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Asylbewerber als Verschiebemasse

Jan 14th, 2013
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  1. Montag, 14.01.2013
  2. Asylbewerber als Verschiebemasse
  3. Nach der Koje nutzt die Stadt nun übergangsweise ein Hostel für Flüchtlinge. Ein Gesamtkonzept für ihre Unterbringung fehlt.
  4. Von Franziska Schneider
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  6. Mohammed Afghani und sein Sohn Fadi-Jean können neuen Mut fassen. Als Flüchtlinge aus dem Libanon kamen beide erst nach Chemnitz, Mitte November 2012 dann auf die Koje. Auf dem ehemaligen Herbergsschiff hatte die Stadt gut zwei Monate 54 Asylbewerber untergebracht – weil die städtischen Heime voll waren und Dresden mehr Asylbewerber aufnehmen musste, als ursprünglich geplant (die SZ berichtete). Doch die Koje sollte nur eine Übergangslösung bleiben. Afghani und sein Sohn wurden in ein Wohnheim auf der Trachauer Straße gebracht. Er darf sich nun eine eigene Wohnung suchen – mit amtlicher Erlaubnis vom Freistaat.
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  8. 17 andere Kurzzeit-Bewohner der Koje hatten da weniger Glück. Für sie ging es am 2. Januar nur ins neue Interim. Bis Ende April sind sie in einem Hostel in der Leipziger Vorstadt untergebracht. Ihre nächste Dresdner Heimstatt: Noch nicht bekannt.
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  10. Ein Schiff und ein Hostel für Asylbewerber? Dresden fehlt es in den bestehenden fünf Heimen an Plätzen für Flüchtlinge. Zwar wurde das ehemalige Obdachlosenheim Buchenstraße unter Hochdruck renoviert, doch die dort neu geschaffenen 40Plätze reichen nicht aus. Auch mit der SG Weißig verhandelt die Stadt weiter, ob deren Bettenhaus vorübergehend als Unterkunft genutzt werden kann. Denn spätestens Anfang Februar gibt es vom Freistaat die Mitteilung, wie viele Asylbewerber Dresden in diesem Jahr aufnehmen muss. Zu Beginn des Jahres 2012 etwa rechnete die Stadt noch mit 378, im Oktober waren es dann knapp 100 Ausländer mehr. Diese kamen vornehmlich aus Serbien und Mazedonien, sind oft Sinti und Roma. Wegen der steigenden Asylbewerberzahlen werden derzeit „verstärkt Standortprüfungen im Stadtgebiet angestellt“, um auf die Zuweisungen vom Freistaat schnell reagieren zu können, heißt es vom Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos).
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  12. Die Standortsuche ist problematisch. Die Verhandlungen mit der SG Weißig etwa scheiterten nach SZ-Informationen bisher daran, dass in das Bettenhaus nur männliche Sinti und Roma kommen sollten, statt wie zunächst von der Stadt zugesichert Familien. Auch den Namen des Hostels in der Leipziger Vorstadt will die Stadt nicht preisgeben. „Gemeinschaftsunterkünfte bergen erhöhte Risiken, was auch für die befristete Nutzung eines Hostels als Unterkunft für Asylsuchende gilt“, sagt Seidel. Die Stadt fürchtet also um die Sicherheit der Asylbewerber.
  13. Links zum Thema
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  16. Sebastian Vogel vom Ausländerrat kritisiert diese Informationsstrategie. Die Stadt sollte sich an Leipzig ein Beispiel nehmen, die viel offener kommuniziere. „Man muss die Menschen im Dialog mitnehmen, wenn sie Befürchtungen haben“, sagt er. Das Fehlen von Unterkünften sei auch hausgemacht, findet er: „Denn Dresden hat kein kommunales Wohneigentum mehr.“ Immer wieder versichert die Stadt, auf die dezentrale Unterbringung der Asylbewerber in Wohnungen zu setzen, ist deshalb in Gesprächen mit der Gagfah. Nicht mehr als zwei bis drei Wohnungen sind demnach unmittelbar angemietet. Nach Angaben der Ausländerbeauftragten der Stadt, Uta Kruse, fehlten für mehr jedoch auch die Betreuer. Dabei setzt sie auf Ehrenamtliche, die Patenschaften für die Asylbewerber übernehmen. Diese Patenschaften sollen noch ausgebaut werden, so Kruse.
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  18. Die Grünen fordern, bei der Suche nach freien Platzkapazitäten auch die Dresdner Wohnungsgenossenschaften in die Verantwortung zu nehmen, „die sich aufgrund der niedrigen Leerstandsquote bei diesem Thema komplett aus der Verantwortung ziehen“, so Stadträtin Elke Zimmermann. Vor allem aber fehle bisher ein Konzept zur Unterbringung von Asylbewerbern sowie ein angemessener Bestand an Sozialwohnungen. Für die Linke ein grundsätzliches Problem: „Das fehlende Konzept zeigt, dass es am Interesse der Verwaltung an diesen Menschen mangelt“, so Stadtrat Tilo Kießling.
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  20. Vorerst lebt die Stadt mit den Interimsstandorten. Ausländerrat Vogel gibt zu bedenken: „Dieses permanente Verschieben und neu Zusammenwürfeln der Asylbewerber ist alles andere als ideal. Es geht doch darum, ihnen eine Perspektive zu geben.“ Mohammed Afghani bekommt diese Chance jetzt – wenn er eine Wohnung findet.
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