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a guest Nov 17th, 2019 145 Never
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  1. Düsseldorf, Lausanne Hans-Peter Kastner reichte es: Mitte Juni postete der Getränkehändler aus Stuttgart auf Facebook ein Foto von 10.000 Einweg-Plastikflaschen in 50 riesigen Müllsäcken. Die hatten Kunden bei ihm in nur zwölf Wochen abgegeben. „Umweltschutz? Unterstützung der Nahversorgung? Nachhaltiges Denken? Nein, es geht um Bequemlichkeit, Geiz ist geil und nach mir die Sintflut“, prangerte er den Plastikwahn an. Sein Post wurde millionenfach geteilt.
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  4. Kastner hat seitdem Einweg-Plastikflaschen verbannt und fast komplett auf Mehrweg-Glas umgestellt – der befürchtete Umsatzeinbruch blieb weitgehend aus. Anfang November schrieb Kastner einen offenen Brief an Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Darin forderte er eine verpflichtende Mehrwegquote von 70 Prozent. „So können jährlich 8,3 Milliarden Einweg-Plastikflaschen eingespart werden.“
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  6. Der Getränkehändler trifft mit seinem Boykott von Plastikflaschen den Nerv der Zeit. Nicht zuletzt die Fridays-for-Future-Bewegung von Greta Thunberg hat die Menschen sensibilisiert für Plastikverpackungen jeder Art.
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  8. Immer mehr Verbraucher hierzulande steigen deshalb beim Kauf von Mineralwasser von Plastik- auf Glasflaschen um – oder trinken gleich verpackungsfreies Leitungswasser. Die Geschäfte mit Mineralwasser sind rückläufig. Die Mineralwasserbranche ist alarmiert und versucht gegenzusteuern.
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  11. THEMEN DES ARTIKELS
  12. Lebensmittel Svenja Schulze Danone Nestlé Deutsche Umwelthilfe
  13. Der Absatz von Mineralwasser in PET-Einwegflaschen in Deutschland ist in den zwölf Monaten bis Ende September 2019 zum Vorjahreszeitraum um mehr als zehn Prozent eingebrochen. Das zeigen Daten des Marktforschers Nielsen. Selbst PET-Mehrwegflaschen wurden um mehr als acht Prozent weniger verkauft.
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  15. Einzig Mineralwasser in Mehrweg-Glasflaschen konnte um fast sechs Prozent zulegen. Insgesamt ist der Absatz von Mineralwasser um rund acht Prozent gesunken.
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  17. Rückbesinnung auf Glasflaschen
  18. „Es gibt einen ‚Greta-Effekt‘ und das ist gut so“, heißt es bei Danone Waters (Volvic, Evian). „Die gesamte Industrie muss in ihrem Umgang mit CO2₂ und Plastik radikal umdenken.“ Der Absatz von Mineralwasser des französischen Konzerns sank weltweit im dritten Quartal um 2,5 Prozent. Mit der Geschäftsentwicklung in Deutschland ist der Konzern „zufrieden“, landesspezifische Zahlen werden nicht kommuniziert.
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  20. Danone ist mit Volvic deutscher Marktführer für stilles Markenmineralwasser. Die Abkehr von Plastikflaschen dürfte Danone langfristig besonders betreffen, wird Volvic doch ausschließlich in PET-Einwegflaschen vertrieben.
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  22. Mehr als 150 Liter Mineralwasser trinkt jeder Deutsche laut Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) im Jahr, der Hitzesommer 2018 brachte einen Rekord. Im Jahr 2000 waren es erst 100 Liter pro Kopf. Der Weltwassermarkt ist gigantisch gewachsen. Marktforscher Euromonitor schätzt ihn 2018 auf 130 Milliarden Dollar.
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  25. Wurde Mineralwasser früher hauptsächlich regional getrunken, haben Konzerne von Nestlé (Vittel, Perrier, San Pellegrino) über Danone (Volvic, Evian) bis Coca-Cola (Apollinaris, Vio) durch viel Marketing globale Wassermarken etabliert.
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  28. Die Mineralbrunnen wehren sich gegen die Verteufelung von Plastikflaschen. „Mineralwasser in Glasflaschen liegt aktuell im Trend und vielen erscheint es auf den ersten Blick als nachhaltigste Verpackungsvariante“, heißt es bei Danone Waters. „PET ist jedoch 25-mal leichter als Glas und hat daher in unserem Fall einen geringeren CO2-Fußabdruck.“ Schließlich werden Volvic-Flaschen in rund 60 Länder exportiert.
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  30. Danone hat sich das Ziel gesetzt, bis 2020 alle Volvic-Flaschen zu 100 Prozent aus recyceltem PET herzustellen. Evian soll zudem Danones erste klimaneutrale Marke in Deutschland werden.
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  32. „Jede Verpackungsform hat ihre Vorzüge – auch bezogen auf die Umweltwerte“, gibt Gerolsteiner Brunnen zu bedenken, der führende Anbieter von Markenmineralwasser in Deutschland. Glas sei in der Herstellung sehr energieintensiv, profitiere in der Ökobilanz aber von der hohen Zahl der Wiederbefüllungen.
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  34. Bis zu 50-mal kann eine Glasflasche genutzt werden, eine leichtere PET-Flasche bis zu 20-mal. Mehrwegflaschen haben bei Gerolsteiner einen Anteil von 65 Prozent am Absatz, auf Glas-Mehrweg entfallen dabei 27 Prozent, sie wachsen aber am stärksten. Gerolsteiner wird zu 80 Prozent regional im Umkreis von 250 Kilometern vertrieben. 2019 startete der Brunnen Tests mit kombinierten Lkw-Bahn-Transporten. Das spare ein Drittel CO2 im Vergleich zu reinen Lasterfahrten.
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  37. Auch Nestlé Waters spürt den Wandel. Bei seiner Flaggschiff-Marke Vittel bestätigt der Konzern einen zehnprozentigen Umsatzrückgang in Europa, auch wenn bestimmte Größen gegen den Markttrend wachsen. „Wir bewegen uns aktuell in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Umfeld und einem sich rasch verändernden Wassermarkt“, sagt eine Sprecherin.
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  39. Die PET-Flaschen von Vittel zeichnete die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in diesem Jahr mit dem Negativpreis „Goldener Geier“ aus. „Wenig Wasser in viel Verpackung, der Achter-Pack noch mal mit Schrumpffolie umwickelt und dazu lange Transportwege von Frankreich nach Deutschland. Das ist ökologischer Wahnsinn“, wettert die DUH.
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