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Feb 5th, 2024
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  1. Dem Anschein nach sind in den Reihen des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC so ziemlich alle Daumen über dem Vizepräsidenten Martin Müller gesenkt. Holger Siegmund-Schultze, der Clubchef und Beiratsvorsitzende der Karlsruher Sport-Club Mühlburg-Phönix Management GmbH, wird zeitnah einem vorgelegten Beschluss des Mitgliederrats folgen und eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Selbst äußern wollte er sich zu dem angekündigten Vorgang am Montag aber nicht.
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  3. Mitglieder stimmen zeitnah über Abwahl ab
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  5. Ein Termin für die dann rein virtuelle Zusammenkunft steht zwar noch nicht fest, doch ist mit der Versammlung spätestens bis Mitte März zu rechnen. Einziger Tagesordnungspunkt wird dann die Abwahl Müllers sein. Der Mitgliederrat mit seinem Vorsitzenden Dieter Gläser stützt seinen Beschluss auf das Vorliegen eines „wichtigen Grundes“, für den nach Paragraf 27, 33 BGB die einfache Mehrheit genügt.
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  7. „Der wichtige Grund“ für das Vorgehen liegt laut Mitteilung in den zerrütteten Verhältnissen, an denen Müller die alleinige Schuld zugewiesen wird. Der hatte sich mehrfach aufs Schärfste zur am 1. April 2023 von der Beiratsmehrheit durchgesetzten Freistellung des Sportgeschäftsführers Oliver Kreuzer geäußert. Mit der Sportstrategie, wie sie danach eingeschlagen wurde, zeigte er sich nicht mehr einverstanden.
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  9. Gelbe Karte angeblich ignoriert
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  11. Ursache des endgültigen Vertrauensentzugs seitens der Aufsichtsgremien sei „insbesondere das ungebührliche Verhalten“ des Unternehmers „gegenüber anderen Organmitgliedern des KSC sowie gegenüber Dritten nach Abschluss der gemeinsamen Absichtserklärung vom 1.12.2023“ gewesen. Damals vereinbarte der Mitgliederrat mit Müller eine Art Burgfrieden, um zu vermeiden, dass es drei Tage später bei der Mitgliederversammlung zu einem Showdown kommen würde. Schließlich gab es dort einen Abwahlantrag gegen Müller - genauso wie einen anderen, der sich gegen Siegmund-Schultze und zwei weitere Beiräte richtete.
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  13. Die Gelbe Karte, die ihm der Mitgliederrat am 4. Dezember bei der ordentlichen Mitgliederversammlung dann verpasste, indem er ihm die Entlastung versagte, habe keine Verhaltensänderung bei Müller bewirkt, heißt es nun. Man erinnert sich: Am Tag darauf versagte Müller bei der Hauptversammlung mit seiner Stimmenmacht als Aktionär dem Aufsichtsrat mit dessen Vorsitzenden Wolfgang Grenke an der Spitze die Entlastung.
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  15. Der Mitgliederrat wirft Müller vor, ein „pflichtwidriges Verhalten“ an den Tag gelegt zu haben. Konkret gehe es demnach um „die Missachtung der satzungsmäßig auferlegten Verschwiegenheitspflicht“ und um eine Schädigung der Reputation des KSC.
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  17. Was, wann und wo Müller an Interna aus dem Beirat ausgepackt hat, ist nach wie vor nicht bekannt. Er selbst verweist weiter darauf, sich nur zu bereits bekannten Sachverhalten geäußert zu haben. Offenbar werden ihm aber gar keine konkret nachweisbaren Indiskretionen zum Vorwurf gemacht, sondern vielmehr die Tatsache, dass er sich als Beirat in der Öffentlichkeit überhaupt geäußert hat. Dieses Rederecht obliege alleine dem Beiratsvorsitzenden Siegmund-Schultze, heißt es aus dem Club. Damit wäre Müllers freie Meinungsäußerung quasi durch seine Gremientätigkeit ausgeschlossen.
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  19. Verhältnis „gestört“ beziehungsweise „zerrüttet“
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  21. Der Mitgliederrat erklärte seinen Schritt als Folge aus Gesprächen mit den Akteuren im fünfköpfigen Beirat, die einen „dauerhaften und tiefen Konflikt offengelegt“ hätten, „namentlich zwischen Müller auf der einen Seite und dem Präsidenten, Holger Siegmund-Schultze, sowie den weiteren Beiräten Thomas H. Hock und Dr. Christian Fischer auf der anderen Seite“.
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  23. So heißt es: „Das Verhältnis zwischen Herrn Martin Müller und den zuvor genannten Organmitgliedern ist derart gestört bzw. zerrüttet, dass eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit innerhalb der Gremien und im Interesse des KSC ganz offensichtlich nicht mehr möglich ist. Ebenfalls in gleicher Weise tiefgreifend belastet ist das Verhältnis zwischen Herrn Martin Müller und der Geschäftsführung sowie den Bereichsleitern.“
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  25. Rücktritt an Bedingung geknüpft
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  27. Der Vorstoß aus dem Mitgliederrat kommt nicht überraschend. Die Versuche, Müller zum freiwilligen Rückzug zu bewegen, waren in den zurückliegenden Wochen gescheitert. Unternommen hatten diese der Mitgliederrat, der Aufsichtsrat der KGaA und auch die mit Müller nicht mehr einverstandenen Kollegen im Beirat des KSC. „So geht es nicht weiter“, hatte Siegmund-Schultze schon Ende vergangenen Jahres festgelegt. Sogar die Ultraszene protestierte in den jüngsten Zweitligaspielen gegen den Funktionär, Aktionär und Darlehensgeber ihres Clubs.
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  29. Müller reagierte auf die Mitteilung des Mitgliederrats am Montag überrascht. Er werde sich nach Kenntnis des Inhalts nun anwaltlich beraten lassen, teilte er mit, und bedauerte, dass aus seiner Sicht „konstruktive Gespräche“ mit den Gremienvorsitzenden nicht zu Ende geführt, sondern durch die Mitteilung des Mitgliederrats überholt worden seien.
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  31. Müller bot Siegmund-Schultze und auch Grenke seinen Rücktritt an, allerdings erwartete er, dass der KSC oder ein Investor das KSC-Aktienpaket seiner GEM Ingenieursgesellschaft für rund 5,2 Millionen Euro zurückkauft.
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  33. Der Immobilienunternehmer hatte dem Club im Frühjahr 2020 innerhalb des sogenannten „Bündnis KSC“ das Kapital gegen Aktien unter der Bedingung zugeführt, dass der damalige Präsident Ingo Wellenreuther zurücktritt. Das geschah auch.
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  35. Siegmund-Schultze hält sich bedeckt
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  37. „So wie damals von Ingo Wellenreuther verlangt wurde, zurückzutreten, damit es Geld gibt, so sage ich jetzt: `Okay, gebt mir das Geld zurück, dann trete ich zurück.´“ Die Überlegungen, die ihn damals geleitet hätten, seien dieselben wie heute, betont Müller: „Damals hatten wir gesagt, dass es nur Geld gibt, wenn im entscheidenden Gremium Leute sitzen, denen man zutraut, dass sie verantwortungsvoll damit umgehen.“
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