Guest User

Untitled

a guest
Jun 3rd, 2021
214
0
Never
Not a member of Pastebin yet? Sign Up, it unlocks many cool features!
text 3.62 KB | None | 0 0
  1. Timo Staffeldt: Als der Spaßvogel beim KSC nur noch weinte
  2. Timo Staffeldt stand beim Karlsruher SC für gute Laune. Nicht immer war dem Mittelfeldspieler zum Lachen zumute. Nach seinem letzten Spiel verbarrikadierte er sich bis in die frühen Morgenstunden.
  3.  
  4. „Im Rückspiel hau‘ ich ihn um. Oder, Timo?“ Timo Staffeldt überhörte seinen Mitspieler Sebastian Schiek, schaute stur geradeaus, redete weiter.
  5.  
  6. Staffeldt, der Mittelfeldspieler des Karlsruher SC, war hinter der Werbewand im alten Jahn-Stadion an jenem 11. Mai 2012 gerade darum bemüht, den Journalisten das 1:1 im Relegations-Hinspiel in Regensburg als gar nicht so üble Ausgangslage zu verkaufen.
  7.  
  8. Der wütende Rechtsverteidiger Schiek tat sich schwer, den von Stefan Binder mit einer Schwalbe gegen ihn ergaunerten Foulelfmeter zum zwischenzeitlichen 1:0 zu verwinden. „Ich hau’ ihn um, oder?“, beharrte er, worauf Staffeldt ein trockenes „Das machst`“ zwischen seine Interview-Antworten nuschelte.
  9.  
  10. KSC Mannschaft verbarrikadierte sich in den Kabinen
  11.  
  12. Staffeldt sagt heute, dass er die Relegation „bis auf den Tod“ hasse, sie sei reine „Geldmacherei“. Das Rückspiel drei Tage später im Wildparkstadion brannte sich als finsteres Kapitel in die KSC-Geschichte ein. Nach dem 2:2 stieg der KSC in die Dritte Liga ab.
  13.  
  14. Die nächtlichen Fan-Randale hinter der Haupttribüne eskalierten, die KSC-Mannschaft verbarrikadierte sich in den Katakomben. „Es tat weh. Ich blieb bis halb fünf am Morgen mit Pascal Groß und Alexander Iashvili in der Kabine. Wir haben uns aus Frust die Köpfe zugehauen“, erzählt Staffeldt.
  15.  
  16. Staffeldt hatte gefeiert und das Training verpennt
  17.  
  18. Ausgerechnet Staffeldt, der zuverlässige Spaßvogel, ging tieftraurig, mit Tränen, ohne Verabschiedung. „Jungs, ich komme gleich“, hatte er Journalisten in den Bundesliga-Tagen im Vorbeigehen oft zugerufen. Weil er kaum spielte, war er auch kaum gefragt.
  19.  
  20. War er es doch, sagte er Sachen, die nicht alle gut fanden. Staffeldt: „Wenn die Kamera angeht, ist es immer die gleiche Leier, was Spieler von sich geben. Wenn es mal anders läuft, gibt es eine Strafe vom DFB oder vom Verein. Das habe ich lernen müssen. Freie Meinungsäußerung ist in der Bundesliga nicht so erwünscht.“
  21.  
  22. Am Anfang seiner Profilaufbahn war Staffeldt Pendler. So verspätete er sich ab und an zum Training. Dann war die B36 zu, und er - mal wieder - „spitz auf Knopf in Ketsch losgefahren“. Einmal, am 23. Januar 2005, kam er gar nicht.
  23.  
  24. „Nach meinem ersten Bundesligaspiel in Burghausen war ich in Heidelberg im Ziegler ausgiebig feiern. Blöd war, dass ich das Training verpennte, weil ich bei einem Kumpel übernachtet hatte. Gegen elf wachte ich auf, hatte 20 Nachrichten meiner Mutter auf dem Handy, Anrufe vom Trainer Becker und Manager Rolf Dohmen. Ich musste eine Strafe zahlen. Wenn ich danach mal nur fünf Minuten zu spät war, hieß es immer: ‚Der Timo war feiern.‘“
  25.  
  26. Beckers Zurechtweisung wirkt nach
  27.  
  28. Becker ließ im Training gerne „Alt gegen Jung“ spielen. „Die älteren Herrschaften durften gegen uns Jüngere immer zulangen, sprich: Es wurde ihnen von Becker nicht abgepfiffen“, erzählt Staffeldt.
  29.  
  30. Einmal sei ihm der Kragen geplatzt: „War das jetzt auch kein Foul oder was?“ Becker habe ihn daraufhin vor der Mannschaft heruntergeputzt: „Staffeldt, ich bin nicht dein Schulkamerad.“
  31.  
  32. Es ist die Geschichte zum Running Gag, den Staffeldt, Martin Stoll, Florian Dick und Sebastian Freis, vier Junge von damals, in ihrer Whatsapp-Gruppe bis heute pflegen. Irgendeiner foppt den anderen dann mit der Zurechtweisung, nicht dessen Schulkamerad zu sein. Rückspiel auch da: inklusive.
Add Comment
Please, Sign In to add comment