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In den Bergen organisierte sich der Widerstand

Feb 17th, 2013
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  1. Samstag, 09.02.2013
  2. In den Bergen organisierte sich der Widerstand
  3. Arno Straube ging für seine Ideen ins Zuchthaus – sein Leben endete 30-jährig in der Bombennacht des 13. Februar 1945
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  5. Von Monika Dänhardtund Heinz Steinmann
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  7. In Dresden gab es 45 Jahre lang, bis 1991, eine Arno-Straube-Straße. Wer war dieser Mann? Einer der Tausenden, die die Nacht vom 13. zum 14. Februar nicht überlebten. Arno Straube war gerade mal 30 Jahre, als er im Flammenmeer umkam. Doch dieses Schicksal war es nicht, das die Mitglieder des Rates der Stadt Dresden 1946 veranlasste, eine Straße nach ihm zu benennen. Der Beschluss wurde damals einstimmig gefasst. Viele Dresdner Bergsteiger können nicht verstehen, dass es die Arno-Straube-Straße heute nicht mehr gibt. Denn Arno Straube war einer von ihnen. Die ehemalige Villerstraße wurde nach Arno Straube benannt, um „stellvertretend an den jahrelangen Widerstand der organisierten Dresdner Bergsteiger im Sächsischen Bergsteigerbund“ zu erinnern.
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  9. Arno Straube war 18 Jahre, sportlich und verliebt in die Berge, als er Mitglied im Kletterklub „Bärensteiner 1910“ wurde. Ein Klub, der schon manchem jungen Bergsteiger zur Heimat geworden war. So schrieb beispielsweise Hans Arnold über den Kletterklub: „Inzwischen fand ich Anschluß an den Kletterklub ,Bärensteiner 1910’ – mit seinen aktiven Kletterern. … Durch die regelmäßigen Touren der ,Bärensteiner’ lernte ich viele bekannte Kletterer kennen, deren Schilderungen ich immer interessiert verfolgte und davon auch vieles bis heute gut in Erinnerung behalten habe.“ Auch wenn es von Arno Straube solche Aufzeichnungen nicht gibt, er starb zu jung, werden seine Erfahrungen ähnlich gewesen sein.
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  11. Bei den Klubmitgliedern fand der junge Arno Staube aber auch viele, die in Sachen Politik eine ähnliche Haltung vertraten wie er. Sie engagierten sich politisch, um der sich immer mehr verbreitenden Ideologie des Nationalsozialismus etwas entgegenzusetzen. Schon mit 15 Jahren war Arno Straube Mitglied in der Roten Hilfe geworden, mit 16 im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD). Der KJVD war eine revolutionäre Jugendorganisation. Er unterstützte die Aktionen der Kommunistischen Partei Deutschlands. Die ideologischen Eckpfeiler des KJVD waren der Marxismus und der proletarische Internationalismus. 1933 wurde der KJVD von den Nationalsozialisten verboten, viele Mitglieder verhaftet. Auch Arno Straube. Zunächst kam er in das Untersuchungsgefängnis Zwickau. Im Mai 1934 verhängte ein Sondergericht in Freiberg Urteile gegen 69 Widerstandskämpfer. Zu den Verurteilten zählte der inzwischen 19-jährige Arno Straube. Er musste für zwei Jahre ins Zuchthaus und kam nach Waldheim. Nach der Entlassung blieb für ihn die Auflage, sich täglich auf dem Polizeirevier melden zu müssen.
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  13. Bücherrettung in Schmilka
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  15. Trotzdem blieb Arno Straube seinen Idealen treu. Da er wusste, dass viele Bergsteiger sich trotz der Gefahren auch weiterhin gegen die Nazi-Herrschaft engagierten, schloss er sich wieder einem Kletterklub an. Diesmal dem neu gegründeten Klub „Bergtreue 34“. Bei Klettertouren war man unter sich, konnte sich austauschen und Maßnahmen besprechen. Doch bei den Touren konnte man auch für kurze Zeit vergessen, welche Zeiten herrschten. Arno Straube war jung, viele seiner Kameraden auch. Sie wollten auch leben und Spaß haben. In dieser Zeit trug sich Arno Straube in die Gipfelbücher vom Falkenstein, Bloßstock und der Fluchtwand ein. Und er lernt eine junge Frau, Anneliese Zeidler, kennen. Sie war die Witwe des an der Ostfront gefallenen Bergsteigers Rolf Zeidler. Bald klettern beide gemeinsam. Karten belegen, dass sich eine Freundschaft, vielleicht auch mehr, entwickelt hat: „Ich warte morgen auf Dich. Ebenso am Mittwoch.“
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  17. Viele seiner Bergfreunde waren schon seit 1942 zum Kriegsdienst eingezogen. Der ehemalige Zuchthäusler Arno Straube blieb davon verschont, denn eingezogen zu werden galt als „Ehre“. So konnte er nach besten Kräften die Arbeit des Sächsischen Bergsteigerbundes (SBB) unterstützen, wurde Zeugwart. Da die Monatsschrift „Der sächsische Bergsteiger“ schon 1942 eingestellt worden war, wurde über Feldpostbriefe der Kontakt zu den Bergsteigerkameraden an der Front gehalten. In einem erzählt Arno Straube, wie wertvolle Bücher, die im Besitz des SBB waren, in Sicherheit gebracht wurden, als nicht nur Arno Straube auch für Dresden „mit einem Luftangriff täglich rechnen“ musste. „Durch Vermittlung von Fritz Petzold stellte uns der Bürgermeister von Schmilka einen großen Raum zur Verfügung. … Wir hatten beschlossen, die gepackten Kisten mit dem Dampfer zu verschicken. Die Dampferanlegestelle in Schmilka wurde zu dieser Zeit nicht mehr bedient, so daß die Kisten in Herrnskretschen auf einen kleinen Kahn umgeladen wurden und von dort nach Schmilka gelangten. Mit einem geborgten Leiterwagen schoben wir die Last den steilen Berg in Schmilka hinauf und brachten sie in Sicherheit.“
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  19. Im Dezember 1944 ging Arno Straube noch einmal mit Bergkameraden auf Klubfahrt nach Kipsdorf. Dort wurde die Losung „Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten!“ ausgegeben. Am 13. Februar 1945 ging er auch wieder zur obligatorischen Sitzung des Sächsischen Bergsteigerbundes. Aus welchen Gründen auch immer, ausgerechnet an diesem Tag verließ er das Zusammentreffen eher, um in seine Wohnung zu gehen. Doch dort kam er nicht an. Anneliese Zeidler suchte ihn am nächsten Tag vergeblich. Die Bombennacht hat ihn verschluckt. Mit dem Tod von Arno Straube starb das Klubleben der „Bergtreue 34“.
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  21. Am 18. Oktober 1991 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, in der Inneren Neustadt die Arno-Straube-Straße in Erich-Ponto-Straße umzubenennen.
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