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Aug 10th, 2013
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  1. Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 10.08.2013
  2. Wird am Ende die Chance auf ein neues Stadion vertan?
  3. Transparent im Wildpark und Flugblatt: Viele Fans verfolgen Debatte mit Sorge / Am Ende könnte weitere Sanierung des Wildparks stehen
  4.  
  5. Von unserem Redaktionsmitglied Tina Kampf
  6. Es waren viele Hände, die vor einer Woche beim Pokalspiel des KSC gegen Wolfsburg das Transparent mit der Aufschrift „Ego ab- Stadion aufbauen“ im Fanblock hochhielten. Noch wenige Minuten zuvor waren vor dem Wildpark Flugblätter verteilt worden, die in diesen Tagen fleißig per E-Mail in der Stadt umhergeschickt werden: In einer Fotomontage ziert KSC-Präsident Ingo Wellenreuther in Napoleonuniform das Cover des „Spiegel“-Magazins. Untertitelt ist das Bild unbekannter Herkunft mit dem Satz „Der Fall Ingo – Die Geburt der KSC-Vereinsdiktatur“. Links oben im Eck steht: „Was auf dem Spiel steht.“
  7. Was auf dem Spiel steht: Viele aus der Fanszene sind sich in dieser Frage sicher – sehr, sehr viel. „Wenn es dumm läuft, verspielt der Verein die Chance auf ein neues Stadion“, ist derzeit oft zu hören. In einem Brief an den Verwaltungsrat des Vereins schrieben die Supporters als Dachverband der Fans jetzt: Der neue Oberbürgermeister Frank Mentrup versuche die seit Jahren festgefahrene Debatte zu versachlichen, die verhärteten Fronten aufzulösen und zu einer – innerhalb eines überschaubaren Zeit- und Finanzrahmens – gemeinsam getragenen Lösung zu kommen. „Aber was passiert seitens des KSC? Man fordert weiter Maximalpositionen, vernebelt die Diskussion, redet von ominösen Mindereinnahmen, spekuliert mit einem ungenannten Namensgeber, doch ohne konkrete Pläne oder gar Finanzierungsvorschläge auf den Tisch zu bringen“, heißt es. Und weiter: Jährliche städtische Mietstundungen im Wildpark stünden „visionären Träumen an der Autobahn“ gegenüber.
  8. Tatsächlich gibt es derzeit kaum eine Mehrheit im Gemeinderat für den beim Faktencheck auf 179 Millionen Euro taxierten Standort Untere Hub und schon gar nicht für die von Wellenreuther favorisierte Mastweide. Dieser Standort würde der Berechnung zufolge auf knapp 300 Millionen Euro kommen.
  9. Werte, die der Verein in Frage stellte, selbst jedoch noch keine Berechnungen präsentierte. „Selbst wenn die Mastweide nur 200 Millionen kosten würde, das ist zu teuer“, sagt ein Stadtrat, der hinzufügt: „Das kann der Verein alles bauen, wenn er das Geld aufbringt – und dann hat er doch das Problem, dass diese Flächen an der Autobahn schlicht nicht zur Verfügung stehen.“ Bliebe also der mit 120 Millionen Euro kalkulierte Neubau im Wildpark, für den es wohl eine Mehrheit im Gemeinderat geben könnte – jedoch kaum gegen den Willen des Vereins.
  10. Im Hintergrundgespräch heißt es derzeit immer wieder, dass der Verein erst einmal seine Bereitschaft erklären müsse, dass er den Mietvertrag für eine neue Arena am alten Standort unterschriebe, bevor man den per Beschluss auf den Weg bringe. Verweigere der KSC diesen Schritt, würde es wohl weitergehen wie gehabt: Das bestehende Stadion würde lediglich saniert. Schon in den vergangenen Jahren wurden so Millionen von der Stadt verbaut. Die Grünen erklären seit geraumer Zeit, dass sie genau dies ausreichend fänden. Und inzwischen ist mancher Stadtrat sicher, dass – wenn der KSC weiter „gegen den Wildpark schieße“ – diese Minimalversion tatsächlich der beste Weg sein könnte. Zumal mit den Bauarbeiten am Städtischen Klinikum, der anstehenden Sanierung des Staatstheaters und dem Kita-Ausbau ohnehin viele teure Projekte auf die Stadt zukommen. Dennoch, entschieden ist noch nichts.
  11. Oberbürgermeister Frank Mentrup schob die festgefahrene Stadiondebatte erklärtermaßen wieder an, um eine Lösung zu finden. Und noch scheint dabei auch ein Neubau denkbar – wenngleich angesichts der politischen Gemengelage eben nur im Wildpark, womit beispielsweise Supporters-Vize Michael Kunz „sehr gut leben könnte“, wie er jüngst im BNN-Interview sagte. Die Miete dort würde den Verein wohl 1,5 bis zwei Millionen Euro jährlich kosten, schätzt ein Insider: „Das wären dann faktisch nur die Zinsen.“ Bei einem Stadion für 280 Millionen Euro an der Mastweide könnten dagegen schon 4,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. 300 000 Euro fallen für den Wildpark heute an, wobei die Stadt seit Jahren die Hälfte davon dem Verein stundet. Dieser verweist darauf, dass künftige Einnahmen aus dem Stadionbetrieb ausschlaggebend seien, welche Pachthöhe man sich leisten könne. Und bei einem Neubau im Wildpark rechne man mit etwa drei Millionen Euro weniger auf der Habenseite im Vergleich zu einer an der Autobahn errichteten Arena, was sich nicht zuletzt aus der Vermarktbarkeit der Namensrechte ergebe.
  12. In der Zweiten Liga liegen die Einnahmen daraus bei knapp unter einer Million Euro im Jahr, wobei nach Angaben von Christian Alfs von der Uni Mainz in der Berechnung des jeweiligen Werts nicht nur die Lage an einer viel befahrenen Straße wie einer Autobahn eine Rolle spiele, sondern eben auch der Erfolg der Mannschaft, die Tradition des Vereins oder die Größe des Stadions.
  13. Mentrup hoffte zuletzt auf eine Weichenstellung noch in diesem Spätjahr – auch um den elf Millionen Euro Zuschuss vom Land nicht zu gefährden. Eine Unterstützung, die inzwischen manchem im Stadtparlament nach dem Hickhack der vergangenen Wochen schon nicht mehr so verlockend erscheint: Elf Millionen Euro Zuschuss seien zwar schön, aber 109 Millionen müsse die Stadt ja immer noch selbst aufbringen – „und das bei dem Theater“.
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  15. DIE DEBATTE UM DEN STADIONNEUBAU beschäftigt die Fans wie hier am vergangenen Wochenende beim Pokalspiel des KSC gegen Wolfsburg. Foto: GES
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