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Jun 8th, 2026
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  1. Medizin
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  3. Lungenkrebsrisiko bleibt nach Rauchentwöhnung mit E-Zigaretten erhöht
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  5. Seoul – Menschen in Südkorea, die von konventionellen Zigaretten auf E-Zigaretten wechselten, erkrankten und starben in den Folgejahren häufiger an Lungenkrebs als Personen, die sich zu einem völligen Verzicht auf Zigaretten durchringen konnten. Dies zeigen die Ergebnisse einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie in Nature Medicine (2026; DOI: 10.1038/s41591-026-04469-5).
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  7. Für deutsche Fachleute bestätigen die Ergebnisse die Einschätzung, nach der E-Zigaretten nicht frei von Gesundheitsrisiken sind, während britische Fachleute ihre „Harm-Reduction“-Strategie verteidigen.
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  9. Die staatliche Krankenversicherung Südkoreas bietet Erwachsenen regelmäßige kostenfreie Vorsorgeuntersuchungen an. Interessierte werden dabei unter anderem danach gefragt, ob sie aktiv oder früher geraucht haben.
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  11. Bei der Untersuchung im Jahr 2018 gaben 767.273 von 4,5 Mio. Teilnehmenden an, das Rauchen kürzlich aufgegeben zu haben, ohne auf E-Zigaretten umzusteigen, 20.495 waren dagegen auf E-Zigaretten gewechselt. Weitere 1,41 Mio. Personen hatten bereits bei einer früheren Befragung 2012-2014 auf das Rauchen verzichtet, ohne auf E-Zigaretten zu wechseln. 5.050 hatten die Abstinenz nur mit E-Zigaretten geschafft.
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  13. Yeon Wook Kim von der Universität Seoul und Mitarbeitende haben in den Patientenregistern des Landes recherchiert, wie viele Teilnehmende seither an Lungenkrebs erkrankt und gestorben sind.
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  15. Für die Erwachsenen, die völlig auf Zigaretten verzichteten, ermitteln die Forschenden einen signifikanten Rückgang der Lungenkrebs-Inzidenz um 44 % (adjustierte Hazard Ratio aHR 0,56; 95-%-Konfidenzintervall [0,55; 0,57]). Bei Personen, die auf E-Zigaretten gewechselt waren, war dagegen nur ein leichter Rückgang der Neuerkrankungen am Lungenkrebs um 12 % (aHR 0,88 [0,69; 1,11]) erkennbar, der das Signifikanzniveau verfehlte.
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  17. Im direkten Vergleich mit den ehemaligen Rauchern, die völlig auf Nikotin verzichtet hatten, erkrankten die Personen, die auf E-Zigaretten gewechselt waren, zu 56 % häufiger an Lungenkrebs mit einer signifikanten aHR von 1,56 [1,24; 1,97]. Das Sterberisiko am Lungenkrebs war mit einer aHR von 2,00 [1,28; 3,15] sogar verdoppelt. Selbst beim Gesamtsterberisiko war ein leichter, aber signifikanter Anstieg um 22 % (aHR 1,23 [1,05; 1,41]) nachweisbar.
  18. Konsequenter Nikotinverzicht
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  20. Ein besonders hohes Risiko ermittelte Kim für die ehemaligen Raucher, die auf mehr als 20 Packungsjahre zurückblickten. Das Packungsjahr ist ein medizinisches Maß, für das die Zahl der pro Tag gerauchten Zigarettenpackungen mit der Zahl der Raucherjahre multipliziert wird. Die aHR auf einen Lungenkrebs betrug 1,91 [1,44; 2,53] und auf einen Lungenkrebstod 1,92 [1,13; 3,24] in dieser Hochrisikogruppe. Die weiten 95-%-Konfidenzintervalle zeigen, dass die Analyse hier an ihre statistischen Grenzen stößt.
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  22. Diese Dosis-Wirkungsbeziehung ist für Natascha Sommer vom Universitätsklinikum Gießen und Marburg ein Indiz, dass sich das kanzerogene Potenzial von E-Zigaretten bestätigen könnte, auf das bereits kleinere Fall-Kontroll-Studien hingewiesen hätten. Allen ehemals rauchenden Menschen mit einer hohen Zahl von Packungsjahren rät die Pneumologin deshalb dringend zu einem kompletten Nikotinausstieg.
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  24. Einen konsequenten Nikotinverzicht empfiehlt auch der Suchtexperte Daniel Kotz vom Universitätsklinikum Düsseldorf. Dem Science Media Center sagte er: „Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass sich das Lungenkrebsrisiko wesentlich besser reduzieren lässt, wenn Menschen zusätzlich zum Tabakrauchen auch auf den Konsum von E-Zigaretten verzichten.“
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  26. Zwar könnten E-Zigaretten Menschen helfen, mit dem Tabakrauchen aufzuhören. Allerdings konsumierten viele Menschen nach ihrem Rauchstopp E-Zigaretten langfristig weiter. „Die jetzige Studie zeigt, dass sich diese Menschen einem erhöhten Lungenkrebsrisiko aussetzen“, so Kotz. Ähnliches gelte möglicherweise auch für andere inhalative Nikotinprodukte, wie Tabakerhitzer.
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  28. „E-Zigaretten sind risikobehaftet und keine geprüften Entwöhnungsprodukte. Sie können daher grundsätzlich nicht zur Tabakentwöhnung empfohlen werden“, betonte der Fachmann. Es gebe in Deutschland wirksame und sichere Methoden, mit dem Tabakrauchen aufzuhören. Dazu zählt Kotz digitale Gesundheitsanwendungen, telefonische Beratung, Entwöhnungskurse und Nikotinersatztherapien oder Medikamente, die Entzugserscheinungen lindern.
  29. Biologisch plausible Ergebnisse
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  31. Auch für Ute Mons, die am Krebsforschungszentrum in Heidelberg die Abteilung Primäre Krebsprävention leitet, sind die Ergebnisse der Studie relevant. Wie hoch das Risiko am Ende sei, lasse sich aufgrund des kurzen Beobachtungszeitraums von maximal 6 Jahren allerdings noch nicht abschätzen.
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  33. „Gerade für den Endpunkt Lungenkrebs, der sich typischerweise über Jahrzehnte entwickelt, ist dies sehr kurz“, führte Mons aus. Zwar sei bekannt, dass das Lungenkrebsrisiko bereits innerhalb von 5 Jahren nach einem Rauchstopp um etwa 10 bis 20 % sinke, größere Risikoreduktionen seien jedoch erst nach längerer Abstinenz zu erwarten.
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  35. Martin Widschwendter, der an der Universität Sydney die gesundheitlichen Folgen von E-Zigaretten erforscht, hält die Ergebnisse für biologisch plausibel. Der Experte verweist auf eigene Forschungsergebnisse, in denen Tabakzigaretten und E-Zigaretten ähnliche Veränderungen an der DNA hervorriefen, die das Krebsrisiko erhöhen.
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  37. Allen Fachleuten ist klar, dass eine einzelne epidemiologische Studie den Zusammenhang nicht beweisen kann. Dazu ist die Gefahr möglicher Verzerrungen zu hoch. Für die britischen Experten stehen diese Bedenken derzeit im Vordergrund.
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  39. Die Statistikerin Francesca Pesola von der Queen Mary University of London verweist darauf, dass die Berechnung zu den Risiken trotz der Analyse von 4,5 Mio. Personen auf geringen Fallzahlen beruhe und deshalb auf wackligen Füßen stehe. Tatsächlich sind erst 55 ehemalige Raucher, die auf E-Zigaretten gewechselt sind, an Lungenkrebs erkrankt und 14 daran gestorben.
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  41. Dass die derzeitige britische Strategie, die den Rauchenden mit E-Zigaretten den Weg in die Abstinenz erleichtern will, nicht falsch ist, davon ist auch der Verhaltensforscher Harry Tattan-Birch vom University College London weiter überzeugt.
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  43. Die Risiken seien in der Studie erst nach statistischen Anpassungen aufgetreten, die möglicherweise nicht angemessen seien. Tattan-Birch erklärte: „Für rauchende Menschen bleibt es das vorrangige Ziel, das Rauchen vollständig aufzugeben. Im Idealfall sollten sie auch langfristig nicht dampfen, doch die größte vermeidbare Gefahr besteht darin, wieder zum Rauchen zurückzukehren.“
  44. Gefährlicher Doppelkonsum
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  46. Für Reiner Hanewinkel, den Leiter des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel, wird dagegen die „Harm Reduction“-Illusion, nach der E-Zigaretten eine „gesündere“ Alternative zum Tabakrauchen sind, durch die Ergebnisse der Studie „entzaubert“.
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  48. Das verdoppelte Risiko für lungenkrebsspezifische Todesfälle im Vergleich zur echten Abstinenz zeige, dass der vermeintlich „saubere“ Dampf den Körper massiv schädige. Hanewinkel befürchtet langfristig eine Zunahme des Doppelkonsums von Tabak- und E-Zigaretten, von der am Ende nur die Industrie profitieren werde.
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  52. Abstract der Studie: https://doi.org/10.1038/s41591-026-04469-5
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