Zudem weiß ich nun, warum Philosophen kleine und esoterisch anmutende Schulen gründen. Dennoch hoffe ich, dass mehr akademische Philosophen diesen Weg gehen. Ihre Vielfalt im offenen Diskurs erscheint mir der sicherste Weg meiner Selbstaufhebung.
  690.  
  691. *) "letzt[e]" im Sinne einer dialektischen Umwendung
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  697. 10 comments
  698.  
  699. ====================
  700.  
  701. Comments
  702. Norbert Finzsch
  703. Norbert Finzsch So, das Ganze bitte als zitierbaren Aufsatz oder so etwas Ähnliches....Danke!
  704. 2
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  706. LikeShow More Reactions · 20h
  707. Daniel-Pascal Zorn
  708. Daniel-Pascal Zorn Man kann auch FB-Posts zitieren.
  709. 1
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  712. Norbert Finzsch
  713. Norbert Finzsch ist aber nicht so schön. Überhaupt möchte man solche Perlen nicht nur in FB-Trögen liegen sehen...
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  715. LikeShow More Reactions · 20h
  716. Daniel-Pascal Zorn
  717. Daniel-Pascal Zorn Ich mach einen Blogeintrag daraus. Ende der Woche. Deal?
  718. 6
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  720. LikeShow More Reactions · 20h
  721. Norbert Finzsch
  722.  
  723. Norbert Finzsch You're a star!
  724. 1
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  727. Jens Bernhard
  728. Jens Bernhard Udo Wolf
  729. 1
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  732. André Luthardt
  733. André Luthardt
  734.  
  735. TENOR
  736. 3
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  738. LikeShow More Reactions · 19h
  739. Burkhard Wahle
  740. Burkhard Wahle Ich bin zwar immer noch nicht damit durch, aber wer in VGZG gelesen hat, der kann deinen Ansatz eigentlich nicht auf Argumentationslogik verkürzen oder ein nur instrumentelles Verhältnis zu dieser entwickelt haben, im Sinne einer "halberistischen Kampfdialektik" (sehr schön!). Dass Philosophie sich aber im politischen Diskurs dadurch neu bemerkbar machte, dass ihr Handwerkszeug von dir "streng" eingefordert und als kritisches Instrument vorgeführt wurde, ist ja nichts, was durch deine dialektische Aufhebung nun nichtig würde: auch wenn die Gemeinde noch vielsagend schweigt oder gar ausfällig wird. Edit : das Ausfällige scheint gelöscht worden zu sein.
  741. 2
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  743. LikeShow More Reactions · 11h · Edited
  744. Aljoscha Hellekes
  745. Aljoscha Hellekes Eher deskriptiv denn dialektisch.
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  748. Daniel-Pascal Zorn
  749. Daniel-Pascal Zorn Hm?
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  751. LikeShow More Reactions · 11h
  752. Aljoscha Hellekes
  753. Aljoscha Hellekes Mhhhh. Mhhhh. Once... 🎙
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  755. LikeShow More Reactions · 2h
  756. Daniel-Pascal Zorn
  757. Daniel-Pascal Zorn Das meinte: kannst Du das bitte etwas näher ausführen?
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  759. LikeShow More Reactions · 2h
  760. Til Quadflieg
  761. Til Quadflieg Und wann lösen Sie auf, dass das jetzt wieder ein Rollenspiel ist?
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  763. LikeShow More Reactions · 2h
  764. Daniel-Pascal Zorn
  765. Daniel-Pascal Zorn Gar nicht. Sollte sich aus dem Kontext ergeben: Das Rollenspiel macht nur in der Konfrontation Sinn.
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  767. LikeShow More Reactions · 2h
  768. Til Quadflieg
  769. Til Quadflieg "Sinn" und "Unsinn" kann vieles ergeben. Es ist nur "reflexiv ungünstig" (gilt das noch?), als Wissenschaftler / mit wissenschaftlichen Geltungsansprüchen aufzutreten und gleichzeitig die Maßstäbe von Verlässlichkeit und Vertrauen (in Sie als Gewährsperson) zu dekonstruieren. Zudem rührt Ihre Praxis ja ohnehin an weitere sagen wir mal existenzphilosophische Probleme : Wenn das jetzt keine Rolle ist - was ist es dann, was qualifiziert es als "echt"?
  770. Manage
  771. LikeShow More Reactions · 1h
  772. Daniel-Pascal Zorn
  773. Daniel-Pascal Zorn Hm. "Sinn" bezieht sich auf das, was ich oben dargestellt habe: die Beschränkung - 'Rollenprosa' - auf argumentative Zusammenhänge ist nur im Kontext meiner Studien zur Konfrontation sinnvoll, weil dasselbe Vorgehen sich bei Studien zur Rezeption selbst im Weg steht.
  774.  
  775. Ansonsten habe ich - von Anfang an - klar gemacht, dass ich Argumentation nicht als Grundform des Redens verstehe, dass ich, wenn ich Behauptungen kritisiere, auf bestimmte Aspekte achte usw.
  776.  
  777. Ich sehe also nicht, wo ich "die Maßstäbe von Verlässlichkeit und Vertrauen" in mich "dekonstruier[t]" haben soll. Wer meine Arbeit kennt, meine Texte liest, was ich in Interviews, Blogeinträgen etc. etc. (schon in meinen FAQ zur 'Logik für Demokraten') zu sagen habe, für den ist das Obenstehende höchstens die Einordnung des längst Bekannten in einen größeren Kontext. Ich verstehe Ihre Irritation also vor allem als Reaktion auf eine Ent-Täuschung des Bildes, das Sie sich von mir gemacht haben. Und dazu ist der Post da - reflexiv günstig übrigens, denn genau um solche Enttäuschungen geht es unter anderem.
  778.  
  779. Wenn ich davon spreche, dass Reflexionslogik viel mehr ist als Argumentationslogik, bedeutet das nicht: etwas ganz anderes. Es ist eben eine ganz bestimmte Anwendung. Und ich mache jetzt den Schritt zurück und ordne das ein. Ich lehre immer noch Argumentationslogik - nur beschränke ich mich nicht mehr darauf. Wenn Sie das als Erschütterung von Verlässlichkeit und Vertrauen erleben, tut mir das leid. Aber so funktioniert Wissenschaft: man klärt Hypothesen in einen klar begrenzten Experimentalraum, in dem die Bedingungen halbwegs kontrollierbar sind. Und wenn man die Kontexte ausgeschöpft hat, erweitert man den Blick.
  780.  
  781. Ihre Frage ist im Post beantwortet: Ausgangspunkt und Horizont ist meine Diss. Das Gesamtbild liegt also vor, wenngleich auch in ihm weitere Aufgaben formuliert sind. Meine freiwillige Selbstbeschränkung ab Herbst 2015 (!) war immer darauf angelegt, sich zu diesem Bild zu runden.
  782. Manage
  783. LikeShow More Reactions · 39m · Edited
  784. Til Quadflieg
  785. Til Quadflieg Daniel-Pascal Zorn - Ich habe, wie Sie wissen, Ihre "Rollenprosa" immer wieder als zu kurz greifend kritisiert und bin in keiner Weise enttäuscht; Sie scheinen Ihr Experiment noch nicht vollständig differenziert ausgewertet zu haben. Zur "Wissenschaft": Sie haben nach Ihren eigenen Angaben "mehrere Jahre" gegenüber vielfach kontingent-unkontrollierten, Ihnen in ihren jeweiligen Hintergründen unbekannten Personen wie ein Berserker versucht, Betrachtungen durchzusetzen, die sie jetzt jedenfalls als unvollständig kennzeichnen und denen gegenüber Sie unausgesprochene Vorbehalte bzw. experimentell-manipulative Hintergedanken hatten. Sie sagen, dies sei ja eigentlich für jeden erkennbar gewesen; de facto dürften aber 80% der Personen, auf die Sie so eingewirkt haben, weder diesen Post lesen, noch auf sonstigen Wegen darüber aufgeklärt werden, dass Sie Teilnehmer eines "wissenschaftlichen" Experimentes waren. Das "Experiment" hat den Testraum weit überschritten und auf Wirklichkeit eingewirkt. Ihre angebliche Rolle als Versuchsleiter, Agent Provocateur und Analyst der Ergebnisse in einer Person erscheint wissenschaftlich konfus. Ihr Vorgehen mag vielleicht mit einer Künstlerethik oder mit einer Ethik des Selbsterfahrungstrips vereinbar sein, nicht aber mit einer Wissenschaftsethik. Die Dekonstruktion von Verlässlichkeit besteht eben darin - offenzulegen, dass Sie über "Jahre" hinweg Inhalte instrumentell verwendet haben, letztlich um Personen zu manipulieren und mithin massiv uneigentlich agiert haben; offenzulegen, dass dies bei Ihnen möglich ist (Verlässlichkeit ist so verstanden gewissermaßen eine "Eigentlichkeitsgewähr" des Wissenschaftlers, die etwa ein Künstler soziokulturell nicht oder weniger in Anspruch nimmt, auf die er für seine Kommunikation aber auch weniger angewiesen ist).
  786. Manage
  787. LikeShow More Reactions · 18m · Edited
  788.  
  789. =========
  790.  
  791. Daniel-Pascal Zorn Til Quadflieg: In Ihrer Kritik haben Sie leider immer wieder übersehen, dass "zu kurz greif[en]" nur dann ein schlüssiger Vorwurf ist, wenn jemand einen Vollständigkeitsanspruch behauptet. Insofern ist das nicht gerade ein Kompetenznachweis.
  792.  
  793. Wenn ein Experiment nicht abgeschlossen ist, kann man es schwerlich "vollständig differenziert" (was immer das heißen mag) auswerten.
  794.  
  795. Wie Sie die Personen einschätzen, mit denen ich über die Jahre gesprochen habe, interessiert mich nicht besonders - auch weil das zu großen Teilen offensichtlich vorgetäuschtes Wissen ist (so lange kennen wir uns ja noch nicht). Aber nochmal eine solche Polemik wie "wie ein Berserker" und Sie fliegen hier raus.
  796.  
  797. Ansonsten habe ich an keiner Stelle versucht, "Betrachtungen durchzusetzen". Solche Pappkameraden sind schon deswegen ungünstig, weil ich insbesondere Ihnen mühevoll und in mehreren Sitzungen erklären musste, was der Unterschied zwischen einer Behauptung und einer Setzung ist. Wieder: kein Kompetenznachweis.
  798.  
  799. Wofür ich argumentiert habe, ist im Kontext der Argumentation keineswegs "unvollständig". Sehr wohl aber im Kontext der Beurteilung meiner philosophischen Position. Lernen Sie, Hinsichten zu unterscheiden - und verabschieden Sie sich endlich von dem Konzept des Vollständigkeitsanspruches. Das ist nämlich aporetisch.
  800.  
  801. Ihre Behauptung, ich hätte "unausgesprochene Hintergedanken" gehabt, ist überprüfbar falsch. Ich weiß nicht in wie vielen Debatten ich klar gemacht habe, dass Argumentationslogik eine HINSICHT auf das Gespräch ist. Wenn Sie meinen, meine Gesprächspartner der letzten Jahre beurteilen zu können, sollten Ihnen diese Beiträge aufgefallen sein. Entsprechend gibt es auch keine "manipulative[n] Hintergedanken". Wo soll da die Manipulation liegen? Dass ich das Argument des Anderen, so doof es auch ist, ernst nehme? Dass ich ihn darin als Gleichberechtigten akzeptiere, etwas, was Sie bis heute nicht gelernt haben, weil Sie Ihre juristische Kampfrhetorik offenbar für das Nonplusultra halten oder zu mehr nicht fähig sind? Oder dass ich wirklich jede meiner Behauptungen auf etwas beziehe, was er und ich teilen - und daraufhin meine Begründungspflicht akzeptiere? Das ist manipulativ? Oder meinen Sie damit, dass ich mir die Freiheit nehme, mich für meine Interaktionen auch in anderen Hinsichten zu interessieren? Anhand derselben gegebenen Redeeinsätze, so dass jede diesbezügliche Beobachtung wieder nachprüfbar ist? Freie Beobachtung von Gegebenem ist unredlich? Nach welchem Kriterium?
  802.  
  803. Sie scheinen der aporetischen Illusion anzuhängen, dass man, bevor man in Interaktion tritt, bereits in perfekter und abschließender Weise (100% haben meinen Post gelesen) in Interaktion getreten sein muss. Das führt halt in einen Regress. Aber dass jemand, der aus der Hand Prozentangaben und psychologische Dispositionen von Leuten, die er nicht kennt, hervorzaubert, auch das fertigbringt, verwundert mich eher nicht.
  804.  
  805. Ihre unreflektierte Polemik scheint sich an dem Konzept 'wissenschaftliches Experiment' aufzuhängen. Aber ich bin kein Laborwissenschaftler. Was ich hier 'Experiment' nenne, ist letztlich beschreibende Beobachtung von diskursiver Interaktion im Hinblick auf Strukturmomente und ihre Wiederholungsrate und Varianzbreite. Die Personen spielen darin keine Rolle, sondern nur das, was ich - als Erfahrung - aus den Gesprächen mitnehme.
  806.  
  807. Unfasslich finde ich, dass Sie nach all der Zeit nicht verstehen, was dialektische Praxis ist. Es ging ja gerade darum, die Frage zu klären, ob und wie 'Einwirkung' funktioniert. Herrje. Ich unterhalte mich mit einem Blinden über Farben.
  808.  
  809. Die "angebliche[n] Rolle[n]" sind Ihre eigene Erfindung. Sie machen in einem diskursanalytisch-dialektischen Zusammenhang auch keinen Sinn. Was sich durch ein bisschen Nachdenken ergibt - denn Dialektik ist Beobachtung in der Teilnahme. Und nun dürfen Sie darauf herumkauen, welche Hinsichten man als Teilnehmer einer solchen Interaktion so beschreiben kann, dass andere die Beschreibung prüfen können. Dann sind Sie ganz nah dran an meinem Ansatz. Was Sie "konfus" finden, hat einfach mit Ihrer eigenen Ersetzung meines Experimentalverständnisses (das ich in VGZG geklärt habe) durch Ihres zu tun.
  810.  
  811. Mich interessiert ansonsten nicht sonderlich, was Sie womit für "vereinbar" halten. Ihr Begriff von "Wissenschaftsethik" ist hier nicht das Kriterium. Und wer reflexive Rechtfertigungspraxis als "Künstlerethik" oder "Ethik des Selbsterfahrungstrips" herabsetzen muss - wer hat oben von "existenziellen Problemen" gefaselt? -, sollte andere nicht über Ethik belehren. Das wirkt lächerlich.
  812.  
  813. Ihr letzter Absatz wiederholt Ihre Falschbehauptungen, ohne auch nur eine einzige Begründung anzugeben. Dass es mir freisteht, aus Erfahrung zu lernen, werden Sie kaum bestreiten können. Dass Sie keinen Plan von meinen Texten oder meiner Arbeit haben, haben Sie nicht zum ersten Mal offenbart - insofern ist "massiv uneigentlich" wohl eher Ihr Fehlschluss ad ignorantiam. Oder halt der Versuch, mit unlauteren Kriterien - perfekte Rezeption, s. o. - eine nichtexistierende Manipulation herbeizuschreiben. Da ich ansonsten in jedem Text - die Sie offenbar alle nicht kennen - die Kriterien meiner Beurteilung offenlege, ist auch die von Ihnen behauptete "Eigentlichkeitsgewähr" gewährt.
  814.  
  815. Ich glaube, Sie haben einfach ein Problem damit, dass Ihr Bild von mir, mit dem Sie mich so bequem einsortiert hatten - hochtrabend und arrogant waren Sie mir gegenüber ja schon immer -, nicht mehr funktioniert. Sie halten Ihren Teetassen-Horizont für eine Norm und heulen auf, wenn man sie verletzt. Wahrlich ein existenzielles Problem. Aber Ihres, nicht meines.
  816.  
  817. Und jetzt würde ich vorschlagen, Sie nehmen sich mal mein Gesamtwerk vor und versuchen, zu verstehen, bevor Sie kritisieren, wozu Sie gar nicht kompetent sind. Viel Erfolg.
  818.  
  819. ==========
  820.  
  821. Marko Demantowsky
  822. Marko Demantowsky Jetzt endlich aufmerksam gelesen. Grossartig, Daniel.
  823. 1
  824. Manage
  825. LikeShow More Reactions · 1h
  826. Daniel-Pascal Zorn
  827. Daniel-Pascal Zorn Danke. Texte sind ja auch immer Selbstklärung - ich erzähle von diesem Plan, seitdem ich derart auf Facebook aktiv bin, habe mir aber nie die Mühe gemacht, ihn so ausführlich aufzuschreiben. Dass Facebook mein Experimentierfeld ist, ist ein Standard bei meinen Auftritten. Entsprechend überrascht mich die Überraschung hier ein bisschen.
  828. 1
  829. Manage
  830. LikeShow More Reactions · 56m · Edited
  831. Marko Demantowsky
  832. Marko Demantowsky Daniel-Pascal Zorn Ein guter Zeitpunkt. Das nächste Level.
  833. Es bleibt - und ich hoffe, ich bekomme jetzt nicht wieder einen auf den Deckel :-) - beständig eine Grunderfahrung aller Denkenden:
  834. http://gutenberg.spiegel.de/buch/-589/1
  835. Manage
  836. Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden von Heinrich von Kleist - Text im…
  837. GUTENBERG.SPIEGEL.DE
  838. 1
  839. LikeShow More Reactions · 56m
  840. Daniel-Pascal Zorn
  841. Daniel-Pascal Zorn Ganz und gar nicht - vgl. dazu das Kapitel zum Schreiben in meiner 'Einführung'!
  842. 1
  843. Manage
  844. LikeShow More Reactions · 55m
  845. Marko Demantowsky
  846. Marko Demantowsky Daniel-Pascal Zorn Liegt auf meinem Schreibtisch!
  847. 1
  848. Manage
  849. LikeShow More Reactions · 54m
  850. Daniel-Pascal Zorn
  851. Daniel-Pascal Zorn Hier findet sich die Selbstklärung des argumentationslogischen Ansatzes: https://rechtfertigung.wordpress.com/.../fragen-und.../
  852. Manage
  853.  
  854. Fragen und Antworten zur ‚Logik für Demokraten‘ und zur…
  855. RECHTFERTIGUNG.WORDPRESS.COM
  856. 1
  857. LikeShow More Reactions · 1h
  858. Marko Demantowsky
  859. Marko Demantowsky Shared.
  860. Manage
  861. LikeShow More Reactions · 46m
  862. Thomas Arnold
  863. Thomas Arnold Ich darf hier vielleicht ganz eitel auf meine Besprechung im DLF hinweisen, die damit schließt, dass VGZG - ausgehend von der Reflexionslogik - nicht primär eine Argumentationstheorie, sondern eine reflexive Ethik anbietet. http://www.deutschlandfunk.de/daniel-pascal-zorn-vom...
  864. Manage
  865.  
  866. Daniel-Pascal Zorn: "Vom Gebäude zum Gerüst" - Reflexionslogische Übung
  867. DEUTSCHLANDFUNK.DE
  868. 2
  869. LikeShow More Reactions · 11m
  870. Lars Hartmann
  871. Lars Hartmann Ich gehöre zu denen, die austeilen und die auch einstecken können. Ich habe von Ihnen manches gelernt, leider aber nicht, mein heißes Temperament zu zügeln, ich bin, ähnlich vielleicht wie der von mir geschätzte Karl Heinz Bohrer, in diesen Dingen nicht nur reflexiv, sondern zugleich auch ästhetisch-intuitiv und probiere aus, was geht. Wie dem auch sei: ich halte Ihren Ansatz als Praktik für interessant, insbesondere jene Dreiteilung. Die „Erforschung der Einsicht in Aporien“ fasziniert auch mich in meinem Trachten, Forschen, Treiben. Dialektik hat in diesem Sinne bei mir eher einen hegelianischen Einschlag, wo es geht, die Aporien aufzulösen oder weiterzutreiben. (Man ist da schnell bei Adorno und hat da qua negativer Dialektik und Nichtidentischem zugleich ein Mehr an Erkenntnis. )
  872.  
  873. Das Mythos/Logos-Projekt bzw. in meinem Rahmen das Verhältnis von Kunst und Philosophie treibt auch mich ziemlich lange um. Insbesondere die narrative (aber auch rhetorische) Komponente von Texten fand ich von Anbeginn an wichtig. Insofern bin ich gespannt, was Sie dazu zu schreiben haben und würde mich freuen, wenn Sie, sobald da Texte vorliegen, auf diese verweisen. Ansonsten zu den von Ihnen angesprochenen Aspekten vielleicht die schöne Zeile von Hölderlins „Das Gasthaus“
  874.  
  875. „Komm! ins Offene, Freund! zwar glänzt ein Weniges heute
  876. Nur herunter und eng schließet der Himmel uns ein.
  877. Weder die Berge sind noch aufgegangen des Waldes
  878. Gipfel nach Wunsch und leer ruht von Gesange die Luft.
  879. Trüb ists heut, es schlummern die Gäng’ und die Gassen und fast will
  880. Mir es scheinen, es sei, als in der bleiernen Zeit.“
  881.  
  882. Den Konjunktiv dieser Art gälte es zu überwinden.
  883. Manage
  884. LikeShow More Reactions · 1m
  885.  
  886. Ende 4)
  887.  
  888. =====
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