Guest User

Untitled

a guest
Feb 12th, 2014
2,545
0
Never
Not a member of Pastebin yet? Sign Up, it unlocks many cool features!
text 5.01 KB | None | 0 0
  1. Von: "Referat fuer Hochschulpolitik RefRat HU Berlin" <[email protected]>
  2. Betreff: [hu-an-studis] PM: Kritisches Hinterfragen wird an der HU jetzt polizeilich unterbunden
  3. Datum: 11. Februar 2014 19:50:20 MEZ
  4. Antwort an: "Referat fuer Hochschulpolitik RefRat HU Berlin" <[email protected]>
  5.  
  6. 11.2.2014 Pressemitteilung:
  7.  
  8. Referat für AntiRassismus
  9. Referat für Hochschulpolitik
  10. Referat für queer_feminismus
  11. Referat für Lehre und Studium
  12. Referat für Soziales
  13. Referat für Ökologie und Umweltschutz
  14. Referat für Studierende mit Kind(ern)
  15. im Referent_innenRat (gesetzl. AStA) der HUB
  16.  
  17. Kontakt:
  18.  
  19. Vermittlung von Stereotypen und Vorurteilen in universitären Bereich
  20. Kritisches Hinterfragen wird an der HU jetzt polizeilich unterbunden
  21.  
  22.  
  23. Die Kritik mehrerer Student_innen an rassistischen Inhalten einer
  24. Vorlesung der Erziehungswissenschaften an der HUB ist am Montag in einem
  25. Polizeieinsatz gegipfelt.
  26. Die Kritik einer Gruppe Student_innen an Inhalten der Vorlesung bezog sich
  27. darauf, dass in der Vorlesung rassistische und anderweitig
  28. diskriminierende Teile aus Texten unkritisch gelehrt und sogar verteidigt
  29. wurden. Kolonialrassistische Begriffe aus Texten wurden wiederholt und
  30. dabei zwar als abwertend gekennzeichnet, aber nicht als rassistisch
  31. kontextualisiert. Das gleiche galt für sexistische Inhalte der Vorlesung,
  32. wie uns mitgeteilt wurde.
  33. Daraufhin luden Student*innen kritische Texte auf die Online-Lernplattform
  34. Moodle hoch.
  35. Der Professor drohte daraufhin zunächst mit der "Plattmachung des Forums",
  36. untersagte in der nächsten Vorlesung "zu kritische" Fragen und verlangte,
  37. dass nur noch "Verständnisfragen" gestellt werden.
  38. Im Laufe des Semesters entstand eine längere Auseinandersetzung zwischen
  39. Professor und kritischen Student_innen. Am Montag, den 10. Februar 2014
  40. fand in der Vorlesung eine lautstarke Intervention statt, die mit einem
  41. Polizeieinsatz endete.
  42.  
  43. "Es ist unglaublich. Das kritische Hinterfragen von Texten und die
  44. Auseinandersetzung mit Diskriminierung, gerade in den
  45. Erziehungswissenschaften, sollten zentrale Bestandteile unseres Studiums
  46. sein. Stattdessen aber wurde verboten, kritische Gedanken zu äußern. Uns
  47. wurde unterstellt, ein drohendes Verhalten zu haben. Auch unsere
  48. Emailadresse wurde offensichtlich gehackt und nun taucht die Polizei in
  49. der Vorlesung auf", sagt eine der Protestierenden, die ungenannt bleiben
  50. möchte.
  51. "Die Verortung und die geschichtlichen Umstände, in denen Autor_innen
  52. gelebt haben, müssen benannt werden, um eine vielfältige
  53. Auseinandersetzung mit ihnen und ihren Erkenntnissen zu ermöglichen.
  54. Gerade weil diese Personen in ihren historischen und teilweise
  55. problematischen Kontext eingebettet sind, können bestimmte Aussagen dort
  56. nicht unreflektiert und unkritisch herausgelöst werden", sagt dazu eine
  57. Teilnehmer_in der Vorlesung.
  58. "Es mutet wie eine Realsatire an, dass kritisches Hinterfragen von Texten
  59. an der HU polizeilich unterbunden und durch einen Dozenten verboten wird",
  60. sagte Elisa Weidenhammer, Referentin für Hochschulpolitik im RefRat.
  61. Eine Beschwerde liegt bereits der Antidiskriminierungsstelle des Bundes vor.
  62.  
  63. -----------------------------
  64.  
  65. Bestimmte geschichtliche Ereignisse können zur Tradierung und
  66. Normalisierung bestimmter Stereotypen und Denkweisen führen, wenn diese
  67. unkritisch innerhalb von Seminaren und Vorlesungen behandelt werden.
  68. Weltweit anerkannte Philosoph_innen wie Hegel, Rousseau oder Kant
  69. verbreiteten aus einer eurozentristischen weißen Perspektive rassistische
  70. Ansichten - so seien die Bewohner_innen von Afrika nicht reif genug für
  71. die Freiheit, daher wäre es notwendig, dass sie von den Europäer_innen
  72. „erzogen“ werden (Ayim 1992: 35, vgl. ebd. 1997: 127).
  73. Diese Texte vermitteln [diffizile] Begriffe unreflektiert weiter;
  74. ebenfalls werden in unkritischer Form historische Ereignisse widergegeben.
  75. Das ist bedeutend für die Vermittlung von Normen, Identitäten und
  76. Machtverhältnissen und für die weitere Bildung von Denkweisen (vgl.
  77. Hornscheidt 2012).
  78. Eine unreflektierte Auseinandersetzung mit diesen Inhalten kann dazu
  79. führen, dass Diskriminierungen und Rassismen als Normalität re_produziert
  80. werden! Gleichzeitig macht ein Nichtbeschäftigen mit kritischem Wissen
  81. andere Perspektiven unsichtbar.
  82.  
  83. Im [universitären] Bildungsbereich sollte die Bildungs_politische
  84. Ver_pflichtung wahrgenommen werden, rassifizierende Inhalte, Texte,
  85. Sprach_handlungen, Normierungen etc. stets zu kritisieren und deren
  86. Re_produktion zu verhindern.
  87. Es sollte von allen angehenden Akademiker*innen (insbesondere im
  88. pädagogischen Bereich) verlangt werden, sich kritisch und aktiv mit diesen
  89. Inhalten auseinanderzusetzen, anstatt sie durch Polizeieinsätze zum
  90. Schweigen zu bringen.
  91.  
  92. Nichts legitimiert Rassismen, nichts legitimiert die Kolonialgeschichte,
  93. denn die Kolonialisierung unterstützte die Versklavung, Ausbeutung,
  94. Unterdrückung, Misshandlung und Ermordung von Menschen (vgl. Fanon 1981:
  95. 32).
Advertisement
Add Comment
Please, Sign In to add comment