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Drachenlord I

a guest Jul 18th, 2016 5,888 Never
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  1. Was ist denn bloß mit Reiner los?
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  3. Zunächst: Behindert ist er nicht. Mit den Genen ist alles soweit in Ordnung, sieht man mal von den Kauleisten ab, die so gut aufeinanderpassen wie Pizza und Nutella. Dafür hat Reiner mit den Haaren Glück, denn er hat sowohl dichtes und volles Haupt- als auch Körperhaar. Da müssen die meisten Männer sich entscheiden, er nicht. Aber in Sachen Pensi ist dann wieder Schmalhans der Küchenmeister.
  4. Insgesamt aber ein Paket, das schlimmer hätte ausfallen können. Man stelle sich unsere Fettsau mit großen, abstehenden Ohren vor.  
  5.  
  6. An den Genen liegt es nicht. Hätte man Reiner nach der Geburt vertauscht und in einem bürgerlichen Haushalt aufwachsen lassen, gäbe es den Drachenlord heute nicht.
  7. Aber Reiner durfte nicht in bürgerlichen Verhältnissen aufwachsen, sondern musste seine formativen Jahre im Alptraumhaus Asbach (ASB8) verbringen: Ein im Wendejahr ’89 schon reichlich verlottertes Anwesen, bewohnt und nicht betrieben von einem Pärchen ohne nennenswerte Schulbildung, Ambition oder Reflexionsvermögen und insgesamt der Beweis, dass in strukturschwachen Gegenden Grundbesitz und Proletentum Hand in Hand gehen können.
  8.  
  9. Reiners Mutti: Bei seiner Geburt wohl Mitt- bis Endzwanzigerin, schon damals nicht recht ansehnlich und für das nächste Vierteljahrhundert vollauf damit beschäftigt, so richtig rettungslos aus dem Leim zu gehen und allen Nähten zu platzen. Von der eigenen Tochter „Stinkie“ genannt, muss sie sich unmittelbar nach dem Ableben ihres nichtsnutzigen Mannes einen neuen Stecher suchen (und landet bei einem Fernfahrer), weil sie auch jenseits der vierzig nicht in der Lage ist, auch nur ein Trauerjahr lang selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.
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  11. Reiners Vati: ein bildungsferner, ambitionsloser Malocher, der (schichttypisch) jede Tätigkeit jenseits körperlicher Arbeit als Drückebergerey abtut, des Hochdeutschen nicht mächtig ist, bis weit in die Neunziger hinein seine Garderobe aus den Siebzigern spazierenträgt (komplett mit Schnurres und Pädobrille) und seiner Familie weder Auslandsreisen noch Zukunftsperspektive verschaffen kann und sie stattdessen mit vernagelter Weltsicht und uninformierten Meinungen für die Zukunft ruiniert.
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  13. Ein harter, ekliger Spekulatius:
  14. Dass Reiner Gewalt für ein probates Lösungsmittel für alltägliche Probleme hält, hat er selber mehrfach handfest bewiesen.
  15. Und es ist nun einmal Tatsache, dass Gewalttäter in den allermeisten Fällen vorher selbst Opfer von Gewalt waren – so haben sie ja gelernt, dass Gewalt sehr wohl eine Lösung ist, auch wenn in der Schule stets das Gegenteil gepredigt wird.
  16. Erinnert sei auch an Reiners wiederholte Äußerungen vor der Kamera, sein Vater hätte Verhalten, wie die Häider es zeigen, mit den ultrabrutalsten Maulschellen quittiert, die man sich nur vorstellen kann.  
  17. Man bedenke weiterhin, dass das Winklersche Weibsvolk gar nicht schnell genug aus dem Alptraumhaus verschwinden konnte und seitdem nie wieder dorthin zurückgekehrt ist.
  18. Alles keine Beweise, aber doch Hinweise auf Rudis Gewalttätigkeit.
  19. Hingewiesen sei auch darauf, dass Rudi kein brutaler Schlägertyp gewesen sein muss, um Schaden bei Reiner anzurichten. Drohungen oder die berühmte ausgerutschte Hand können schon reichen, um die Entwicklung des Kindes nachhaltig zu schädigen.
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  21. So oder so wächst Reiner in sehr suboptimalen Verhältnissen auf, angewiesen auf eine Mutter, die von Jahr zu Jahr weiter in ihrem Panzer aus Kummerspeck verschwindet und dabei freilich versäumt, ihrem Sohn die nötige Fürsorge zukommen zu lassen.
  22. Reiners Entwicklungsdefizite beginnen in der oralen Phase. Fehlende Fürsorge in dieser Phase kann eine lebenslange orale Fixierung verursachen: davon betroffene Leute stecken sich gern Dinge in den Mund (Muselpfeife, Alkohol, Käsemakkaroni), können übermäßige Esser, Säufer, Raucher werden und seltsames Kussverhalten entwickeln. Viele kochen auch gern für sich und andere, was mit dem Themenkomplex von versorgen und versorgt werden erklärbar ist.
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  24. Vom Vater kriegt ein kleiner Junge die Welt erklärt. Beim Älterwerden erlebt er dann, dass Vati eben doch nicht alles weiß und lernt, Ansichten zu revidieren. Es sei denn, er wächst hinter den sieben Bergen auf, dann bleibt die Autorität des Vaters ungeprüft und noch der letzte Schwachsinn aus dem Weltwissen eines fränkischen Proleten wird im Kopp des Jungen zur Gewissheit.  
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  26. Geboren am 2. August: Ein Kann-Kind, heißt, um im Herbst ‘95 die Schule besuchen zu dürfen, muss Reiner eine Tauglichkeitsprüfung bestehen. Reiners Schulkarriere beginnt also erst ’96 und gleich auf der Sonderschule.
  27. So ist das erste, was er lernt, dass er nicht wie die anderen Kinder ist. Reiner ist von Stund an ein ganz besonderer Mensch. Solche Andersartigkeit wird natürlich von vielen als defizitär ausgelegt – und es ist ein ebenso natürlicher und gesunder Schachzug, darauf mit einem „nicht schlechter, nur anders“ zu reagieren. Reiner reagiert – sicherlich darin bestärkt oder gar angeleitet von seinen Eltern, die natürlich auch die Folgen ihrer Verwahrlosung nicht wahrhaben wollen – mit einem „nicht anders, sondern besser“. Alle anderen können nur nicht verstehen, was für ein Supertyp der Reiner ist, die sehen halt nur, dass er nicht ins Raster passt und halten ihn deshalb für dümmer.
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  29. Typisch für solche Idiotenargumentation ist freilich auch, dass man die Diagnose der dummen Anderen gern akzeptiert, wenn man selbst Vorteile davon hat.
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  31. Ihr Kind kann keine Rechtschreibung? Nicht seine Schuld, nicht ihre Schuld, ihr Kind hat „LRS“.
  32. Ihr Kind ist schlecht in der Schule, hat deshalb keine Freude am Unterricht und macht deshalb nicht richtig mit? Nicht seine Schuld, nicht ihre Schuld, ihr Kind hat „ADS“.
  33. Und weil das echte, richtige Krankheiten sind, kann man da etzadla nichts gegen machen, kommt von allein, geht von allein und wenn nicht, ei, dann wird halt nichts aus dem Abitur. Muss ja auch nicht sein, Papi und Mami haben ja auch nur die Haubdschuleeeeh geschafft.
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  35. Reiner hat keine LRS. Mit dem Hirn ist biologisch wie gesagt alles in Ordnung.
  36. Es ist nur Tatsache, dass Kinder nicht von allein Lesen und Schreiben lernen. Dazu ist viel Fleiß und stures Wiederholen und Wiederholen und Wiederholen nötig. In einem Umfeld, in dem die einzigen Druckerzeugnisse das Telefonbuch und der Shell-Autoatlas sind, ist diese Wiederholung nur mit elterlichem Druck zu bewerkstelligen. Wenn aber die Eltern sich nicht kümmern, lernt der Jung halt nicht lesen und schreiben. und wenn er diese Grundvoraussetzungen nicht hat, stellt sich auch keine Freude am Unterricht ein, sondern jede Stunde ist eine Qual. Da lässt man sich dann gern „ADS“ attestieren, um eine Entschuldigung für das elterliche Versagen zu haben. Und wenn die Eltern dumme Bauerndullis sind, wird ihnen natürlich nicht klar, dass diese Diagnose eben nicht heißt, dass man sich jetzt nicht mehr um das Verhalten des Kindes kümmern muss.
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  38. Reiner ist ein sehr dummer Mensch. Und wie bei fast allen dummen Menschen sind daran seine Eltern schuld. Wenigstens war er ein warnendes schlechtes Beispiel für die jüngere Schwester, um die sich dann zumindest so weit gekümmert wurde, dass sie eine normale Schule besuchen und einen Abschluss abliefern konnte.
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