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Oct 13th, 2023
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  2. Im Interview mit unserer Redaktion spricht er über Transfer-Vetos und über die Gründe, warum er den KSC seit der von einer Beiratsmehrheit um den Clubchef Holger Siegmund-Schultze ohne Anschlussplan vollzogenen Knall-auf-Fall-Trennung von Oliver Kreuzer ohne Not vom guten Weg weggezerrt sieht.
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  4. Herr Aygün, aus dem Kreis der im Sommer beim KSC für die Transfergeschäfte verantwortlichen Männer sind Sie der einzige, der nicht mehr beim Club beschäftigt ist. Wie beurteilen Sie unter dem Eindruck des bisherigen Saisonverlaufs aus der Distanz die von Ihnen mitgestaltete Personalplanung?
  5. AygünFür mich steht die Kaderqualität außer Frage. Ich glaube aber, dass es versäumt wurde, die eine oder andere Stellschraube zu justieren, am auffälligsten im Offensivbereich. Dadurch dass der KSC Stürmer wie Mikkel Kaufmann, Malik Batmaz oder Simone Rapp abgegeben hatte, ging Qualität verloren. Deshalb war es auch das Ziel des Trainerteams und von mir, dies zu beheben.
  6. Was sich viele Beobachter rund um den KSC seither fragen: Warum hatte es der Club dann aber nicht geschafft, vor allem Kaufmanns Verlust qualitativ aufzufangen?
  7. AygünChristian Eichner, Sebastian Freis und ich haben aus unserer Sicht interessante Spieler kontaktiert. Die Ergebnisse wurden innerhalb der Task Force besprochen. Das letzte Wort hatte immer der Geschäftsführer Michael Becker, der seinen Vater Edmund Becker und Michael Bischof aus dem Nachwuchsleistungszentrum als Vertrauensleute in die Urteilsbildung einbezog. Sie entschieden, was stattfand und was nicht.
  8. Finanzchef Becker hatte vor Saisonstart versichert, dass für einen Zweitliga-Stürmer der gesuchten Güte branchenübliche Mittel zur Verfügung stünden. In Igor Matanovic kam dann aber nur noch ein Nachwuchsmann als Leihe aus Frankfurt. Wie erklärt sich dieser Widerspruch?
  9. AygünMatanovic, der sehr jung und entwicklungsfähig ist, verzichtete sogar auf 60 Prozent seines Grundgehalts. Er war als Eins-zu-Eins-Ersatz für Rapp gedacht. Nach dessen Abgang brauchten wir Körperlichkeit und Größe im Kader. Doch wollten wir unbedingt noch einen Stürmer, der uns in der Zweiten Liga zehn, 15 Tore garantiert. Das war für den KSC dann angeblich doch nicht darstellbar. Deshalb beschäftigten wir uns mit Simon Zoller, der in Bochum seinen Vertrag auflöste, wodurch ein guter Deal möglich gewesen wäre.
  10. Es heißt, es hätte dann ein Veto von übergeordneter Stelle gegeben?
  11. AygünSo ist es. Die aussichtsreichen Gespräche mit Simons Berater habe ich nicht weiterverfolgt, nachdem eine Verpflichtung als chancenlos anzusehen war, weil man Zoller mit seinen 32 als zu alt bezeichnete.
  12. Für den Verkauf von Tim Breithaupt flossen 2,5 Millionen Euro aus Augsburg, der Kader wurde markant entschlackt. Wie erklärte es sich für Sie, dass der Task Force die Kür, für den Sturm und eventuell auch auf der Sechs etwas zu tun, nicht gelang?
  13. AygünDa war und bin ich bis heute überfragt. Letztes Jahr hatten wir einen Lizenzspieleretat von 10,8 Millionen. In dieser Saison liegt er bei 12,5. Dafür wurde der Sport mit neuen Leuten aufgebläht. Zudem hieß es, man wollte Rücklagen bilden, um vielleicht im Winter noch einmal zu reagieren. Ich hielt das für schwierig. Oft geht so etwas in die Hose. Man hat das ja zuletzt bei Clubs wie dem FC Ingolstadt oder Arminia Bielefeld gesehen. Sie investierten groß im Winter und sind am Ende abgestiegen.
  14. Sie haben Ihren ursprünglich mit einer Laufdauer bis Februar 2024 versehenen Vertrag mit dem KSC Anfang September einvernehmlich aufgelöst, nachdem der Scouting-Leiter Sebastian Freis, dessen Chef Sie im alten Organigramm waren, zum „Bereichsleiter Profis“ befördert wurde. Traf Sie das persönlich?
  15. AygünNein. Ich hatte sowieso keine Chance, meine Vorstellungen zu präsentieren und war nach meinem Eindruck von Anfang an derjenige, der ohne Chance auf den Posten war. Da Oliver Kreuzer mich geholt hatte, wäre das von einigen Herren aus dem Beirat nicht gerne gesehen gewesen.
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  19. Was hat Kreuzers Freistellung Anfang April innerhalb der Lizenzspielerabteilung bewirkt?
  20. AygünGroße Unruhe. Vor allem im Trainerteam und in der Mannschaft. Das war in den Gesprächen mit Spielern so auch zu entnehmen. Heute sage ich: Unser guter Weg, auf dem wir uns befanden, wurde aus nicht diskutablen Gründen gesprengt. Ohne damit ein Alibi aufzubauen, wirkt sich das meiner Meinung nach weiter aus. Dennoch wird es die Mannschaft wieder schaffen.
  21. Sie meinen den Klassenerhalt?
  22. AygünWas sonst? Auf nichts anderes als das haben sich alle Verantwortlichen des KSC in den letzten Jahren als Ziel festgelegt. Budget-technisch bewegten wir uns immer im unteren Liga-Drittel. Unsere Wunschspieler waren damit nicht zu bekommen. So galt es kreativ zu sein.
  23. Was meinen Sie mit „kreativ“?
  24. AygünWir mussten pragmatisch sein. Mit den Leihen von Kaufmann und Paul Nebel ist uns das auch gut gelungen. Das sind Spieler mit Qualität, die leider nur über Leihen und auch nur zu Ihren Bedingungen zu bekommen waren. Viele Außenstehende stellen sich das Geschäft einfacher vor, als es ist. Ich finde, wir haben mit unseren Möglichkeiten mehr erreicht als erwartet werden durfte. Kreuzer und ich haben beim KSC doch jeden Cent umgedreht, haben strukturelle Vorhaben zurückgestellt. So verzichteten wir im Scouting auf größere Manpower, um budgetär alles dafür zu tun, die Zweitligamannschaft konkurrenzfähig zu halten. Im Fußball geht es häufig ums Geschäftliche. Das ist mir bewusst. Ziel sollte es natürlich auch sein, Ablösesummen zu generieren. Nur muss dem Fußball alles andere untergeordnet werden. Wenn dieses Verhältnis nicht mehr stimmt, bekommt man sportliche Probleme.
  25. Prägt Ihr Urteil nicht zu sehr die erfahrene Enttäuschung Ihren Blick auf das Große und Ganze?
  26. AygünNein, ich erkläre Ihnen das. In schwierigen Phasen merkt man, wie es um den Zusammenhalt in einer Gemeinschaft bestellt ist, die Woche für Woche unter Ergebnisdruck steht. Die letzten dreieinhalb Jahre waren nicht nur einfach –wenn ich nur an die Rettung am letzten Spieltag in Fürth denke. Das schweißte zusammen. Es hat sich innerhalb dieses Kreises Vertrauen gebildet. Wäre die Konstellation Anfang des Jahres, als wir sieben Spiele nicht gewannen, eine andere gewesen, wären wir abgestiegen, glaube ich. Loyalität war immer unsere Stärke. Nachdem Kreuzer weg war, wurde immer deutlicher, dass ein starker Mann in der Geschäftsführung, der im Interesse der sportlichen Seite auf Augenhöhe mit Becker argumentieren kann, fehlte.
  27. In einer E-Mail des Geschäftsführers wurden mir Besuche untersagt.
  28. Necat Aygün
  29. Was brachte Sie zur Ansicht, dass der Fußball nicht mehr im Zentrum steht?
  30. AygünWahrscheinlich war ich der einzige Technische Leiter eines Proficlubs in Deutschland, dem der Arbeitgeber verbot, bei Heim- wie Auswärtsspielen der eigenen Mannschaft aufzutauchen. In einer E-Mail des Geschäftsführers wurden mir Besuche untersagt. Ein Live-Bild vom Leistungsstand der eigenen Mannschaft sollte ich mir nicht machen. Es gab viele Beispiele.
  31. Fühlten Sie sich gemobbt?
  32. AygünWie Sie das sehen wollen, überlasse ich Ihnen. Es gab ja weitere Beispiele: Eine mögliche und für den KSC sehr interessante Kooperation mit Galatasaray Istanbul, für die der Vizepräsident Martin Müller und ich in die Türkei geflogen waren, wurde ohne Angabe von Gründen nicht weiter verfolgt. Nachdem ich vom anderen Vizepräsidenten Günter Pilarsky zu einer Gartenparty mit der Mannschaft eingeladen war, richtete mir mein Arbeitgeber aus, dass es für mich nicht sonderlich gut wäre, würde ich dort erscheinen. Und als der Aufsichtsrat den Trainer Eichner und mich im Sommer zum Gespräch einlud, um zu erfahren, wie wir die Lage beurteilen, wurde uns diese Unterredung verboten.
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