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Untitled

a guest Mar 12th, 2014 37,144 Never
  1. STATEMENT
  2.  
  3.  
  4. zur Intervention vom 10.02.2014 und anderen Vorkommnissen
  5.  
  6. von "Wissen gegen Ignoranz"
  7.  
  8.  
  9. Am Montag, den 10.02.2014, wurde in einer Vorlesung der Erziehungswissen_schaften der Humboldt-Universität zu Berlin eine (Klatsch-)Intervention durchgeführt. Daraufhin hat anscheinend ein Student die Polizei gerufen, um sich von der Staatsgewalt die Kontrolle wieder zurückholen zu lassen.
  10.  
  11. Der Professor, der den Polizeieinsatz angeblich nicht gewollt hatte und alles getan haben soll diesen zu verhindern, hatte im Anschluss daran kein Problem, erneut nicht die Stimmen dixs widerständischen Studierxs1 anzuerkennen, sondern begann dann seine Vorlesung in Anwesenheit der Polizei zu halten.
  12.  
  13. Wir*2 möchten, dass Sie sich dieses Bild noch einmal genau ansehen: ein Professor der HU hält seine Vorlesung trotz lautstarkem Protest nun unter Polizeischutz tatsächlich ab, anstatt ins Nachdenken darüber zu geraten, was da eigentlich gerade passiert. Hier besonders schockierend, dass auch viele Besuchxs der Vorlesung darin nichts Problematisches zu sehen schienen.
  14.  
  15. Der Präsident der HU gab an, eine Genehmigung für den Polizeieinsatz nicht gegeben zu haben und verurteilte das Vorgehen des Studenten, welcher die Polizei verständigt hatte.
  16.  
  17. Doch auch für die anstehende Modulabschlussprüfung zu dieser Vorlesung war zur Einschüchterung dixs Studierxs Polizeigewalt angekündigt. Wir* fragen Sie, Herr Professor und Herr Präsident, wie passt das zusammen?
  18.  
  19. Unser* Entsetzen über solcherlei Methoden könnte größer nicht sein!
  20.  
  21.  
  22. Was ist vorher passiert und hat zur Intervention geführt?
  23.  
  24. Nach einigen sehr anstrengenden Veranstaltungen der Vorlesung, in denen einige kritische Studierxs den Professor immer wieder auf diskriminierende Textstellen und deren Re_produktion aufmerksam gemacht hatten und aufklärendes Text- und Bildmaterial von Antirassistinnen auf die online Lernplattform "Moodle" der Vorlesung hochgeladen hatten, kam es am 16.12.2013 bezüglich eines aktuellen Moodle-Posts zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen einigen Studierxs und dem Professor, in der dieser deutlich die Fassung verlor und vehement, dominant und anscheinend nicht an einem inhaltlichen Austausch interessiert, auf dixs Studierxs zuging. Bei dem Post handelte es sich um einen indymedia-Link zu dem Bekenner*innenschreiben der Gruppe "Wissen im Widerstand", welcher zuvor über eine Pressemitteilung des Referent_innen Rates der HUB veröffentlicht wurde und zu der Zeit in vielen Moodle-Foren geteilt wurde. Der Professor re_agierte derart gereizt auf diesen Link, dass er drohte das Forum "plattzumachen" und kritische Fragen in der Vorlesung von nun an nicht mehr zuzulassen. Die komplette Schließung des Forums konnte innerhalb des Instituts zwar abgewendet werden, doch stand es weiterhin unter seiner Zensur.
  25.  
  26. Der Professor erklärte im Nachhinein, er habe den Link zum Bekenner*innenschreiben durch eine Aufforderung "von oben" löschen müssen. Dies hat uns* sehr verwundert, da dieser Link bis heute in den unterschiedlichen Moodle-Foren sowohl von Kursleitxs, wie Teilnehmxs geteilt worden ist und nicht entfernt wurde. Verwunderlich auch, dass der Professor, der später angab, selbst gar nicht zu wissen was er da gelöscht habe, derart wütend über den Link zu sein schien.
  27.  
  28. Um das Verbot des kritischen Hinterfragens von Texten abzuwenden, hatte die damalige wissen_schaft_liche Mitarbeiterin des Professors, einen "runden Tisch" zur Klärung zwischen dixs Studierxs und ihm vorgeschlagen. Dixs Studierxs haben dem zugestimmt. Nach mehreren Gesprächen zwischen der wissen_schaft_lichen Mitarbeiterin und dem Professor hat jedoch dieser den runden Tisch abgesagt, ihr Vorhaben blieb also erfolglos. Auch hier behauptete der Professor im Nachhinein, das Gegenteil sei der Fall gewesen, es seien dixs Studierxs gewesen, dixs angeblich kein klärendes Gespräch gewollt hätten.
  29.  
  30. Am 06.01.2014 dann schlug der Professor allen Besuchxs vor, eine schriftliche wissen_schaft_liche Arbeit zu ihren Anregungen zu verfassen, die dann nach Ende der Vorlesung eingereicht werden solle. Sie sollte die nun verbotenen Fragestellungen und die Kritik ersetzen. Dies lehnten nicht nur dixs Studierxs, sondern auch wir* als Gruppe ab, weil diese Arbeit in unserem* Verständnis mit einem unzumutbaren Mehraufwand für diskriminiert Positionierte verbunden gewesen wäre, für den es weder Studienpunkte noch eine entgeltliche Ent_schädigung gegeben hätte und dies an der aktuellen Situation nichts mehr hätte ändern können. Kritik wäre so also auf nach der Vorlesung verschoben worden, individualisiert worden und nicht Teil kritischer kollektiver Wissen_s_bild_ung gewesen.
  31.  
  32. Da wir* der Meinung sind, dass Rassismus_Ableismus_Genderismus-Kritik3 von allen gehört werden muss und nicht von einem Professor hinter verschlossenen Türen wegdiskutiert und in Schubladen oder gar schlimmer in Reisswölfen verschwinden darf, haben wir* einen offenen Brief geschrieben, der sowohl in der Uni aushing, als auch auf der Homepage des "AK UniWatch - gegen Rassismus in unseren Räumen" (http://akuniwatch.wordpress.com) veröffentlicht wurde.
  33.  
  34.  
  35. Wir* möchten Ihnen nun stichprobenartig schildern, was unter anderem in der Vorlesung geschah und worauf unser* Brief Bezug nahm.
  36.  
  37. Der Professor teilte dixs Besuchxs bereits zu Beginn des Semesters mit, dass Rassismus_Genderismus_Ableismus mit den Erziehungwissen_schaften nichts zu tun hätte. Eine für uns* haltlose Behauptung. Nicht nur im Hinblick_mit Aufmerksamkeit4 auf die bisher dort gelesenen AutorInnen ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, sondern auch weil alle Teilnehmxs in unterschiedlicher Weise privilegiert und diskriminiert sind und es unumgänglich ist, sich mit eigenen Privilegien auseinanderzusetzen, um ein gewaltarmes Miteinander auch in der Universität zu gewährleisten.
  38.  
  39. Auch wollen wir* darauf hinweisen, dass "gender" nicht ein Thema ist! Alle Diskriminierungen hängen miteinander zusammen, sie sind interdependent. Des Weiteren lässt sich die Kritik nicht auf eine einzige Meinung_Person und nicht auf einen einzigen Stand_Sitz_Liege_punkt beschränken.
  40.  
  41. Der Professor hat dixs kritischen Studierxs auch den Vorwurf gemacht, sie hätten sich thematisch nicht mit den AutorInnen und deren Theorien auseinandergesetzt. Diesen Vorwurf weisen wir* stark zurück, da durch die Anmerkungen innerhalb der Vorlesung jederzeit ein konkreter Bezug zu einzelnen Textabschnitten bzw. bestimmten Ideen hergestellt wurde. Die Texte wurden gelesen, es wurde sich damit beschäftigt und sie wurden kritisch reflektiert. Sollte das nicht eines der Ziele innerhalb der Erziehungswissen_schaften sein?
  42.  
  43. Zudem sind es besonders diese Aspekte, die bei den in der Vorlesung behandelten AutorInnen und deren Theorien oft problematisch sind: Kant geht von dem Paradoxon aus, dass der Mensch erst zum Menschen werde durch Erziehung (vgl. Kant, 1803). Dabei sind, nach dessen Auffassung, Mittel von physischer und psychischer Gewalt, die das Kind unterdrücken und verletzen, legitim, wenn dies zum Ziel der Mündigkeit führen soll_kann (vgl. Kant, 1803). Rousseau schreibt in einem Text, den dixs Studierxs als Pflichtlektüre zur Vorlesung zur Verfügung gestellt bekamen, was mit einem Kind geschehen soll, das seine Mutter nicht achtet: " [...] dann sollte man dies Ungeheuer, das des Lichtes nicht würdig ist, vernichten" (Rousseau, 1762). Zudem ist Rousseau in "Emile" der Ansicht, dass ein Kind, das mehrmals Scheiben eingeschlagen hat "in ein dunkles Zimmer ohne Fenster" (Rousseau, 1762) einzuschließen ist. Ist das nicht Gewalt? Ist das nicht Unterdrückung? Ist das nicht Diskriminierung? Diese adultistischen Gewalthandlungen wurden nicht als solche benannt. Auch wurde weitergehend nicht auf sie eingegangen, sie zumindest historisiert, sondern sie wurden verallgemeinert.
  44.  
  45. Was wir* und dixs Studierxs kritisieren, ist zum Beispiel die Re_produktion von problematischen Wörtern wie zwei Be_griffe die mit "W" und "S" beginnen, wir* aber nicht re_produzieren wollen, da diese kolonialrassistisch und somit diskriminierend für Schwarze und People of Color und gleichzeitig privilegierend für weiße Menschen sind. Sowohl Kant und Humboldt, als auch Rousseau benutzten diese Worte häufig und auch der Professor benutzte diese in der Vorlesung. Auf den Hinweis des rassistischen Hintergrunds dieser W_orte antwortete dieser mit Bagatellisierung und Verneinung des Sachverhalts.
  46.  
  47. Ein weiteres Beispiel ist das unkritische Re_produzieren von stereotypen Geschlechterbildern und "gesunden Körpern"- hier wurden die Autoren nicht innerhalb des problematischen historischen Kontextes betrachtet, sondern aus diesem herausgelöst. Diese Vorgehensweise führt unweigerlich zu dem problematischen Kontext der heutigen Gesellschaft.
  48. So wurde bei Kant vom "Menschheitsideal" gesprochen. Als jedoch von Studierxs angemerkt wurde, dass Kant keineswegs von "allen Menschen" ausgeht, was eingebettet in den historischen andro_eurozentrischen5 Kontext offensichtlich scheint, wurde dies vom Professor mit der Anmerkung abgetan, dass es ja um das "Menschheitsideal" ginge, auch wenn Kant nicht alle Menschen meine. Ähnlich problematisch und trotz Er_wähnung leider unhinterfragt geblieben ist Rousseaus und Bourdieus "Frauenbild", indem Frauiserte als Gegenstände dar_ge_stellt_setzt_legt werden, die besessen und getauscht werden könnten und nur durch den Zweck der Heirat mit einem Typisierten ihre Daseinsberechtigung in den Texten erhalten.
  49.  
  50. Auch Platon oder Humboldt, der kolonialrassistische Reisen unternahm, sind nicht außerhalb ihres problematischen historischen Kontextes zu betrachten. Genauso wenig sind sie außerhalb ihrer heutigen zumeist durchgängigen unkritischen Einlesung, die sie als "zeitlos" und zeitübergreifend "wichtig" herstellen zu betrachten, denn auf diese Weise werden ihre massiven Diskriminierungen re_produziert und autorisiert. Diese Autoren unabhängig davon verstehen zu wollen, das erscheint uns* unwissen_schaft_lich. Gleichzeitig führt diese Ent_nennung der weißen_ableisierten_typisierten Norm zu einer Ent_wahrnehmung von Diskriminierungen.
  51.  
  52. Es muss möglich sein, dass sich mit Autoxs und dixs Theorien auseinandergesetzt wird und gleichzeitig historische, historisierende, problematische und diskriminierende Aspekte dixs Theorien benannt werden, damit ein möglichst umfassendes Bild_Verständnis zu diesen Menschen und deren Theorien erlangt werden kann. Dies kann und muss auch im Format einer Vorlesung möglich sein, besonders dann, wenn auf teilweise problematische Theorien unkritisch Bezug genommen werden soll.
  53.  
  54. Auch kritisieren wir* stark den respektlosen Umgang des Professors mit einigen kritischen Stimmen in der Vorlesung, als Antw_ort auf deren mehr als angebrachten W_ort_meldungen. Nicht nur war seinen W_orten deutlich anzumerken, wie schnell er darüber hinweg gehen wollte und wie unbequem ihm die Fragen zu sein schienen. Auch ging er in seinen Antw_orten auf die gestellten Fragen inhaltlich kaum ein. Wir* sehen hierin ein männliches_dominantes Redeverhalten und somit genderistische Verletzungen.
  55.  
  56.  
  57. Obwohl dieser Intervention durch den offenen Brief von uns*, der Gruppe "Wissen gegen Ignoranz" (Nicht "Wissen im Widerstand" → Trotz großer Solidaritätsbekundung an dieser Stelle; Nein, das sind wir* nicht. Oder gar "Gruppe gegen Intoleranz" → Solche Verunglimpfungen möchten wir* auch bitten zu unterlassen, da der Be_griff der Toleranz in unserem* Verständnis hochproblematisch ist), bereits ein inhaltlicher Kommentar vorangegangen ist, soll erneut versucht werden zu erklären, warum diese Form der Intervention von uns* organisiert und von Unterstützxs durchgeführt wurde.
  58.  
  59. Wir* hoffen nun unseren* Stand_Sitz_Liegepunkt noch einmal klar und verständlich machen zu können.
  60.  
  61. Beim Schreiben des offenen Briefes ging es auch darum, mitzuteilen wie wir* diese Vorlesung erleben. Aus unterschiedlichen Positionierungen und Ver_ortungen heraus ergeben sich immer auch unterschiedliche Sicht_Fühl_Wahrnehmungs_weisen.
  62. Das Konzept von sozialen Positionierungen geht davon aus, dass je nach eigener Positionierung Dinge unterschiedlich wahrgenommen werden. Ein Beispiel für eine soziale Positionierung wäre es festzustellen_setzen_legen: Ich bin cis*männlich, weiß, heterosexuell, ableisiert und aus der Mittelklasse (statisiert). Das würde bedeuten, dass diese Person im Bezug auf Rassismus_Ableismus_Genderismus_Klassismus privilegiert ist. Wenn diese Person sich kritisch ver_ortet (und das geschieht weder über eine reine Voranstellung genannter Be_griff_lichkeiten, noch über eine bloße Nennung der folgenden Labels, sondern über Handlungen), kann diese Person contra_rassistisch, contra_ableistisch, contra_genderistisch und contra_klassistisch handeln. Bei kritischen Ver_ortungen geht es nicht um "Seinszustände", die essentialistisch sind, sondern ihnen liegt der Ansatz der Performativität zu Grunde. Die Ver_ortung ist also nur konkret situativ über contra_/anti-ver_ort_ete Handlungen möglich und nicht unbedingt dauerhaft (vgl. Tudor, A. (2011) feminismus w_orten lernen - Praktiken kritischer Ver_Ortung in feministischen Wissensproduktionen In: AK Feministische Sprachpraxis (Hrsgxs): Feminismus schreiben lernen. Frankfurt am Main, Brandes & Apsel Verlag GmbH, S. 57-99).
  63. Welche Privilegierungen ein Mensch besitzt, hat nichts mit einer inneren Haltung, Meinung oder dessen persönlichen Geschichte zu tun. Privilegierungen bekommt ein Mensch von der Gesellschaft, je genormter ein Mensch eingelesen werden kann, desto mehr Privilegien hat dieser. Keine Person kann diese ablegen, aber alle müssen die Verantwortung für ihre Privilegien
  64. übernehmen. Hier ist es uns* ein besonderes Anliegen noch einmal darauf hinzuweisen, dass eine bloße Nennung der eigenen privilegierten Positionierung keine nichtdiskriminierende Handlung dar_stellt_sitzt_legt, sondern vielmehr lediglich eigene Privilegierungen re_produziert und somit eine Diskriminierung anderer bedeutet (vgl. Tudor ebd.). Das Ziel sollte es sein, dass alle Menschen gleichen Zugang zu Privilegierungen erhalten.
  65.  
  66. Rassismus_Ableismus_Genderismus ist zu unserem großen Bedauern allgegenwärtig. Gerade in Kontexten wie der Hochschule wird dies oft ignoriert. Eigene Täterinn_en*schaft wird verneint, wenn Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie weiß sind, wird dies als Beleidigung empfunden, wenn rassistische_ableistische_genderistische Sprachhandlungen benannt und adressiert werden, wird dies mit W_orten wie "Rufmord" bedacht. All das zeigt all zu deutlich, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt und nicht, wie es häufig angeführt wurde_wird, um ein persönliches. Deshalb ist es vor allem in diesen Kontexten von essentieller Wichtigkeit auf diese Strukturen hinzuweisen und gegen diese zu intervenieren.
  67.  
  68. Es erreichte uns die Frage, warum Studierxs mitprotestiert hätten, die die Vorlesung nicht besucht hätten, diese seien ja schließlich nicht betroffen und hätten die Vorgeschichte nicht miterlebt. Wir* fragen uns*, wie ein solch tief klassistisches_ableistisches_migratistisches_rassistisches_genderistisches Denken tatsächlich Bestand haben kann. Es handelt sich bei der Vorlesung um eine der ersten, die angehende Erziehungswissen_schaftlxs besuchen, die also Weichen für xs Studium stellt_setzt_legt und xs Ansichten mitprägt. Diese Erziehungswissen_schaftlxs, dixs es durchaus auch anstreben als Erziehxs und_oder Betreuxs innerhalb der Gesellschaft tätig zu sein, verlangen nun also tatsächlich, dass Teile dieser Gesellschaft in einer Debatte um Antidiskriminierungsfragen nicht mitreden und demonstrieren dürfen, wenn sie nicht die Barrieren eines zulassungsbeschränkten Studienganges einer "Exzellenzuniversität" überwunden haben? Wie bereits ausgeführt, das Problem ist ein strukturelles und beschränkt sich nicht auf einen angeblich privaten Bereich von Einzelpersonen. Auch wird so vermieden, weitergehende Ausschlussmechanismen zu reflektieren, die u.a. auch dazu führen können, dass diskriminierte Personen sich diese Vorlesung nicht antun wollen oder können.
  69.  
  70.  
  71. Auf unseren* Brief folgte eine Stellungnahme des Professors, welche er als 20 minütige Ansprache in der Vorlesung hielt und welche noch heute in Schriftform zum Download im Moodle-Nachrichten-Forum bereit steht_sitzt_liegt.
  72.  
  73. Bezüglich dieser Stellungnahme und anderen Aussagen wollen wir* an dieser Stelle deutlich machen, dass uns* Vorwürfe gemacht werden, die aus unserer Perspektive nicht berechtigt sind.
  74.  
  75. Die Stellungnahme des Professors auf den offenen Brief beginnt bereits mit einer cis*genderistischen Diskriminierung, da unsere* Selbstbezeichung nicht beachtet wurde.
  76.  
  77. Ferner stolperten wir* in der Stellungnahme sehr über den Satz: "Welcher Pädagoge hat nicht das Ziel, eine Erziehung zu ermöglichen, die frei von Unterdrückung, Gewalt, Diskriminierung und Ressentiment ist und daher Pluralität und Reflexivität wichtig sind?" Auch in diesem Satz wird eine sehr offensichtliche Diskriminierung vorgenommen, denn es gibt nicht nur sich männlich definierende Pädagogen, warum ist also nur deren Aussage wichtig? Solch nett gemeinte Formulierungen bedeuten leider wenig, wenn ihnen keine Taten folgen.
  78.  
  79. Der Vorwurf an dixs Studierxs und uns*, wir* hätten einen Dialog nicht gewollt, ist sowohl hinsichtlich des von dem Professor nicht gewünschten „runden Tisches“, als auch der von uns angegebenen Kontaktadresse nicht haltbar. Auf der bis zum heutigen Tag, zwar viel Fanpost (An dieser Stelle DANKE an alle unsere* Unterstützxs, ohne Euch wäre diese Arbeit viel schwerer!) jedoch keine Kontaktaufnahme des Professors zu verzeichnen ist. Auch für das Referat für AntiRassismus ist er nicht erreichbar gewesen.
  80.  
  81. Zudem warf der Professor uns* in seiner Stellungnahme vor, unser* offener Brief enthalte Drohungen. Dies stimmt so nicht, er enthält Forderungen. Forderungen, auf die bis heute weder eingegangen wurde, noch eine Antwort bei uns* eingegangen ist.
  82.  
  83. In Reaktionen auf die Forderungen des offenen Briefes tauchte auch ein mehr als problematisches Argument, seitens einer weißen Studentin, auf. "Wir" könnten "unsere" Geschichte ja nicht mehr er_forschen, wenn "wir" diese Autoren nicht mehr lesen würden, schrieb sie. Wir* fragen, wex denn in diesem Argument das "wir" ist. Aussagen wie diese setzen das weiße Europa als allgemeingültige Norm und ent_erwähnen auf diese Weise Schwarzes und PoC Wissen, welches durchaus auch andere Auffassungen von Pädagogiken hat. Auch erbitten wir* ausdrücklich eine Er_forschung solch eurozentrischer Texte und zwar eine kritische, die nicht gleichzeitig europäische Normen re_zentriert.
  84.  
  85. Außerdem kam es wohl bezüglich der Forderungen zu einigen Missverständnissen. Es ging nicht darum, die Texte in der Vorlesung komplett zu verändern. Zum einen ging es um eine kritische Auseinandersetzung mit deren Inhalten und AutorInnen. Zum anderen ging es darum, eine größere Vielfalt an Texten anzubieten, die die Diversität verschiedener Lebensrealitäten widerspiegeln. Das ist es, was eine Einführungsvorlesung unserem* Verständnis nach tun sollte: einen Rundumblick, anstatt eines andro_eurozentrischen, monolithischen und explizit unkritischen Blicks bieten. Davon gibt es sicherlich auch für das Format einer Einführungsvorlesung geeignete Texte, die nicht nur aus einer weißen und meist typisierten Positionierung heraus geschrieben wurden, beispielsweise die Publikationen von Prof. Dr. Maureen Maisha Eggers, die Professorin für Kindheit und Differenz (Diversity Studies) an der Hochschule Magdeburg-Stendal im Studiengang Angewandte Kindheitswissenschaften ist und von 2005 bis 2008 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien (ZtG) und Lehrbeauftragte am Institut für Erziehungswissenschaften der HU war. Ihre Dissertation schrieb sie zum Thema „Rassifizierung und kindliches Machtempfinden“ 2005 an der Philosophischen Fakultät der Universität Kiel. Außerdem ist seit 1993 aktivistisch bei ADEFRA, Schwarze Frauen in Deutschland verortet. Sie publizierte beispielsweise im Jahre 2013 Diversität und Intersektionalität – Thematisierungen von Gleichheit und Differenz in der rassismuskritischen Jugend- und Bildungsarbeit. (In: Landeshauptstadt München Direktorium, Antidiskriminierungsstelle für Menschen mit Migrationshintergrund, AMIGRA München (Hrsgxs): Dokumentation Fachtagung Rassismuskritische Bildungs- und Soziale Arbeit. 23.03.12 München.) und zuvor im Jahr 2012 Gleichheit und Differenz in der frühkindlichen Bildung – Was kann Diversität leisten? (In: Brilling, Julia/Gregull, Elisabeth; Heinrich-Böll- Stiftung (Hrsgxs): DOSSIER Diversität und Kindheit - Frühkindliche Bildung, Vielfalt und Inklusion). Bereits im Jahr 2009 brachte sie gemeinsam mit Susan Arndt, Grada Kilomba und Peggy Piesche Mythen, Masken und Subjekte - Kritische Weißseinsforschung in Deutschland heraus, welches unter anderem den Beitrag Weißsein und Erziehungswissenschaft von Prof. Dr. Astrid Albrecht-Heide (i.R.) enthält. Auch sind die Schriften Rabindranath Tagores und die Arbeiten von Dr. Christine Kupfer über ihn, wie beispielsweise Bildung zum Weltmenschen. Rabindranath Tagores Philosophie und Pädagogik, hochinteressant. Ebenfalls äußerst lesenswert Teaching to Transgress: Education as the Practice of Freedom von bell hooks, einer afroamerikanischen Literaturwissenschaftlerin und Verfechterin feministischer und antirassistischer Ansätze. Auch Paulo Freire, der ein Pädagoge der Befreiung aus Brasilien war und dessen Lebenswerk ein Versuch ist durch Volksbildung einen Beitrag zur Befreiung der Unterdrückten zu leisten, ist es wert behandelt zu werden.
  86.  
  87. Besonders ist uns aufgefallen, dass es in der Stellungnahme des Professor um Pluralität geht, die er herzustellen glaubt. Wie aber soll diese entstehen, wenn Kritik verboten oder zensiert wird? Wenn Kritik nur "freundlich" und nicht "wütend" formuliert werden darf? Wenn fremdbestimmt wird, welche Kritik von wex angemessen ist und welche Kritik gar keine Berechtigung bekommt, da sie unbegründet und kategorisch als "dogmatisch" und "unwissenschaftlich" abgetan wird? Und wex bestimmt, wie über was diskutiert werden darf und was "inhaltsfern" ist?
  88.  
  89. Ferner hat es uns* sehr gewundert, dass zum Thema Rassismus Foucaults Vorträge am Collège de France (übrigens eine Uni, die nach einer Studierxsrevolte gegründet wurde) zitiert werden, um zu erklären, dass Rassismus erst ab 1850 genannt wird und daher erst ab dann von Wichtigkeit ist. In einer vorangegangen Sitzung gab der Professor bereits an, dass es aus diesem Grund falsch sei Textinhalte und Autoxs vor dieser Zeit als rassistisch zu benennen.
  90. Hier schrieb Foucault aber:
  91.  
  92. „Für mich geht es im Moment nicht darum, eine Geschichte des Rassismus im allgemeinen und traditionellen Sinn des Begriffs zu skizzieren. […]Das Problem, das ich aufwerfen wollte, ist ein anderes und betrifft weder den Rassismus noch in erster Linie die [kolonialrassistischer Be_griff].“
  93. (Foucault, M. (1999) In Verteidigung der Gesellschaft. Vorträge am College France (1975-76). Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag, S. 105)
  94.  
  95. Hier geht es um die Geschichte der Gouvernementalität, nicht um die Geschichte des Rassismus.
  96.  
  97. An dieser Stelle eine Definition von Rassismus, die uns* zeitlos erscheint, von Grada Kilomba:
  98.  
  99. "Racism is attended by three simulatneous features: first, the construction of differende; one is seen as ´different´ due to one´s racial and/ or religious belonging. [...] All those who are not white are constructed as ´different´. [...] Second, these constructed differences are inseparably linked to hierarchical values. [...] Finally, both processes are accompanied by power - historical, political, social and economical power. [...] And in this sense, racism is white supremacy."
  100. (Kilomba, G. (2008) Plantation Memories: Episodes of Everyday Racism. Münster, Unrast Verlag, S. 42)
  101.  
  102. Warum wird zum Thema Rassismus keine Quelle von Schwarzen Autoxs oder Autoxs of Color, dixs sich antirassistisch ver_orten und zur Geschichte von Rassismus schreiben, genutzt? Warum darf ein weißer Mensch entscheiden was Rassismus ist, ab wann es ihn gibt und wie er funktioniert? So etwas nennt mensch weiße Diskursmacht, eines der Dinge, die wir* kritisieren.
  103.  
  104. Der Professor führte weiterhin in seiner Stellungnahme an, dass er die Schweigsamkeit der anwesenden "Mehrheit" als Zustimmung für seine Position einliest und forderte diese daher am Ende seines Vortrags auf, nun nicht länger zu schweigen, sondern öffentlich deutlich Kritik an uns* zu üben.
  105. Wir* finden es unangebracht, die Schweigsamkeit zu vereinnahmen, indem davon ausgegangen wird, schweigsame Personen würden kritische Diskussionen nicht wünschen und finden es gewaltvoll, Menschen die schweigsam sind in die Situation zu drängen, nun dieser Zuschreibung erst widersprechen_gebärden_schreiben zu müssen.
  106.  
  107. Auch ist es uns* ein besonderes Anliegen hier selbst einmal auf das Schweigen in den Hörsäalen und Seminarräumen aufmerksam zu machen. Das Schweigen all derer, die nicht dort sein können, weil die Gesellschaft ihnen unüberwindbare Barrieren in ihren Lebensweg stellt und ihnen so die Möglichkeit genommen wird, an diesen Orten zu sprechen. Wir* fordern Sie dazu auf, diesem Schweigen einmal aktiv zuzuhören.
  108.  
  109. Stattdessen hat der Professsor uns* mehrfach dazu aufgefordert doch einfach nicht an seiner Vorlesung teilzunehmen, wenn diese uns* "nicht gefalle", um dann auch über unser* Schweigen-durch-Abwesenheit besser hinweg gehen zu können. Wir* werden nicht zulassen, dass die überprivilegierte Mehrheit im Hörsaal aufgrund solcher Methoden und Aussagen, wie der Professor sie tätigt, zu einer noch stärkeren erwächst.
  110.  
  111. Für uns* zeigt die Stellungnahme des Professors insgesamt große Schwächen. Liest mensch diese genau, hat mensch den Eindruck, dass die Argumentation des Professors sich selbst dekonstruiert. Einerseits degradiert der Professor widerständiges Wissen zu einer Meinung, andererseits geht er davon aus, dass diskriminiert Positionierte ein hohes Maß an Macht inne hätten. Eine Unterstellung von der er sich zu der Anklage an uns* hinreißen lässt, wir* würden ihn diskriminieren. Herr Professor, umgedrehte Diskriminierung existiert nicht.
  112. Des Weiteren finden sich in seiner Rede sowohl rassistische Farbanalogien, als auch eine zutiefst migratistische_rassistische_klassistische Ansicht von Mitspracherecht, welches auf "Bürgerrecht" fuße, welches wiederum bloße Meinungen in der Wissen_schaft nicht hätten. All diese Annahmen dienen dem Professor lediglich zur Re_stabilisierung der eigenen Macht und sind somit diskriminierend. Er diskriminiert also unablässig, während er erklärt, warum auch für ihn Diskriminierungen ein wichtiges Thema seien und zieht hierfür Quellen heran, die eigentlich ihn und sein Verhalten anklagen. Noch einmal zur Erinnerung, während er dies tut, steht er mit Mikrofon und dem alleinigen Rederecht vor dixs Besuchxs der Vorlesung, welche er nach seiner Ansprache vorzeitig beendet ohne Fragen bezüglich seines Vortrages zuzulassen.
  113. Wir* glauben, dass diese Umstände der Grund dafür sein könnten, dass er sich ausbat seine Stellungnahme nicht außerhalb der Vorlesung zu verbreiten.
  114.  
  115.  
  116. Nach der Stellungnahme haben wir* uns* für die Intervention entschieden, um ein Zeichen gegen die Re_produktion von Rassismen_Genderismen_Ableismen und Kritikverbote, auch in der Hochschule, zu setzen.
  117.  
  118. Was nach der Intervention geschah
  119.  
  120. Es fühlten sich einige StudentInnen nach Bekanntwerden der Vorfälle in der Vorlesung, wie beispielsweise des Polizeieinsatzes bei der Intervention, durch die Pressemitteilung des RefRats (gesetzl. AStA) der HUB (http://www.refrat.de/article/8765.html?1392295730) dazu berufen Gegendarstellungen über verschiedenste Kanäle, auch außerhalb der Universität, zu verbreiten. Dies war sicherlich auch von der Stellungnahme des Professors zu unserem* offenen Brief inspiriert, an deren Ende er, wie bereits erwähnt, zu deutlicher öffentlicher Kritik an uns* aufgerufen hatte. In den Emails der StudentInnen wurden contra_/antidiskriminierende, widerständige Handlungen negativ bewertet und durch das Innehaben der "Mehrheitsmeinung" legitimiert. Dies führte wiederum zu zahlreichen Verletzungen all derer, die diskriminiert positioniert sind und diesen diskriminierenden Ideologien auf diesen Wegen erneut ausgesetzt waren_sind. An dieser Stelle möchten wir* unser* Mitgefühl für diese Menschen aussprechen.
  121.  
  122.  
  123. Zu einigen Aussagen von StudentInnen möchten wir* jetzt Stellung_Sitzung_Liegung nehmen.
  124.  
  125. Neben adultistischen Beleidigungen (und das von angehenden PädagogInnen!), tauchte häufiger der Vorwurf der Aggressivität auf.
  126. Wenn ausschließlich Privilegierte bestimmen, auf welche Art und Weise über Diskriminierungen gesprochen werden darf, wird es nie eine Auseinandersetzung mit diesen Themen geben. Denn das Ausweichen auf solche Nebenschauplätze dient einzig des Ablenkens von der Beschäftigung mit der Thematik. Wissen_schaft ist immer auch mit Emotionen verknüpft und auch Diskussionen sind emotional, aber deshalb darf den Aussagen nicht ihr Wert genommen werden! Sich mit Privilegierungen und Diskriminierungen auseinander zu setzen ist ebenfalls emotional. Die Behauptung, Emotionen seien in der Wissen_schaft "abstellbar" und wären dort unangebracht, ist ebenfalls Teil eines weißen_männlichen Wissen_schafts_mythos und ebenso Teil der Unterdrückungsstrategie, Menschen denen Emotionalität zugeschrieben wird, nämlich Frauisierte, als wissenschaftsunfähig und irrational zu bestimmen. In dieser Logik weitergedacht ist nur weiße_ableisierte Männlichkeit objektiv. Wer aber privilegiert ist, steht nicht außerhalb der
  127. Unterdrückungsmechanismen, kann also nicht objektiv sein. Hier stellt_setzt_legt sich uns* auch die Frage, wex bestimmen darf, was überhaupt aggressiv ist? Warum wird das Verbieten von kritischen Stimmen nicht als aggressiv eingelesen? Das also, was als aggressiv bewertet wird und was nicht ist auch geprägt von hegemonialen Machtverhältnissen. Nicht diejenigen, die auf Rassismus_Ableismus_Genderismus re_agieren sind aggressiv, Rassismus_Ableismus_Genderismus ist aggressiv! In der Argumentation gegen diejenigen, die dagegen re_agieren, findet auch diese Umdrehung der Verhältnisse kontinuierlich statt.
  128.  
  129. Im Moodle-Forum der Vorlesung, Sie erinnern sich, jenes welches unter der Zensur des Professors steht, tauchten als Re_aktionen neben persönlichen Beleidigungen gegen einzelne Protestierxs und ableistischen_genderistischen Diskriminierungen sogar das Statement eines nach eigener Aussage "männlich weißen hetero Deutschen" Studenten auf, der sich als "kein Rassist" bezeichnet. Nicht nur, dass wir* uns* fragen was "männlich" denn heißen soll, auch schreibt dieser Student im Anschluss daran den Be_griff 'N' nicht nur zweimal aus, sondern verteidigt auch gleich, warum er das dürfe und er es auch weiterhin immer so tun werde. Seine Begründung: Er wisse diesen Be_griff historisch einzuordnen. Auch zieht der Student einen Nazi-Vergleich zu den Protestierxs heran, um nach eigener Aussage "den Hasen aus dem Bau zu locken". Ein solcher Vergleich stellt_setzt_legt eine Respektlosigkeit gegenüber Allen dar, die unter dem Nazi-Regime gelitten haben, stigmatisiert, rassifiziert, als nicht mehr deutsch hergestellt, antisemitisch verfolgt, gefoltert und ermordet wurden, wie einx Protestierx dort ganz richtig zur Antwort gab. Selbx Studierx forderte besagten Studenten dazu auf, sich für diese Sprachhandlung öffentlich bei eben jenen zu entschuldigen. Ferner wurde er dazu aufgefordert, sich sowohl für die von ihm getätigten kolonialrassistischen, als auch für die ableistischen_genderistischen Diskriminierungen zu entschuldigen. All dies geschah bis dato nicht.
  130.  
  131. Wir* fragen uns*, warum ein Link zu einem Bekenner*innenschreiben der Gruppe "Wissen im Widerstand" und andere Beiträge im Moodel-Forum vom Professor gelöscht wurden, beim Ausschreiben des Be_griffs 'N' und bei einem Nazi-Vergleich aber nicht eingegriffen wird?
  132.  
  133. In unserer* Sicht_Tast_Wahrnehmungs_weise spiegelt sich im Vorgehen des Professors ein Mangel an Selbstreflektion und ein scheinbarer Unwille, Wissen außerhalb gesetzter Normen als wichtig anzuerkennen, ja sogar die Absicht solches Wissen mit allen Mitteln zu unterbinden und zu bekämpfen, wieder. Ferner sehen wir* in dem Verhalten der selbsternannten "Mehrheit der StundentInnen" ein beunruhigendes Beispiel für unhinterfragte Autoritätenhörigkeit und wie leicht diese zu Hass gegen Andersdenkxs gesteuert werden kann. Da sich von offizieller Seite bisher dazu mit uns* nicht in Verbindung gesetzt wurde, aber bereits Halbwahrheiten vor dixs Versammelxs des Akademischen Senats vorgebracht wurden, müssen wir* hier von einer Deckelung der Vorkommnisse seitens der HU ausgehen. So kommen wir* letztlich zu unseren* aktuellen Forderungen:
  134.  
  135.  
  136. Wir* fordern die Leitung der HU erneut zur Prüfung der Geschehnisse mit anschließender Berichterstattung an uns* auf. Für Fragen, die zur Klärung des Sachverhaltes dienen, stehen wir* Ihnen gern jederzeit über unsere* E-Mail-Adresse zur Verfügung.
  137.  
  138. Weiter fordern wir* die Leitung der HU dazu auf, den Professor daran zu hindern diese Vorlesung in dieser Art erneut zu halten. Denn auch Sie sind für die Verletzungen, die dort entstanden sind und weiter entstehen würden verantwortlich. Entweder der Professor sieht_tastet_wahrnimmt sich dazu bereit sich fortzubilden und reflektieren zu lernen, indem er regelmäßig und aktiv an critical whiteness und anderen Diversity Workshops (sowie critical maleness, critical cis*ness, critical straightness und critical abledness) teilnimmt oder er ist durch eine antirassistisch ver_ortete Person zu ersetzen, die bereits für interdependente Diskriminierungsmechanismen sensibilisiert ist. Um hier Missverständnisse zu vermeiden, mit antirassistischer kritischer Ver_ortung sind ausschließlich Schwarze Personen und PoC gemeint.
  139.  
  140. Ferner fordern wir* den Professor dazu auf, sich öffentlich bei uns* und dixs von ihm denunzierten Studierxs für die getätigten Diskriminierungen, Beleidigungen und seinen respektlosen Umgang zu entschuldigen.
  141.  
  142.  
  143. Unsere* Intervention hat ein weiteres Zeichen gegen Unterdrückung auch in der Hochschule gesetzt.
  144.  
  145. Wir* wollen lernen - aber nicht nur von Theoretikern, die immer wieder nur aus derselben Perspektive heraus schreiben und dabei diskriminierende und ausschließende Mechanismen re_produzieren und so ent_wahrnehmbar machen.
  146.  
  147. Wir* wollen auch im ersten Semester nicht nur auf Theorien Bezug nehmen können, die Menschen von Anfang an ausschließen, deren Grundlage es ist, Menschen müssten zu ebendiesen erst werden, wobei immer impliziert wird, das einige dies "von Natur aus" gar nicht könnten und die ein Frauen- und Kinderbild vertreten, welches von Gewalt und Unterdrückung durchzogen ist.
  148.  
  149. Wir* wollen lernen- aber nicht in einer Umgebung voller diskriminierender Gewalttaten, die nicht nur gewünscht erscheinen, sondern auch noch gefördert werden, denn in solch einer Umgebung, wie der Professor sie mit_geschaffen hat, ist Lernen nicht für Alle möglich!
  150.  
  151. Wir* lassen uns Kritik nicht verbieten!
  152.  
  153. Wir* wollen Inklusion!
  154.  
  155. Wir* sind Pädagogxs!
  156.  
  157.  
  158.  
  159. hochachtungsvoll
  160.  
  161. Wissen gegen Ignoranz
  162. (Kontakt: wissengegenignoranz@yahoo.de)
  163.  
  164.  
  165.  
  166. 1Wir* haben uns* für die x-Form entschieden, um Alle anzusprechen, ohne Positionierungen auszuschließen. Das x steht für die Durchkreuzung gegenderter Personenvorstellungen.
  167. 2Wir* schreiben unser* Personal- und unsere* Possessivpronomen mit einem Sternchen, weil wir* zum Ausdruck bringen möchten, dass wir* unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Meinungen sind, als Gruppe jedoch immer konsensuell entscheiden.
  168. 3Rassismus_Ableismus_Genderismus ist ein interdependent wirkender Mechanismus aus verschiedenen Ebenen struktureller Unterdrückungsmechanismen, dem gesellschaftlich konstruierte Vorstellungen von Hautfarbe, Gesundheit, Körper, Geschlecht, Begehren und Beziehung zugrunde liegen und der so täglich Ausschlüsse, Verletzungen und Gewalt produziert.
  169. 4Diese Form fordert ableistische Annahmen von gesunden Körpern heraus, indem sie darauf hinweist, dass ein Mensch nicht sehen können muss, um Wissen zu erlangen und sich daraufhin eine Meinung bilden zu können.
  170. 5Androzentrismus setzt das Männliche und Eurozentrismus das weiße Europa als Norm.
  171.  
  172.  
  173.  
  174.  
  175. Tipps zum Weiterlesen:
  176.  
  177.  
  178. Mythen, Masken und Subjekte - Kritische Weißseinsforschung in Deutschland
  179. Susan Arndt, Maureen Maisha Eggers, Grada Kilomba, Peggy Piesche (Hrsginnen)
  180.  
  181. Deutschland Schwarz Weiss - Der alltägliche Rassismus
  182. Noah Sow
  183.  
  184. Grenzenlos und unverschämt
  185. May Ayim
  186.  
  187. Die Farbe meiner Haut: Die Anti-Rassismustrainerin erzählt
  188. ManuEla Ritz
  189.  
  190. WAS TUN? Spachhandeln - Aber Wie? W_Ortungen statt Tatenlosigkeit! Anregungen zum Nachschlagen, Schreiben_Sprechen_Gebärden, Argumentieren, Inspirieren, Ausprobieren, Nachdenken, Umsetzen, Lesen_Zuhörn, antidiskriminierenden Sprachhandeln
  191. Broschüre der AG feministisch Sprachhandeln der HU zu Berlin (kostenlos im ZtG im 1. OG abholbar) oder online unter: http://feministisch-sprachhandeln.org
  192.  
  193. Am Anfang war Erziehung
  194. Alice Miller
  195. (A. Miller verwendet in diesem Buch den Begriff der "schwarzen Pädagogik" und der "weißen Pädagogik" von dem wir uns distanzieren wollen und den wir* problematisch finden, da beide Begriffe eine rassitische Farbsymbolik aufmachen. Miller warnt in dem Buch vor der Gefahr einer Pädagogik, die, ähnlich wie bei Kant, auf Unterdrückung des Kindes und der Ausübung von Macht durch jegliche Formen von Gewalt beruht und erklärt, wozu dies führt. Unter diesem Aspekt ist das Buch sehr lesenswert, wobei wir* die darin enthaltenen teilweise problematischen Anteile - Androgenderung, psychopathologisierende Ansätze - die sich leider in vielen pädagogischen Theorien finden, nicht verschweigen wollen)
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