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Reichen 140 Polizisten für eine solche Demonstration aus?

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Mar 10th, 2015
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  1. Reichen 140 Polizisten für eine solche Demonstration aus?
  2. Nach der Gewalt vom Freitag wird Kritik laut – am Konzept, aber auch an OB Klaus Mättig.
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  4. 10.03.2015 Von Sebastian Martin und Matthias Weigel
  5. 40 Polizisten für eine solche Demonstration aus?
  6. Das ehemalige Leonardo-Hotel Leonardo in Freital ist zur Asylbewerberunterkunft umfunktioniert worden.
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  8. Leuchtraketen flogen, Böller explodierten. Trotz Ausschreitungen ist die Anti-Asyl-Demonstration in Freital aus Sicht der Polizei zu keiner Zeit kritisch verlaufen. Das sagte gestern Sprecher Marko Laske. Allerdings bezeichnete auch er die Situation an der Ecke Dresdner/Schachtstraße als hitzig und angespannt. Mehrere Teilnehmer wollten dort am vergangenen Freitag die genehmigte Demonstrationsroute verlassen und eine Polizeisperre mit Gewalt durchbrechen – offenbar mit dem Ziel Leonardo-Hotel. In diesem werden seit knapp einer Woche Flüchtlinge untergebracht.
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  10. Nach Polizeiangaben sei bei den Ausschreitungen niemand verletzt worden. Auch Festnahmen habe es keine gegeben – lediglich Ausweiskontrollen und Platzverweise , sagte Laske. Die Polizei war mit insgesamt 140 Beamten vor Ort, um die Anti-Asyl-Demonstration sowie eine Veranstaltung für Weltoffenheit und Toleranz vor dem Leonardo-Hotel abzusichern. Mit dem Aufgebot hätte man beide Lager erfolgreich auseinanderhalten sowie die Flüchtlingsunterkunft sichern können, sagte der Sprecher. Damit widersprach er Kritikern, die sagen, dass die Polizei vom Zulauf der Anti-Asyl-Demonstration mit mindestens 1 500 Teilnehmern überrascht worden wäre und mit zu wenig Einsatzkräften vor Ort gewesen sei. Einige Beamte hätten sich zudem im Hintergrund gehalten, erklärte er. Die Lage sei unter Kontrolle gewesen.
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  12. Die Demo-Organisatoren hatten zwar im Vorfeld zur Gewaltfreiheit aufgerufen. Das interessierte einige im Umfeld aber offensichtlich nicht – sie rückten die Veranstaltung zusätzlich in ein schlechtes Licht. So wurde im Internet von einem bedrängten Fotojournalisten berichtet. Beim Kurznachrichtendienst Twitter war zudem von einem Asylgegner zu lesen, der einen Brandanschlag gegen die Flüchtlingsunterkunft angedroht habe. Auch im sozialen Netzwerk Facebook gab es aggressive Wortmeldungen wie „bei jeder Revolution ist Blut geflossen, weil anders hätte man nichts erreicht“. „Ich bin in großer Sorge um die Menschen, die in Freital Schutz und Hilfe suchen“, sagte eine Frau der SZ, die sich für Flüchtlinge einsetzt und am Freitag vor Ort gewesen war. Auch sie nahm Gewaltbereitschaft und Fremdenhass wahr.
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  14. Die Initiative „Freital wehrt sich. Nein zum Heim“, die die Anti-Asyl-Demonstration angemeldet hatte, reagierte unterdessen und zog die Reißleine. Sie kündigte an, vorerst keine weitere Kundgebung zu organisieren. Erst müssten ein funktionierendes Organisationsteam gegründet – es bestand bisher aus drei Leuten – und das Sicherheitskonzept überarbeitet werden, hieß es. Dem Landratsamt lag gestern jedenfalls keine Anmeldung für eine weitere Demonstration in Freital vor. Im Internet haben die Organisatoren aber mittlerweile dazu aufgerufen, die vom Bundestagsabgeordneten Klaus Brähmig (CDU) organisierte Info-Veranstaltung zum Thema Asyl am Freitagabend im „Goldenen Löwen“ zu „besuchen“.
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  16. Unterdessen wirft Freitals Linke ob der Ereignisse auch die Frage nach dem Standpunkt von OB Klaus Mättig (CDU) auf. Die Linkspartei hatte gemeinsam mit den Grünen am Freitag vor dem Hotel eine stehende Kundgebung abgehalten, um für Weltoffenheit und Toleranz zu demonstrieren, um den Asylgegnern etwas entgegen zu setzen. Knapp 100 Leute kamen. Gesehen wurde der OB aber nur auf der Kundgebung am Platz des Friedens – sehr zur Freude der Sympathisanten im sozialen Netzwerk Facebook: „Super, dass unser OB zum Volk steht“, ist da zu lesen. Oder: „Ein OB mit dem Herz auf der richtigen Stelle.“
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  18. „Ja, ich war dort. Aber ich habe auch der anderen Veranstaltung einen Besuch abgestattet, räumte Mättig gestern mit den Vorhaltungen auf. „Ich bin gemeinsam mit der Polizei erst zum Heim gefahren und habe mir einen Überblick verschafft. Anschließend fuhren wir hinunter zum Platz des Friedens.“ Er könne die Kritik nicht nachvollziehen. Als OB sei er verpflichtet, in der Stadt Präsenz zu zeigen, und habe dies auch getan. Was die Demonstranten daraus für sich reklamierten, sei deren Sache.
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  20. Artikel-URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/reichen-140-polizisten-fuer-eine-solche-demonstration-aus-3055038.html
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