Not a member of Pastebin yet?
Sign Up,
it unlocks many cool features!
- Sächsische Zeitung online
- Samstag, 16.02.2013
- Neonazis auf den Rängen
- Auch im Fußball treiben Rechtsextreme ihr Unwesen. Sachsens Verfassungsschutz beobachtet Fangruppierungen.
- Von Thilo Alexe
- Die Nacht hätte lauschig und beschwingt werden können. Doch die rund 60 Freunde und Mitglieder des Leipziger Kunstvereins D 21 erlebten beim Sommerfest Mitte August 2012 eine gefährliche Überraschung. Neonazis, die offenbar zuvor eine Veranstaltung in einem einschlägigen benachbarten Szenetreff besucht hatten, beschimpften und beleidigten die Feiernden. Die Störer, so dokumentiert es ein Papier des Innenministeriums, brüllten „Sieg Heil“ und „Solidarität mit NSU“. Sie trugen zudem T-Shirts mit Aufrucken wie „Lokisten“ und „Scenario Lok“ – und zeigten sich so als Fans des Traditionsvereins Lok Leipzig.
- Zufall ist das nicht. Im Vergleich zu den Zehntausenden friedlichen Anhängern sächsischer Fußballvereine sind Rechtsextremisten beim Sport eine Minderheit. Doch auch im Freistaat gibt es stabile Verbindungen von Fans in die Neonaziszene.
- Aus dem Umfeld des Regionalligisten 1.FC Lokomotive Leipzig stuft der Verfassungsschutz zwei Gruppierungen als rechtsextremistisch ein, wie aus der Antwort von Innenminister Markus Ulbig (CDU) auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Kerstin Köditz hervorgeht: Die derzeit nicht öffentlich aktiven „Blue Caps LE“ sowie „Scenario Lok“. Zudem beobachtet der Geheimdienst auch braune Fans des Drittligisten Chemnitzer FC. Dabei handelt es sich um die Gruppierungen „Hoonara“ („Hooligans, Nazis, Rassisten“) und „New Society“.
- Jede hat nach den Angaben des Innenministeriums, die sich auf das Jahr 2102 beziehen, zwischen 20 und 30 Mitglieder. Einige von ihnen pflegen Verbindungen zur NPD oder deren Nachwuchsorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN). „In der Fangruppierung ‚Scenario Lok‘ sind mehrere bekannte Rechtsextremisten aktiv, die dem Umfeld der NPD/JN oder den örtlichen neonationalsozialistischen Strukturen entstammen“, schreibt Ulbig.
- Womöglich ist die Anzahl von Rechtsextremisten, die sich in Sachsens Stadien und am Rande kleinerer Fußballplätze tummeln, aber deutlich größer. Denn Innenminister Ulbig schreibt auch, dass ihm mit Blick auf Kontakte zwischen der extremen Rechten und der Fan- und Hooliganszene weitere Erkenntnisse vorliegen. Die könne er allerdings aus Gründen des Geheimschutzes nicht weitergeben. „Die Informationen sind durch nachrichtendienstliche Mittel erlangt worden“, fügt Ulbig hinzu.
- Für die Linke Köditz ist die Antwort mau. Sie wirft dem Ministerium vor, allenfalls verfestigte Neonazistrukturen im Fußballumfeld zu benennen. Nach ihrer Einschätzung ist das Problem allerdings komplexer. „Man kann sich die unteren Ligen anschauen: Dort gibt es regelmäßig das Lied mit dem U-Bahnbau nach Auschwitz oder rechtsextremistische Transparente.“ Doch lediglich Fans von zwei Clubs stünden im Fokus. „Alle anderen Vereine können sich zurücklehnen und sagen: Wir haben kein Problem.“ Aber auch Ulbig betont, dass es eine „Schnittmenge“ zwischen Neonazis und den rund 300 gewaltbereiten Fans im Freistaat gebe. „Einzelne Gruppierungen der Hooliganszene sind rechtsextremistisch geprägt.“
Advertisement
Add Comment
Please, Sign In to add comment