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- Warum der Traum von einer #Piratenpartei aus geträumt ist.
- Ich wurde das erste Mal auf die Piraten aufmerksam, als ich einen Freund, der an der Uni in Clausthal-Zellerfeld arbeitet und der ein T-Shirt trug, welches das Emblem der Piraten, ihren unverkennbaren Schriftzug zeigte, darauf ansprach.
- „Piraten“ sagte er nur, „kennste nicht?“ fragte er verdutzt zurück.
- „Nee, was'n das, ein neues eurer Ritterspiele?“ setzte ich nach.
- Ihr müsst wissen, er trug immer solche T-Shirts mit „Zensursula“ usw. darauf. Ich wusste also - auch dieses musste eine geheime Botschaft enthalten:)
- Und ja, irgendwie kam das mit den Piraten schon mal in den Medien vor dachte ich noch, was mit Politik. Ich hatte diesen albernen Namen bereits, wie zuvor schon die „Yogische Flieger“ und dergleichen Versuche, als weiteren Scherzartikel abgetan, nicht weiter beachtet. Und nun rennt der auf der Uni damit herum, was sicher nicht so ganz ohne war, ihm heute auch verboten ist.
- Naja, Yogische Flieger, können die Piraten also nicht sein, wenn der auf sie Aufmerksam zu machen versucht. Ich war also sensibilisiert, hörte zukünftig hin, meine Aufmerksamkeit wurde fortan durch das Wort Piraten getriggert.
- Und dann nahm ich sie überall war. Die stetig steigenden Wahlerfolge, die Fassungslosigkeit der Medien und Gewohnheitspolitik und, und, und.
- Irgendwann erfuhr ich dann dass bei Friedman eine „Die junge schöne Piratin“ auftreten sollte. Ich mag Friedman nicht, mochte ihm vom ersten medialen Erleben an schon nicht, dachte aber bei einer „Schönen Piratin“, was kann ich da schon verlieren, nicht einmal Zeit.
- Was ich da dann miterleben durfte, war derart unter aller Sau, dass ich mich wirklich entsetzt abwenden musste. Nicht wegen der Piratin, die war wie versprochen wirklich schön, nicht so wie man es uns allenthalben einzutrichtern versucht, dass eine Frau auszusehen hätte - die wir schön nennen sollen. Nein, eine wirklich aus sich heraus schöne junge, natürliche Frau bekam man dort zu sehen, mit einem schönen, etwas geheimnisvollem Lächeln. Aber diese Frau war nicht nur schön, sie war auch klug und vor allem, sie hatte ein echtes Anliegen. Und sie war nicht da uns ihre Schönheit und Klugheit vorzuführen, sie wollte uns dieses Anliegen nahe bringen, stellte sich deshalb dem (ich mag den nicht so nennen, es beleidigt so viele wirkliche) Journalisten.
- Und sie war sehr jung, viel zu jung und unerfahren, um sich auch nur annähernd vorstellen zu können, worauf sie sich bei Friedman vorzubereiten hätte. Dieser Friedman, eine ausgebufte Journalie, der schon mehrfach bewiesen hatte, dass Frauen für ihm etwas sind, das man benutzt, bezahlt und dann weg wirft, machte sich einen Spaß aus dem völlig offenen Visier dieser „Schönen Piratin“.
- Dann überschlugen sich die Ereignisse. Über Twitter, ich folgte da ihr und einigen Piraten zwischenzeitlich, erfuhr ich sie sollte am Abend in noch so einer Talkshow auf treten, landete spektakulär aber in der Charité, von wo sie dann auch noch flüchtete …. Wirklich, eine herzzerreißende Geschichte entfaltete sich da auf meinem Laptop. Ich beschloss also Rocinante zu satteln und mich auf den Weg zu ihr zu machen.
- Auf dieser Reise wollte ich immer mehr wissen. Wer ist diese "Schöne Piraten" überhaupt? Wie gelangte ein solch unbewehrter Mensch auf Friedmans Schlachtbank und in diesen Medienrummel? Ich begann ihren Blog zu lesen, fand dort wundervolle Bilder und Zeichnungen und vor allem viele sehr persönliche, fast schon Tagebucheintragungen. Nachdem ich ihren Blog gründlich durchstreift hatte, meinte ich wirklich diesen Menschen, diese "Schöne Piratin" zu kennen und zu verstehen. Ich teilte viele ihrer Wünsche und zum Ausdruck gebrachten Hoffnungen. Kurz um, die "Schöne Piratin" wurde zur Marina, ein Freund mir im Geiste.
- Und noch etwas fand ich auf diesem Blog. Viele Hinweise und Zeichen auf die Piraten, für die sie sich so vehement einsetzte. Ich folgte daher immer mehr Piraten auf Twitter, wurde regelrecht elektrisiert von der Aufbruchstimmung dieser Leute. Es waren da unheimlich gescheite, fleißige Leute im Hintergrund am werkeln. Sie pflegten unermüdlich ihr LQFB, fast wie ein Bienenvolk seine Honigwaben und es wehte wirklich der Geist gemeinsam etwas verändern zu können durchs Internet. Friedlich und durch „bedingungslose“ Beteiligung eines jeden Menschleins, sich Mühe miteinander gebend.
- Ein mitreißender Geist, eine Gemeinschaft, von der man gern ein Teil.
- Aber noch einmal aufstehen?
- Noch einmal Versuchen doch was zu verändern?
- Was zu verändern, so grundlegend zu verändern, dass nichts von dem Leid, der Quälerei und institutionalisierten Ungerechtigkeit mehr übrig bliebe?
- Nichts mehr von dem, was meine Generation so schäbig um sich selbst betrogen, sie sich darum betrügen lassen hatte?
- Ja, ich wollte es noch einmal versuchen, gegen die Windmühlen aufzustehen.
- Sie schienen es wirklich verstanden zu haben, dass es keinen Täter zu bekämpfen gilt. Nur ein System, das Opfer strukturiert, Menschen zu Pyramiden auf türmt. Pyramiden, an dessen Spitze es sich gut leben ließe, an dessen Basis keine Luft zum Atmen bleibt.
- Sie hatten verstanden, dass dieses System runter, ein neues hoch gefahren werden muss. Dass es Zeit ist, für ein echtes, offenes Betriebssystem, auf dem jeder die Anwendung seines Lebens installieren und sogar selbst entwickeln kann, das jedem Menschen eine geschützte Partition zur freien Entfaltung und eine sichere API zum gemeinsamen Kern und allen Tools frei darbietet.
- Sie nannten es Update doch es wäre ein Wechsel geworden.
- Weg von einem proprietären System, einem historisch gewachsenen, monolithischer Klumpen. Undurchdringlich, an dem ein jeder der Zugang hatte, sich die ihn begünstigenden Algorithmen bastelte. Egal, was an anderer Stelle dafür ausgefallen, ja menschenverachtendes (HARTZ4) bei heraus gekommen.
- Ein von Grund auf marodes, Menschen und vor allem deren Vorankommen und Zukunft entgegenwirkendes Günstlingssystem, sollte durch ein modernes, kooperatives, offenes Multiversensystem ersetzt werden. So habe ich die Piraten verstanden - so lass ich es in den funkelnden Augen dieser "Schönen Piratin", wenn man sie davon erzählen ließ. Und ja, ich habe große Lust bekommen mitzumachen, beantragte sogar die Mitgliedschaft.
- Die aber, heute bin ich froh darüber, monatelang nicht zu Stande kam. Am Ende bekam ich Beiträge und Spende zurückerstattet. Man wolle mich nicht, ich passe nicht ins Portfolio. In diesen Monaten des Wartens zogen bereits die ersten dunklen Wolken auf. Die Marina wurde regelmäßig Kiel geholt, um sie dann sogleich wieder auf den Schild zu heben, zu betteln, sie möge doch weiter machen. Mal war sie zu schön, dann wieder zu Medien geil, dann wieder die Piratin, die alles richten sollte. Ich erlebte auf Twitter wie Menschen täglich von ihren Arbeiten berichteten, stündlich, dass dieses oder jener Text nun da oder dort einzusehen sei, dass Menschen sich den Arsch auf rissen für nichts und wider nichts, nicht einmal ein Danke. Selbst die immer monotoner, automatisch wirkenden Favs, trübten die Stimmung. Neben diesen bewunderungswürdigen Machern, poppten immer mehr professionelle Beamten-artige, mit Behördenwissen ausgestattete „Verwalter/Manager“ auf, die nun als Retter angesehen, die die fleißigen Bienen, die frei umher flogen den Nektar nach Hause zu tragen, auf die Trampelpfade, in Reihe und Glied zwangen. Manager, die sich all denjenigen anbiederten, deren Karriere die Dienstbaren damit zu beflügeln sich versprachen. Wir schaffen dir die Arbeit mit dem Volk vom Hals, das Du beherrschen willst.
- Fast schon klassisch. Ja, Aufbruch macht auch Angst, geschmeidige, gebildete, alles im Griff zu haben scheinende Manager ins feindliche Lager zu schicken, ein alter Hut. Ihr Untergang ist ihnen sicher, denn sie hören sofort damit auf an sich zu wachsen. Die Silhouette einer Pyramide tauchte schemenhaft aus den andauerndem Shitstorm auf.
- Ich wurde zu der Zeit auch auf dem Mumble gesperrt. Eine Gefälligkeit der „Leiterin“ gegenüber, durch einen Sysadmin, weil sie mein „wohl störendes“ Hinterfragen nichts entgegen zu setzten hatte, dieses ihren Programmablauf störte. Letztlich aber mit der Behauptung, ich hätte betrunken Menschen beleidigt. Ich hatte bereits eine schlechte Aussprache zu der Zeit, kann heute kaum noch sprechen, 1.Motorneuronen zur Zunge fielen aus. Lallte etwas, was aber jedem dort schon als „normal“ bekannt war. Außer dem Gefälligkeitsadmin natürlich, mit dem hatte ich ja nie zuvor gesprochen. Dann noch Ponada (damals SGV) als Schlichter anzurufen, gab mir die letzte Gewissheit. Das Piraten-Ding geht gründlich schief. Da ist längst schon die Intrige, Machtgier und Erhalt die treibende Kraft. Da geht es, wie bei allen herkömmlichen Politikern, nur noch um „steuer Gelder“.
- Stolze, hoch motivierte, die Köpfe des Landes befruchtende und freie Bienchen wurden in den Gleichschritt, auf die Ameisentrampelpfade verwaltet oder flogen davon. Softwarefirmen wurden aus-gegründet (weil's die SPD auch so machte), ein LQFB aber nie zu irgend einer Blüte gebracht. Aufträge zur Programmierung einer Finanzbuchhaltung vergeben (wo die wohl ist, was da wohl für Codes verwendet sind). Ein Fanartikel-Shop, nebst auserlesener Zulieferkette gab's, wurde reibungslos aus dem Hut gezaubert. Nichts war gut genug für die „Elite-Piraten“.
- Nur ein Parteitag für alle, zur Unterstützung der fleißigen Bienen, oft Studenten und auch Arbeitslose, für die sollte es nicht mehr reichen, die brachten eigens Equipment und Netzinfrastruktur mit zur Arbeit. Kaum einer traute sich mehr, konnte es sich noch leisten nach Honig aus zufliegen. Man reihte sich auf den Wegen ein, auf denen diese Profibürokraten ihre klebrige Duftspur auslegten. Anwälte tummelten sich auf den hoch dotierten Posten. Was man in Düsseldorf seit Jahrzehnten nicht vorne ins Rathaus einließ, mit gutem Grund, ließen die Piraten durch die Hintertür hinein. Aus einem lebendigen, brummenden, freien Bienenstock wurde ein räuberischer Ameisenstaat, die Bienenkönigin flog aus, in die Ukraine, sich endgültig das Mundwerk zu verbrennen.
- Natürlich hinkt dieser Vergleich, natürlich sind die Piraten kein Insektenstaat, gleich welcher Art. Dennoch drückt dieses Gleichnis mit wenigen Worten aus was geschehen, wie ich es fühle. Und ich denke auf die es eben so fühlenden, passt diese Metapher auch, es sind ja so viele.
- Eins habe ich nun aber doch daraus gelernt. Man kann ein System, durch das man selber konditioniert wurde, nicht abschütteln wie einen Ekel.
- Und obwohl ich die Entwicklung der wieder zur "Schönen Piratin" gewordenen Marina nicht mehr so hoffnungsfroh erlebe, sie eigentlich überhaupt nicht mehr verstehe, es auch kaum noch mir dabei helfende Bilder und Tagebucheintragungen von ihr gibt, möchte ich Dir Marina für diesen Tanz danken und Dir aufrichtig alles Liebe und Gute für Dich und Deine Familie wünschen. Und entschuldige bitte, wenn ich Dir zu nahe getreten bin. Ich wollte weder Dorn noch Stachel sein, nur daran erinnern, dass es beides gibt, und zwar bevorzugt an den süßesten Beeren und verführerischsten Blüten.
- Und all denen, die Piraten geblieben sind auf dem Marsch in die Parlamente, Euch auch. Ihr seid ein tolles Team, ihr habt Euch nichts vorzuwerfen.
- Jürgen Willi Sievers
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