SHOW:
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| 1 | Ist der 15. Rundfunkstaatsvertrag rechtswidrig? | |
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| 4 | Abstract: | |
| 5 | +--------- | |
| 6 | Das gesamte Bezahlmodell des 15. Rundfunkstaatsvertrages ist en detail | |
| 7 | einer Steuergesetzgebung nachempfunden, z.B. die Berücksichtigung sozialer | |
| 8 | Komponenten oder eine Mehrfachabschöpfung (wie im gewerblichen Bereich | |
| 9 | in den Staatsvertrag geschrieben). | |
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| 11 | Die Abgaben, die zukünftig jeder Haushalt unabhängig vom Vorhalten eines | |
| 12 | Empfangsgerätes zu zahlen hat, wurden als Beiträge deklariert, obgleich sie | |
| 13 | - | de facto dem Wesen nach eine Steuern darstellen und aufgrund des steuerlichen |
| 13 | + | de facto dem Wesen nach eine Steuer darstellen und aufgrund des steuerlichen |
| 14 | - | Charakters jedoch überhaupt kein Beitrag ergobden werdebn dürfte. |
| 14 | + | Charakters jedoch überhaupt kein Beitrag erhoben werden dürfte. |
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| 16 | Eine Steuererhebung zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist | |
| 17 | jedoch wegen des Gebots der Staatsferne nicht erlaubt, womit das gesamte | |
| 18 | Bezahlmodell des 15.Staatvertrages rechtswidrig ist. | |
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| 22 | Inhalt | |
| 23 | +------ | |
| 24 | A | |
| 25 | 1. Vorwort | |
| 26 | 2. Der Beginn der Rundfunkgebühr (ab 1953) | |
| 27 | 3. Bezahlmodell des. 15. Rundfunkstaatsvertrages | |
| 28 | 3.1 Steuern | |
| 29 | 3.2 Gebühren | |
| 30 | 3.3 Beiträge | |
| 31 | 3.4 Bewertung | |
| 32 | B | |
| 33 | Fussnoten | |
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| 37 | 1.Vorwort | |
| 38 | +--------- | |
| 39 | Ab 2013 tritt der 15. Rundfunkstaatsvertrag in Kraft. Mit wenig | |
| 40 | erstaunlicher Einigkeit ist dieser von den Landesfürsten der | |
| 41 | Bundesländer abgesegnet worden. Umso erstaunlicher ist allerdings, dass | |
| 42 | Unternehmen, Organisationen, Parteien wie die Piratenpartei und die | |
| 43 | Bürger selbst, dieses Machwerk hoher Staatsführungskunst so gelassen | |
| 44 | und gleichsam ohne Gegenwehr aufgenommen haben. Erstaunlich deswegen, | |
| 45 | da nun jeder Haushalt einen Obulus zu leisten hat, gleich, ob ein | |
| 46 | Empfangsgerät vorhanden oder nicht vorhanden ist. Erstaunlich auch | |
| 47 | deswegen, da auf Unternehmen mit dem neuen Rundfunkstaatsvertrag | |
| 48 | massive Mehrkosten zukommen. Und last not least "erstaunlich" auch | |
| 49 | deswegen, dass sich offenbar auch keine Organisation oder Partei | |
| 50 | Gedanken über die Rechtmäßigkeit im Sinne des Grundgesetzes gemacht | |
| 51 | hat. | |
| 52 | ||
| 53 | Allerdings hatte die Entwicklung bereits im Vorfeld bedenkliche Züge | |
| 54 | angenommen, indem willkürlich Geräte, z.B. Computer, gleichsam zu | |
| 55 | Empfangsgeräten, sogenannte "neuartige Empfangsgeräte", umdeklariert | |
| 56 | worden sind. Das Bundesverfassungsgericht hat hierbei fleißig | |
| 57 | mitgeholfen, diese Auffassung zu stützen (s.a. AZ: 1 BvR 199/11 [1]). | |
| 58 | Die Urteilsbegründung lautete im Kern, dass eine Zahlungspflicht für | |
| 59 | Computer, auch wenn sie nur betrieblich eingesetzt würden, nicht | |
| 60 | unverhältnismäßig sei, da sie zur Finanzierung des öffentlich- | |
| 61 | rechtlichen Rundfunks diene und eine "drohende Flucht aus der | |
| 62 | Rundfunkgebühr" verhindere. Hallo, wie bitte? | |
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| 64 | Insgesamt war sowohl in der Rechtsprechung, als auch in der Politik, der | |
| 65 | Trend seit langer Zeit deutlich erkennbar -- dies alles unter | |
| 66 | dem Deckmantel -- und nun Phrasensprech -- der "Grundversorgung" und | |
| 67 | der "Gesamtveranstaltung öffentlich rechtlicher Rundfunk"! | |
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| 69 | Im Hinblick auf die ausufernde Deklaration bezüglich "neuartige | |
| 70 | Empfangsgeräte", auf den Einfluss der Politik auf die Sender, auf | |
| 71 | intransparente und wenig geeignete Methoden der Finanzbedarfs- | |
| 72 | ermittlung, etc. unterstelle ich, dass es überhaupt nicht um | |
| 73 | "Grundversorgung" geht, sondern letztlich überwiegend um Macht und | |
| 74 | Einfluss in der Verbreitung von Inhalten, sowie der Übermittlung von | |
| 75 | als wünschenswert erachteten Werten und Verhaltenweisen. | |
| 76 | Es gilt, das teuerste Rundfunksystem der Welt zu erhalten, selbst wenn | |
| 77 | das Recht dabei bis zur Unkenntlichkeit verbogen wird. | |
| 78 | ||
| 79 | Es wird weiterhin mit bemerkenswerter stoischer Ruhe nichts dafür getan, | |
| 80 | die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks überhaupt einmal zu | |
| 81 | konkretisieren! Auf der einen Seite muss der ÖR Programmvielfalt und | |
| 82 | ein ausgewogenes Programm gewährleisten. Was das im einzelnen jedoch | |
| 83 | bedeuten soll, wie dieses erreicht werden soll und wer dieses | |
| 84 | kontrollieren soll, wird überhaupt nicht thematisiert. Pauschal heißt | |
| 85 | es allerorten, der ÖR sei für eine Demokratie unabdingbar. Soso! | |
| 86 | ||
| 87 | 2. Der Beginn der Rundfunkgebühr (ab 1953) | |
| 88 | +----------------------------------------- | |
| 89 | Die Rundfunkgebühr wurde 1953 eingeführt und von der Deutschen | |
| 90 | Bundespost erhoben. Sie betrug monatlich 2,00 DM für Radio und | |
| 91 | zusätzlich 5 DM für Fernsehen. 7,00 DM entsprachen seinerzeit in etwa | |
| 92 | einem Gegenwert von 88 Semmeln. Heute, also 2012, beträgt die Gebühr | |
| 93 | für Radio 5,76 EUR und für Radio+TV 17,98 EUR. In Semmeln | |
| 94 | (Bäckereiware) gerechnet macht dies 72 Semmeln. Nun ja, Lebensmittel | |
| 95 | sind ja auch preiswerter geworden.. | |
| 96 | ||
| 97 | Die Gebühr war eine Gebühr der Deutschen Post und wurde z.B durch den | |
| 98 | Briefträger eingezogen. Einen Teil davon gab die Post dann an die | |
| 99 | Rundfunkanstalten weiter. | |
| 100 | ||
| 101 | Mit zwei Entscheidungen (BVerwGE 29, 214; UFITA Bd. 52 [1969], S. 302, | |
| 102 | 309) vom 15. März 1968 kippte das Bundesverwaltungsgericht [2] das | |
| 103 | Postgebührenmodell. Es stellte fest, dass die Rundfunkgebühr kein | |
| 104 | Entgelt dafür sei, dass die Post dem Teilnehmer gestatte, ein | |
| 105 | Empfangsgerät aufzustellen und zu betreiben. Vielmehr sei sie das | |
| 106 | "Mittel zur Finanzierung der Gesamtveranstaltung öffentlich-rechtlicher | |
| 107 | Rundfunk" Es gehöre daher nicht zum Recht des Post- und Fernmeldewesens. | |
| 108 | Dieses Recht stehe vielmehr den Ländern zu, weil diese die Gesetz- | |
| 109 | gebungskompetenz für den Rundfunk hätten. \o/ | |
| 110 | ||
| 111 | Aufgrund der technischen Entwicklung, der Entwicklung der Privatsender, | |
| 112 | des Satellitenempfangs, etc. und insbesondere im Hinblick auf das Netz, | |
| 113 | - | nebst neue Empfangsgeräte, der zunehmenden Vergreisung der Zuschauer |
| 113 | + | nebst "neuen Empfangsgeräten", der zunehmenden Vergreisung der Zuschauer |
| 114 | (Durchschnittsalter um die 65) schwammen und schwimmen den ÖR sozusagen | |
| 115 | die Felle davon. | |
| 116 | ||
| 117 | Heute ist kaum keiner noch auf den ÖR angewiesen. Jede erdenkliche | |
| 118 | Information lässt sich heute schneller aus dem Netz holen. Ein Fernseh- | |
| 119 | oder Radiogerät ist nicht mehr notwendig und kann allenfalls noch als | |
| 120 | nettes Beiwerk, ein zusätzliches Feature, gesehen werden. | |
| 121 | ||
| 122 | Damit wäre jedoch der ÖR grundsätzlich gefährdet, da immer weniger | |
| 123 | Menschen, auf herkömmliche Empfangsgeräte zurückgreifen werden und | |
| 124 | darum eben auch die angestrengten Bemühungen, z.B Computer flugs zu | |
| 125 | solchen Empfangsgeräten zu deklarieren (was ich persönlich als einen | |
| 126 | ungeheuren Affront gegen die Netzgemeinde empfinde). Die spannende | |
| 127 | Frage war also, ob die Politik auf Dauer dieses seltsame Konstrukt | |
| 128 | aufrechterhalten hätte können und dem Druck gewachsen gewesen wäre. | |
| 129 | ||
| 130 | Offenbar war man zu dem Schluss gekommen, dass dies auf Dauer nicht | |
| 131 | haltbar gewesen wäre, da dann z.B für einen internetfähigen Kühlschrank | |
| 132 | ebenso hätte Gebühr bezahlt werden müssen und/oder immer mehr Ausnahmen | |
| 133 | hätten festgelegt werden müssen. | |
| 134 | ||
| 135 | 2010 gab man schließlich bei Prof. Dr. Dres. h.c. Paul Kirchhof, dem | |
| 136 | berühmten "Professor aus Heidelberg" und Bundesverfassungsrichter a.D | |
| 137 | ein Gutachten [3] in Auftrag, in welchem er letztlich das ab 2013 | |
| 138 | geltende Bezahlmodell favorisierte. | |
| 139 | ||
| 140 | In diesem Gutachten befasste er sich ausgiebig mit Begriffen wie | |
| 141 | Abgaben, Steuern, Gebühren, etc. Er kam ganz entgegen seiner früheren | |
| 142 | Auffassung, die er in "Grundriss des Abgabenrechts: Steuern, Gebühren, | |
| 143 | Beiträge, EG- und Sonderabgaben" 1989 erstmalig niedergelegt hatte und | |
| 144 | welches als Standardwerk gilt, zu dem Schluss, dass Abgaben in Form von | |
| 145 | Beiträgen auf TV+Radio durchaus möglich seien. | |
| 146 | ||
| 147 | Es offenbart sich hierbei das Wunder der Wandlung vom Verfassungsrichter | |
| 148 | zu einem Lobbyisten, der meiner Auffassung nach mit viel kunstvoller Rechts- | |
| 149 | schwurblerei nun genau das Gegenteil von dem verbreitet hat, was er einst | |
| 150 | vertreten hatte. Auftragsgutachten... -- ein Schelm, der Böses dabei denkt. | |
| 151 | ||
| 152 | 3. Bezahlmodell des 15. Rundfunkstaatsvertrages | |
| 153 | ================================================ | |
| 154 | ||
| 155 | Im Nachfolgenden möchte ich genau die Frage prüfen, welches Bezahlmodell | |
| 156 | überhaupt rechtmäßig im Sinne des Grundgesetzes bzw Verwaltungsrechtes | |
| 157 | ist und die einzelnen Abgaben ein wenig beleuchten. | |
| 158 | ||
| 159 | *Abgaben* ist der Sammelbegriff für alle Geldleistungen, die aufgrund | |
| 160 | hoheitlicher Befugnisse erhoben werden. In einzelnen sind das im | |
| 161 | wesentlichen: | |
| 162 | ||
| 163 | + Steuern (ggf Zwecksteuern) | |
| 164 | + Gebühren | |
| 165 | + Beiträge. | |
| 166 | + Sonderabgaben (hier nicht weiter ausgeführt) | |
| 167 | ||
| 168 | 3.1 Steuern | |
| 169 | ~~~~~~~~~~~ | |
| 170 | *Steuern* sind allgemeine Geldleistungen an ein öffentlich-rechtliches | |
| 171 | Gemeinwesen und dienen schlicht zur Erzielung von Einnahmen oder der | |
| 172 | Steuerung von politischen Entscheidungen (z.B. Zoll, Tabaksteuer, | |
| 173 | Luxussteuer etc.), ohne dass hierfür konkrete oder allgemeine | |
| 174 | Gegenleistungen dieses Gemeinwesens erforderlich sind. Es gilt hierbei | |
| 175 | prinzipiell der Grundsatz der Steuergerechtigkeit. Die Steuer ist | |
| 176 | gleichsam als Spende für das Allgemeinwohl zu zahlen. Eine Zweckbindung | |
| 177 | dieser Steuern ist grundsätzlich (obgleich diese Instrument immer mehr | |
| 178 | zur Anwendung kommt) verboten. Es spielt hierbei keine(!) Rolle, ob der | |
| 179 | Steuerpflichtige die mit den Steuern finanzierten Leistungen in Anspruch | |
| 180 | nehmen mag oder nicht. | |
| 181 | Zur Finanzierung der ÖR sind Steuern wegen der gebotenen Staatsferne | |
| 182 | jedoch nicht erlaubt. | |
| 183 | ||
| 184 | 3.2 Gebühren | |
| 185 | ~~~~~~~~~~~~~~ | |
| 186 | *Gebühren* sind Zahlungen für besondere Leistungen einer öffentlichen | |
| 187 | Körperschaft oder für die (freiwillige oder erzwungene) Inanspruchnahme | |
| 188 | von öffentlichen Einrichtungen, z.B. Verwaltungsgebühren (z.B | |
| 189 | Passgebühren, Gewerbeanmeldung etc) oder derzeit noch die | |
| 190 | Rundfunkgebühren. | |
| 191 | Für Gebühren gilt das individuelle(!) Kostendeckungsprinzip. Gebühren | |
| 192 | sind weiterhin an einen bestimmten Zweck gebunden. Zur Erhebung von | |
| 193 | Gebühren ist eine tatsächliche Inanspruchnahme des Gebührenzahlers | |
| 194 | notwendig. Bezüglich den Rundfunkgebühren heißt das derzeit noch: | |
| 195 | _Ohne_ Rundfunkgerät darf auch _keine_ Gebührenpflicht erfolgen! | |
| 196 | ||
| 197 | ||
| 198 | 3.3 Beiträge | |
| 199 | ~~~~~~~~~~~ | |
| 200 | *Beiträge* sind Zahlungen für die Inanspruchnahme einer konkreten(!) | |
| 201 | Leistung einer öffentlichen Körperschaft, z.B. Straßenanliegerbeiträge. | |
| 202 | Für Beiträge gilt das *gruppenmäßige* Kostendeckungsprinzip und sie | |
| 203 | sind ebenfalls wie die Gebühren an einen Zweck gebunden. Bei Beiträgen | |
| 204 | ist nur die *Möglichkeit* einer Nutzung erforderlich. Bezogen auf den | |
| 205 | dem 15. Rundfunkstaatsvertrag zur allgemeinen Zahlungspflicht bezüglich | |
| 206 | Rundfunkgebühren hieße das: Jeder muss zahlen, auch wenn er gar kein | |
| 207 | Gerät zum Rundfunk- oder Fernsehempfang vorhält! Man könnte nun jubeln | |
| 208 | und glücklich sein, da wir nun "Gebühren" nun einfach als "Beiträge" zu | |
| 209 | titulieren bräuchten. Ob das so ist, siehe unten Punkt 3.4 | |
| 210 | ||
| 211 | BTW, Sozialversicherungsbeiträge zählen, auch wenn sie so heißen, nicht | |
| 212 | zu den Beiträgen, da es hier nicht um einen Ausgleich des | |
| 213 | _individuellen_ Vorteils auf der einen Seite und Lasten auf der anderen | |
| 214 | Seite geht, sondern um den Risikoausgleich bzw die Fürsorge. Es gilt | |
| 215 | hierbei das Umverteilungsprinzip | |
| 216 | ||
| 217 | Ebenso zählen Zwangsmitgliedschaften z.B. bei Handwerkskammer oder IHK | |
| 218 | ebenfalls nicht zu den Beiträgen im Sinne des o.a. dargestellten | |
| 219 | Vorteils- und Lastensystems. | |
| 220 | ||
| 221 | ||
| 222 | 3.4 Bewertung | |
| 223 | ~~~~~~~~~~~~~~ | |
| 224 | ||
| 225 | Die Frage, die sich nun ergibt, ist, ob es sich bei dem zukünftigen Beitrag | |
| 226 | tatsächlich um einen Beitrag oder aber um eine verdeckte Zwecksteuer handelt. | |
| 227 | ||
| 228 | Die künftige Rundfunkabgabe ist zwar insofern keine Steuer, da die Zahlung | |
| 229 | /zweckgebunden/ ist (wir erinnern uns: Punkt 3.1), aber es könnte sich um | |
| 230 | eine verdeckte Zwecksteuer handeln, deren haushälterische Verwendung, wie | |
| 231 | der Name schon sagt, lediglich an einen bestimmten Zweck gebunden ist. | |
| 232 | ||
| 233 | Zwecksteuer und Beitrag unterscheiden sich im Wesentlichen in der Größe | |
| 234 | der Grundgesamtheiten. Ein Beitrag kann immer dann erhoben werden, wenn | |
| 235 | dieser auf Personen beschränkt ist, die durch die Erlangung einer Leistung | |
| 236 | - | einen individualisierbaren, jedoch typisierten Nutzen oder Vorteil daraus |
| 236 | + | einen individualisierbaren(!), jedoch typisierten(!) Nutzen oder Vorteil daraus |
| 237 | ziehen. | |
| 238 | - | Aber wie in 3.2. angeführt, gilt hier das /gruppenmäßige/ Kostendeckungsprinzip. |
| 238 | + | Aber wie in 3.2. angeführt, gilt hier das /gruppenmäßige(!)/ Kostendeckungsprinzip. |
| 239 | Da im Falle der Rundfunkabgabe das gesamte Staatsvolk betroffen ist, kann | |
| 240 | hier von einem gruppenmäßigen Kostendeckungsprinzip keine Rede mehr sein! | |
| 241 | ||
| 242 | In dem Augenblick, in welchem die Finanzierung des ÖR auf allen | |
| 243 | Schultern ruht und vollkommen unabhängig davon ist, ob der Bürger ein | |
| 244 | solches Gerät hat oder nicht hat, ob dieser den Vorteil des ÖR nutzen | |
| 245 | möchte oder nicht, so, wie es der 15. Rundfunkstaatsvertrag vorsieht, | |
| 246 | kann man davon ausgehen, dass sich der individuelle Vorteil und somit sich | |
| 247 | das Gruppenprinzip sozusagen in der Allgemeinheit verliert. (so Kirchhoffs | |
| 248 | damalige Argumentation) | |
| 249 | ||
| 250 | Genau dann aber wird es kritisch, weil hier nun eine Steuerfinanzierung | |
| 251 | des ÖR zum Tragen kommen müsste und aus staatsrechtlicher Sicht überhaupt | |
| 252 | /kein Beitrag/ erhoben werden dürfte! | |
| 253 | ||
| 254 | Zum anderen dürfen individuelle Einkommensverhältnisse prinzipiell keine | |
| 255 | Rolle bei der Höhe eines Beitrages spielen. Im Gesetz ist aber genau dieses | |
| 256 | der Fall. Hier gibt es eine Vielzahl von Ausnahmebeständen, die zu einer | |
| 257 | geringeren Abgabepflicht oder gar Befreiung führen. | |
| 258 | ||
| 259 | Das heißt im Gegenschluss, dass dann nicht etwa die Abgabe bei den | |
| 260 | Einkommenstärkeren erhöht werden darf, sondern im Gegenteil, der Staat | |
| 261 | hier zum Lastenausgleich einspringen müsste. Und wie es weitergeht, | |
| 262 | wissen wir ja bereits, ich sag nur "Staatsferne" und öffentlicher | |
| 263 | Rundfunk... Aus diesem Grund kann auch keine Zwecksteuer das Problem lösen. | |
| 264 | ||
| 265 | Im weiteren halte ich den 15. Rundfunkstaatsvertag auch deswegen für | |
| 266 | rechtswidrig, da der Beitrag z.B. im gewerblichen Bereich nicht | |
| 267 | nur nach Anzahl der Mitarbeiter bemessen ist, sondern auch noch | |
| 268 | zusätzlich für jedes KFZ ein Beitrag zu leisten ist. Somit zahlt das | |
| 269 | Unternehmen zweifach, es wird also mehrfach abgeschöpft. Auch spielt es | |
| 270 | im Gesetzentwurf keine Rolle, ob das KFZ überhaupt mit einem | |
| 271 | Rundfunkgerät ausgestattet ist. Hier wird das KFZ per se gleichsam zum | |
| 272 | Rundfunkgerät erklärt und schon der Besitz führt zur Rundfunkgebühr im | |
| 273 | gewerblichen Bereich. Hier ist auch ganz klar eine zusätzliche | |
| 274 | Ungleichbehandlung zwischen Gewerbe und Privat zu sehen! | |
| 275 | ||
| 276 | Auch schützt die Finanzverfassung den Bürger - zumindest sollte sie das, | |
| 277 | obgleich diese immer mehr durch erfindungsreiche Beitrags- und | |
| 278 | Abgabeordnungen ausgehöhlt wird, noch auf andere Weise: | |
| 279 | ||
| 280 | Z.B darf nach Art 106, Abs 3,Satz 4, Nr 2 GG keine Überbelastung des | |
| 281 | Steuerpflichtigen erfolgen. Umso mehr müssen nichtsteuerliche Abgaben | |
| 282 | der Belastungsgleichheit genügen und sie bedürfen eines _besonderen_ | |
| 283 | Rechtfertigungsgrundes, denn an sich hat der Steuerzahler ja schon | |
| 284 | seine Pflicht und Schuldigkeit getan, indem er seine Steuern bezahlt hat. | |
| 285 | ||
| 286 | Auf die zukünftige Rundfunkabgabe bezogen hieße das, dass der Gesetzgeber | |
| 287 | klar sagen muss, welche Kosten für den ÖR einbezogen werden und welche | |
| 288 | Vorteile der Beitragszahler zu erwarten hat. Weiterhin hat er klar zu | |
| 289 | definieren, aus welchem Grund solch eine Abgabe erfolgt und wo die Grenze | |
| 290 | dieser Abgaben liegt. | |
| 291 | ||
| 292 | Tatsächlich wird ab 2013 jeder Bürger zunächst einmal Schuldner und muss | |
| 293 | aufwändig dem "ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice" (vormals GEZ) | |
| 294 | - | nachweisen, dass er nicht einer Abgabe unterliegt. Die Beweislast wird also umgedreht! |
| 294 | + | nachweisen, dass er nicht einer Abgabe unterliegt. Die Beweislast wird also |
| 295 | umgedreht! | |
| 296 | ||
| 297 | - | werden! 2013/2014 soll ein Abgleich mit allen Melderegistern erfolgen, was ich aus datenschutzrechtlicher Hinsicht für einen untragbaren Umstand halte. |
| 297 | + | |
| 298 | werden! 2013/2014 soll ein Abgleich mit allen Melderegistern erfolgen, was ich | |
| 299 | aus datenschutzrechtlicher Hinsicht für einen untragbaren Umstand halte. | |
| 300 | ||
| 301 | 4. Zusammenfassung | |
| 302 | ===================== | |
| 303 | ||
| 304 | 1. Wegen der festgeschriebenen Staatsferne darf für den öffentlich- | |
| 305 | rechtlichen Rundfunk keine Steuer erhoben werden. | |
| 306 | ||
| 307 | 2, Ebenso ist, wie oben dargestellt, ein Beitrag unzulässig -- auch wenn | |
| 308 | dieser bezüglich der Finanzierung der ÖR gerne als Infrastruktur- | |
| 309 | abgabe tituliert wird! | |
| 310 | ||
| 311 | 3. Tatsächlich bliebe dann nur die Gebühr übrig, für die jedoch o.a. | |
| 312 | Kriterien gelten, womit eine allgemeine Zahlpflicht für alle, die | |
| 313 | unabhängig vom Besitz eines rundfunktauglichen Gerätes ist, | |
| 314 | ausgeschlossen ist! | |
| 315 | ||
| 316 | 4. Ein besondere Belastungsgrund ist nicht gegeben. Die Kriterien | |
| 317 | hierfür wurden nicht einmal annähernd im Rundfunkstaatsvertrag | |
| 318 | festgelegt. | |
| 319 | ||
| 320 | Egal, wie man es dreht und wendet, gleich ob Steuer, Gebühr oder | |
| 321 | Beitrag, so ist eine solche Zahllast in Form von Abgaben ohne | |
| 322 | Berücksichtigung, ob der Bürger ein Rundfunkgerät besitzt oder nicht, | |
| 323 | schlicht unzulässig! | |
| 324 | ||
| 325 | Ich empfehle daher, möglichst eine Popularklage zu erheben, wie es z.B. | |
| 326 | in Bayern möglich ist. | |
| 327 | ||
| 328 | Fussnoten: | |
| 329 | ========== | |
| 330 | ||
| 331 | [1]<http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rk20120822_1bvr019911.html> | |
| 332 | [2] <http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv090060.html>, s.u. "Gründe" | |
| 333 | [3]<http://www.ard.de/intern/standpunkte/-/id=1454042/property=download/nid=8236/5envxa/Gutachten+zur+Rundfunkfinanzierung.pdf> Kirchhoff Gutachten (ggf Link zusammensetzen) |