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Drachenlord IV

a guest Jul 21st, 2016 2,948 Never
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  1. Link zum ersten Teil: http://pastebin.com/YdU1QJXt
  2. Link zum zweiten Teil: http://pastebin.com/WBjf8m5i
  3. Link zum dritten Teil: http://pastebin.com/a6r7BbHW
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  5. Als Narzisst hat Reiner ein sehr instabiles Selbstbild, das ständig von außen gestützt werden muss. Er braucht andere Menschen, die ihm sagen, dass er toll ist. Er interessiert sich also sehr für die Funktion, die andere Menschen für ihn haben, nicht so sehr für die Menschen als vollständige Persönlichkeiten.
  6. Außerdem trifft es ihn nach wie vor sehr arg, wenn andere Menschen ihm sagen, dass er scheiße ist. Nach all den Jahren ist er verlässlich durch Feld-, Wald- und Wiesenhäid zu triggern, nach all den Jahren kann er dieses Grundrauschen an Abneigung nach wie vor nicht ignorieren, sondern bettelt weiterhin darum, ihn doch endlich, endlich zu verschonen.
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  8. Instabil ist das Selbstbild, weil es sich ständig sowohl Überschätzung als auch  Selbsthass gefallen lassen muss. Wird es gelobt, steigert es sich zum Supermann. Bleibt das erwartete Lob aus, dann deshalb, weil es nicht verdient wurde. Und das ist eine Schande, für die man sich schämen muss und Strafe verdient.
  9. Deshalb ist Reiner so ein Quallemann: Die ständige Fresserei passt auf mehrere Arten zu seinem instabilen Selbstbild. Diese sind in keiner besonderen Reihenfolge:
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  11. - Fressi als Liebesersatz. Wenn Reiner frisst, schüttet sein Körper Glückshormone aus und er fühlt sich gut. Das ist der Teufelskreis, in dem fast alle Fettsäcke stecken: Weil sie selbst und andere sich hässlich finden, fressen sie, um sich zu trösten und werden noch fetter und fressen, um sich zu trösten und…
  12. - Fettsein als Strafe: Wenn ein Fettsack deswegen gehänselt wird, dass er ein Fettsack ist, lernt er seine Wanstigkeit als negative Eigenschaft kennen. Hat er darüber hinaus ein geringes Selbstwertgefühl, kann er den Speck nutzen, um sich selbst dafür zu bestrafen, dass er so ein Fettsack ist.
  13. - Fettsein als Zeichen der Instabilität: Der fette Leib wird zusehends konturloser. Was einmal ein erkennbarer Menschenkörper war, verzerrt sich, verliert seine Definitionen (was ist Hals, was ist Kinn?). Wer wie Reiner ‘aus dem Leim geht‘, tut das auch im übertragenen Sinne: Das Ich, das Selbst, verlieren ihre klaren Grenzen, gehen auseinander.
  14. - Fettsein als Größenwahn: Wer in der ständigen Angst lebt, übersehen, ignoriert, missachtet zu werden, wünscht sich natürlich eine stattliche Erscheinung. Reiner wäre gern Einssechsenneunzig. Die Gewichtszunahme registrierte er als positiven Selbstzuwachs und dachte, er würde stattlicher. Stattdessen wurde er ein Quallemann.
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  16. Zu diesem widersprüchlichen Bild passt auch Reiners Meisterstück, das einzige Format, das ihm je Anerkennungserfolg brachte, so stümperhaft es auch ausgeführt wurde. Welche Arbeit, welchen Aufwand Reiner in die Fidios investiert haben muss, lässt sich nur ahnen, aber gewiss bleibt: Da steckt so richtig ernsthaft was von ihm selbst drin, und zwar eine tüchtige Portion.
  17. Die Rede ist natürlich von “vier Drachen und der Meddl“. Thematisch bleibt Reiner dabei völlig bei seinem Leib- und Magenthema: Reiner. Die Ausführung dieses Themas aber lässt Rückschlüsse auf sein Innenleben zu.
  18. Reiner zerlegt sich in mehrere Versionen von sich. Einerseits wird das Selbst dadurch vermehrt, größer gemacht, kann noch mehr Anerkennung einheimsen und Lob genießen, kann noch penetranter und geltungssüchtiger auftreten. Mehrere Reiners sind einfach so was wie ein Reiner mit Reinerbooster: noch lauter, noch nerviger, noch schlechter zu ignorieren.
  19. Gleichzeitig ist die Zerlegung des Ichs wieder ein Ausdruck für die Instabilität: Das Selbst fällt ja tatsächlich auseinander und die Trümmer suchen danach eine Heimat, einen Halt (“wo du immer bist“), ein bisschen Frieden. Kriegen sie natürlich nicht, denn sie kommen ja nicht miteinander aus: Schon gibt es Streit um diese Heimat, schon vergessen sie die Namen der anderen (absichtliche Browokadsjon!) – die Reiners hassen die Reiners. Und schließlich der Wunschtraum des Narzissten: Der Teil des Selbst, der keine Anerkennung verdient hat, der gescheitert ist, für den man sich schämt – bomm, den sprengt man einfach in die Luft und er verschwindet, ohne auch nur einen Fettfleck zu hinterlassen.
  20. “Vier Drachen“ ist Reiners bestes Format und das einzige Material, das er je ins Netz gerotzt hat, das keine direkt abgestümperte Reinerversion irgendeines anderen Formats ist. Es ist die einzige originelle Idee, die Reiner in seinem ganzen Leben je hatte.
  21. Andere tanzen im Internet – also macht Reiner das auch. Andere veröffentlichen Leddsbläis, also macht Reiner das auch. Andere machen Riwjus von Meddlzedehs, also macht Reiner das auch. Auch seine Vorstellung von notwendiger Ausrüstung, die gestalterische Durchführung von Videos, das nervig aufgesetzt gutgelaunte Herumhampeln vor der Kamera, das Fratzenschneiden bis zum Xichtskrampf– es ist alles, alles abgekupfert.
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  23. Reiners Internetkarriere beginnt mit einem gewaltigen Anerkennungsvorschuss. Reiner liebt das Internet. Er hat es nicht nur sexualisiert (siehe Teil III), seine Wichsmarathons haben auch dazu geführt, dass er sich darauf konditioniert hat, das Internet als Ort der Treibabfuhr und des Lustgewinns zu verstehen.
  24. Von Anfang an gönnt Reiner sich keine Hemmungen. Schließlich ist das Internet der Ort zur Triebabfuhr und er ist es gewöhnt, mit dem Pimmel in der Hand davor zu hocken. Also sieht er auch nicht ein, warum anderen Trieben im Internet besser die Zügel angelegt gehörten, schließlich fühlt er sich hier pudelwohl. Also kann er nach Herzenslust abmeddln, herumbrüllen, schnaufen, schwitzen, rülpsen und die Luft zum Stinken bringen. Alles ganz wie zu Hause, denn dort ist er ja gleichzeitig.
  25. Reiner hat das Internet nie beruflich genutzt, er war immer gleichzeitig online und in der Schanze. Dieselbe Destabilisierung wie bei seinem Ich lässt sich bei seinem Zuhaus konstatieren: Gleichzeitig völlig isoliert und den Blicken der Öffentlichkeit ausgesetzt. Zu allem Überfluss muss er sich dann von dem langhaarigen Schielböckchen noch eine Roomtour aufschwatzen lassen, so dass sein Publikum auch noch in den letzten Winkel der Schanze kriechen kann.
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  27. Zu Beginn seiner Youtube-Laufbahn bemerkt Reiner zu seiner immensen Zufriedenheit, dass alle Zahlen, die mit seiner neuen Existenz zu tun haben, kontinuierlich zunehmen: mehr Abos, mehr Views, mehr Interesse der Öffentlichkeit. Dieses Interesse ist Aufmerksamkeit, ist Anerkennung, ist die Bestätigung, die das instabile Selbst braucht, um sich gut zu fühlen. Jeder, der ihn abonniert, liebt ihn und die Abos steigen ins Unermessliche. Zumindest für Reiner, weil sein Spatzenhirn den Aussagewert von Zahlen absolut nicht einschätzen kann. Längen- und Gewichtseinheiten sind ihm Bücher mit sieben Siegeln – nicht, dass es sieben Siegel bräuchte, den Inhalt von Büchern für Reiner unzugänglich zu machen – und was die Abozahlen tatsächlich bedeuten, ahnt er ebensowenig wie er den Namen des Kultusministers kennt.  
  28. Bald geht er davon aus, dass seine Reichweite groß genug ist, um jede beliebige Person zu erreichen. Wenn er also eine wichtige Ansage an irgendeinen Untertanen vornehmen will, macht er das einfach per Video, weil er davon ausgeht, dass der betreffende Untertan diese Nachricht sofort erhalten wird. Dass er sein Publikum nicht kontrollieren kann, hat Reiner bis heute nicht kapiert.
  29. Weiterhin macht er sturheil alles so wie seine Vorbilder. Er benutzt dieselbe Kamera, hat Saftboxen aufgestellt und eine grüne Tischdecke an eine Wand gepinnt, das muss doch reichen! Den qualitativen Unterschied zwischen den Profivideos und dem Kinderscheiß, den er in Netz rotzt, bemerkt er nicht. Er bemerkt nur, wie schwer es ihm fällt, Videos zu produzieren, wie lang er dazu braucht. Also will er nach altem Brauch besonders kräftig für seinen harten Einsatz gelobt werden.
  30. Und weil seine Vorbilder nach fuffzich oder hundert Videos eine Zuschauerschaft angehäuft haben, die sich nicht nur für den Inhalt der Videos interessiert, sondern auch für deren Hersteller, und deshalb Fragmichwas- oder GuckmalmeinLeben-Videos aufnehmen, macht Reiner das auch. Er überspringt einfach die Phase, in der sich eine Zuschauerschaft ansammeln sollte.
  31. Schließlich hat er ja Abonennten und Viewss n Höhen, die er nicht mehr fehlerfrei addieren kann. Dass das nur daran liegt, dass er im Kopf nur „eins, zwei, viele“ zählten kann, geht ihm natürlich nicht auf.
  32. Was ihm an Abneigung aus dem Internet entgegenschlägt, kann er bisher wegdenken. Die Häider sind nur eine kleine, aber laute Minderheit, es gibt viel mehr „Drachis“, die ihn toll finden und die jedes Wort glauben, dass ihm aus dem schiefen Maul fällt. Wenn er sich an die Häider wendet, dann mit der Absicht zu verhandeln. Reiner feilscht in dieser Phase um die wichtige Anerkennung wie ein Teppichhändler: die Häider haben was Wichtiges übersehen, er ist doch eigentlich super, das wollen die nur nicht kapieren, also erklärt ers uns nochmal.
  33. Gleichzeitg stellt er sich im Internet immer stärker dar und behauptet natürlich, das Gegenteil sei der Fall. Ist etzadla alles nur Show, Leude! Genauso behauptet er, die Meinung anderer völlig uninteressant zu finden und sich einen Dreck darum zu kümmern, ob andere ihn toll finden. Genauso behauptet er, nicht geweint zu haben und schickt als Beweis eine Liveaufnahme seiner rotgeweinten Schweinsäuglein raus. Von jetzt an ist eigentlich fast immer und fast ausnahmslos das genaue Gegenteil von dem, was Reiner behauptet, die Wahrheit.
  34. Das bemerkt ein junger Schwabe mit viel Tagesfreizeit und kann ein Liedchen dazu singen. Und Reiner hörts und bricht umgehend alle Verhandlungen ab.
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