Not a member of Pastebin yet?
Sign Up,
it unlocks many cool features!
- Sonntag, 29. September 2013
- Lieber Bundesvorstand,
- ich trete mit sofortiger Wirkung von meiner Thematischen Beauftragung für Inklusion und Menschen
- mit Behinderungen in der Piratenpartei Deutschland zurück und bitte um Entbindung von meinen
- Pflichten.
- Diese Aufgabe wurde oft „Posten“ genannt.
- Für mich war es nie einer.
- Es war meine Herzensaufgabe und verdammt viel Arbeit – Bürgeranfragen, Presseanfragen,
- Wahlprüfsteine, Bitten um Unterstützung von Petitionen, Hinweise für Kleine und Große Anfragen,
- barrierefreie Veranstaltungsplanung, Eröffnungsrede und Workshop auf der HäkelKon, Impulsreferat
- beim BundesArbeitsTreffen der Tauschsysteme, Demonstrationen am 5. Mai, 14. Juni und 13. Juli für
- mehr Vielfalt in Sprache, Gesellschaft und Politik, und nicht zuletzt unser Wahlprogramm in Leichter
- Sprache, das nun vorliegt (und in vielen anderen Versionen auch).
- Das Ganze war in den letzten Monaten noch gekoppelt mit dem Wahlkampf: Infostände,
- Straßenfeste, Schichten in der Wahlkampfzentrale, Podiumsdiskussionen in der Spastikerhilfe, in der
- Rheumaliga, Interviews für Rollingplanet und Kobinet sowie im PirateTaxi. Während des gesamten
- Wahlkampfs habe ich keine einzige negative Rückmeldung bekommen
- Themenbeauftragte - es sollte keine Sprecherrolle sein und doch waren die Menschen außerhalb der
- Piratenpartei froh, endlich einen An-Sprech-Partner für ihre Anliegen zu haben, das habe ich in
- unzähligen Mails und Anfragen so gelesen und gehört.
- Viel wurde über die vergangene Bundestagswahl geschrieben und gedeutet: es läge an der fehlenden
- Strategie, an der fehlenden Links-Ausrichtung.
- Ich sehe das anders.
- Wir Piraten haben ein Problem: mit Menschen.
- Mit Menschen außerhalb der Piraten, auf die wir zu wenig zugehen und denen wir zu wenig
- erklären.
- Mit Menschen, die innerhalb der Partei und nach außen hin viel Gutes und auch einiges nicht so gut
- machen – das ist menschlich.
- Mit Menschen, deren Themen wir als Rand-Themen abtun, und sie damit selbst an den Rand stellen.
- Mit Menschen, die nicht stromlinienförmig einer bestimmten Meinung oder Haltung entsprechen.
- Wir sind die Partei der Bürgerrechte und Freiheit – wieso leben wir das nicht vor?
- Wir sind die Partei der Bürgerbeteiligung und Demokratie. Dazu gehört als Voraussetzung auch der
- Zugang zu Informationen, Wissen, Daten, Kultur. Wieso wird dann Barrierefreiheit immer wieder als
- Ballast und zusätzliche Belastung (wie jüngst im Sync-Forum) angesehen?
- Wir haben ein Problem mit Mensch-lichkeit, mit Dankesagen, sich unterstützen.
- Im Wahlkampf habe ich das oft vermisst. Wo waren da diejenigen, die jetzt schon im Focus der
- Öffentlichkeit stehen? Und haben diejenigen, die kandidiert haben, mit nach vorne gebracht?
- Lieber Bundesvorstand, ich werde mich jetzt weiter und wieder auf kommunaler Ebene einbringen -
- für das Menschenrecht und Bürgerrecht auf Teilhabe, für Inklusion. Auch deshalb, weil, egal wie der
- Koalitionspoker ausgehen wird, im 18. Deutschen Bundestag niemand da ist, der für die Rechte von
- Menschen mit Behinderung, Teilhabe, Inklusion streitet. Und die Strukturen dafür infrage stellt.
- „Wir stellen das mal infrage.“ Das stand auf unserem Wahlprogramm. Wir hatten damit Strukturen
- gemeint, nicht Menschen.
- Freundliche Grüße,
- Ulrike Pohl
- Ehemalige Beauftragte für Inklusion
- und Menschen mit Behinderungen der
- Piratenpartei Deutschland
- Mitgliedsnummer: 22588
Advertisement
Add Comment
Please, Sign In to add comment