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Klaus Groth: Ein Freund, ein guter Freund

a guest Jun 12th, 2013 1,183 Never
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  1. Kapitel 10: Ein Freund, ein guter Freund
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  3. aus Mathew D. Rose: Eine Ehrenwerte Gesellschaft (Berlin 2003)
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  5. Zur Krise der Bankgesellschaft Berlin ist überall zu lesen und zu hören von enormen Summen, die das Geldinstitut »verloren« habe. Tatsächlich verlieren Banken selten Geld. Ab und zu kommen selbstverständlich einem Kassierer oder einer Kassiererin am Schalter ein paar herunterfallende oder wegrollende Cents abhanden. Es gab auch einige besondere Fälle bei der Bankgesellschaft, wo wegen fehlerhafter Computersysteme gelegentlich ganze Konten verlorengingen. Die wurden in der Regel aber - soweit ich weiß - wiedergefunden. Das Geld war wirklich nie weg - es vagabundierte höchstens kurzweilig durch die Cyberwelt.
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  7. Wenn die Bankgesellschaft einen »Verlust verbucht«, hat zwar die Bankgesellschaft das Geld nicht mehr - jemand anders jedoch sehr wohl. Geld geht nicht verloren, es wird einfach neu verteilt. Genaue Zahlen hat niemand, aber »gutinformierten Kreisen« zufolge kann man am Ende damit rechnen, daß die Bankgesellschaft den Steuerzahler mit einer Belastung von »verlorenen Geldern« in zweistelliger Milliardenhöhe beglücken wird - Euro selbstverständlich. Wohin ging das ganze Geld, fragen Sie?
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  9. Einige Milliarden flossen an das Land BerIin. Der Senat benutzte das Geld, um Löcher im Landeshaushalt zu stopfen, eine bequeme Methode, die zudem manchem Politiker, mancher Seilschaft hübsche Pfründe sicherte. Viele Milliarden werden an die Fondszeichner fließen. Dabei sollten wir allerdings zwischen den Menschen, die (wie im Falle des Private Placements Gehag Fonds) Anteile für Hunderttausende von Mark, ja sogar Millionen erwarben, und den Menschen, die mit wesentlich kleineren Summen für ihre Rente vorsorgen wollten, unterscheiden. Eine dreistellige Millionenhöhe ging für Gehälter und Tantiemen -und in Zukunft für die Pensionen - der Bankmanager drauf. Nicht zu vergessen sind die Gehälter der vielen Freunde der Politiker, die gut bezahlte Stellen bei der Bankgesellschaft und ihren Tochterunternehmen erhielten. Eine zweistellige MiIIionensumme wurde für Steckenpferde des Bank-Managements wie den »International Club« oder das »German Masters«-Tennisturnier für Frauen im »Lawn-Tennis-Turnier-Club Rot-Weiß« ausgegeben, der jahre1ang als Klaus Landowskys Stammklub galt. Zu den Empfängern »verlorenen Geldes« zählt ebenso die bankeigene Stiftung »Brandenburger Tor«, in der die CDU-Politikerin und enge Wegbegleiterin Klaus Landowskys, Monika Grütters, immer noch als Vorstand mit beträchtlichem Gehalt fungiert.
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  11. Es fehlt jedoch ein letzter Posten, sogar ein wesentlicher, der in die zweistellige Milliardenhöhe geht: die Gelder der Bankgesellschaft nämlich, die an die Bauträger ausgezahlt wurden. Ein Großteil dieses Kapitals ist »verIorengegangen«. Es ist als Kredit an diese Bauunternehmer ausgezahlt worden. Sie werden beträchtliche Teile jedoch nie zurückzahlen. Wie alles bei der Bankgesellschaft kein Zufall. Dahinter steckt System und es hat wenig mit unternehmerischem Risiko zu tun. Um dies zu verstehen muß man die Übersicht der Bankgesellschaft-Kreditengagements von Darlehen über 10 Millionen Mark vom 30. Juni 1997 mit der Mitgliederliste des »International Club« aus der Zeit vergleichen. Auf beiden entdeckt man dieselben Namen: ein Who ist Who der Berliner Bauträger.
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  13. Der erklärte Zweck des im Jahr 1994 gegründeten »International Club« ist laut Satzung: »Die internationale Freundschaft und Zusammenarbeit auf den Gebieten des Sports und der Kultur zu fördern und zu vertiefen.« Wenn man die Firmen- und Mitgliederliste liest, wirkt der Club-Zweck eher als Treffpunkt der Bankgesellschaft Berlin, der Berliner Politik, der Lokalgrößen, der Wirtschaftsbosse und ihrer Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte. Ein Ort, an dem man unbeachtet in einer entspannten Atmosphäre Geschäfte machen könnte - oder wie Klaus Landowsky es zusammenfaßte: Der Club mußte beides bieten, »Kommunikation und Ruhe«. Und was die Förderung von internationaler Freundschaft und Zusammenarbeit auf den Feldern des Sports und der Kultur angeht, hat Landowsky es auf den Punkt gebracht: »Zum Herzen des Clubs muß die Bar werden, an der sich die Mitglieder treffen.«
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  15. Unter den Clubmitgliedern und der Großkreditnehmerliste der Bankgesellschaft sind die Baugrößen der Stadt ziemlich vollständig vertreten: Ernst Freiberger, zunächst Tiefkühl-Pizza-König von Berlin, stieg groß ins Immobiliengeschäft ein. 1997 hatte sein Unternehmen Kredite von rund 550 Millionen Mark bei der Bankgesellschaft, hauptsächlich bei der Berlin Hyp. Die Heinrich Buschmann und Rolf Thinius Gruppe mit Krediten in Höhe von rund 550 Millionen bei der Berlin Hyp. Silva Franke, deren verstorbener Ehemann und Bauunternehmer Klaus Berlins Politiker aus CDU (darunter Eberhard Diepgen), SPD und FDP mit illegalen Barspenden beglückt hatte und dem Berliner Bau-Skandal, der zu Unrecht als »Antes-Skandal« bezeichnet wird, um von den tatsächlich Schuldigen und der Dimension dieses Skandals abzulenken, Aufwind gab, war mit 485 Millionen Mark im Kreditportfolio - hauptsächlich bei der Berlin Hyp. Dietmar Otremba, selber CDU-Mitglied und immerhin legaler Großspender, war mit 406 Millionen Mark damals bei der Bankgesellschaft in der Kreide - hauptsächlich bei der Berlin Hyp. Die Klaus Groenke und Axel Guttmann Gruppe, besser bekannt als Trigon, hatte Kredite von 341 Millionen Mark bei der Bankgesellschaft Berlin - hauptsächlich bei der Berlin Hyp. Groenke ist CDU-Mitglied und legaler Großspender für seine Partei. Bernd Porsch, dessen fehlgeschlagenen Projekte sich unter den Verlagerungsobjekten in den geschlossenen Immobilienfonds der Bank befinden, mit 308 Millionen Mark. Christian Neuling und Klaus-Hermann Wienhold der Aubis-Gruppe hatten zu der Zeit bei der Berlin Hyp Kredite von mickrigen 280 Millionen Mark. Die Summe wird aber noch auf rund 700 Millionen steigen.
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  17. Zu der feinen Liste von Baulöwen, die Großkreditnehmer und gleichzeitig Clubmitglieder sind, gehört auch Klaus Groth, CDU-Mitglied und jahrelanger Berater von Berlins früherem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen. Zwischen den Jahren 1988 und 1995, als die Baubranche in Berlin boomte, haben Groth und sein Unternehmen rund 340.000 Mark legale Spenden auf das Konto der CDU fließen lassen.
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  19. Laut Kreditbericht der Bankgesellschaft von 1997 hatte Groth zu der Zeit Kredite in Höhe von respektablen 1,7 Milliarden Mark von der Bankgesellschaft für seine eigenen Bauvorhaben und Fonds erhalten. Allein 1,5 Milliarden Mark stammten von der Berlin Hyp, wo Groths Parteikollege Klaus Landowsky den Vorsitz innehatte. Die Gruppe des Projektentwicklers Groth, die auch die Parteizentrale der Bundes-CDU in der Hauptstadt baute, ist zusammen mit ihren Fondsgesellschaften 1999 mit 922 Millionen Euro größter Kreditnehmer der Berlin Hyp. In demselben Jahr befand sich Groth zum ersten Mal bei der Berlin Hyp unter den Kreditnehmern der »Risikoklasse Ill«, den wertberichtigten Krediten also - Kredite, die eine Bank eigentlich lieber nicht hätte.
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  21. Groth gibt das Paradebeispiel für die Karriere eines Berliner Baulöwen und galt als einer der größten Akteure im sprichwörtlichen Berliner Sumpf. Für die Spinger-Presse verkörperte Groth den hanseatischen Kaufmann. Einen schlechteren Leumund kann man im sumpfigen Berlin eigentlich gar nicht haben. Viele seiner Geschäfte mit der öffentlichen Hand sind trotzdem sehr umstritten. Freunde wie Feinde sind sich aber einig: Keiner spielte so gekonnt mit dem Politikkartell in Berlin wie Klaus Groth.
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  23. Die Kunst, mit der öffentlichen Hand glänzende Geschäfte zu machen, erlernte Groth bereits in seiner Heimat Schleswig-Holstein, nachdem er von der Glücksburger Stadtverwaltung zum BIG-Konzern, dem damals größten Baukonzern in Schleswig-Holstein, wechselte. Dort war Groth Geschäftsführer. Der BIG-Konzern baute in großem Stil Wohnungen. Sein oberster Chef war der CDU-Landtagsabgeordnete Herbert Gerisch, Groth dessen rechte Hand.
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  25. Schon bald geht es um die übliche Vermischung von Politik und Geschäft. An Herbert Gerisch soll von einem Berliner Kaufmann eine Million Mark Schmiergeld gezahlt worden sein, damit eine Müllverwertungsanlage in Schleswig-Holstein gebaut werden kann. Im Jahr 1975 ermittelt die Kieler Staatsanwaltschaft gegen Herbert Gerisch und Klaus Groth. Die Affäre schlägt hohe Wellen. Die Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlung jedoch ein, da nicht festgestellt werden konnte, wofür die eine Million Mark gedacht war.
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  27. Es folgt ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß. Der Abschlußbericht verweist auf Groths Aussage vor der Staatsanwaltschaft. Dort nämlich gab er die Zahlung zu und erläuterte, daß er und Gerisch sich »im politischen Bereich für die Schaffung der gesetzlichen Voraussetzungen der Errichtung der geplanten Müllverwertungsanlage in Schleswig-Hoistein einsetzen« sollten. Weiter heißt es im Untersuchungsbericht, Groth habe monatlich 8500 DM von dem Berliner Kaufmann erhalten und zwar zehn Monate lang »... für die vorbereitende Kontaktaufnahme zu kommunalen Stellen.« Aufgeklärt wurde der Vorwurf der Schmiergeldzahlung nie - dafür sorgte schon die CDU-Mehrheit im Landtag. Danach, im Jahr 1980, entschloß sich Groth, nach West-Berlin zu übersiedeln. Dort war er, gelernt ist gelernt, sofort um guten Kontakt zu den öffentlichen Auftraggebern bemüht. Zusammen mit dem Architekten Dieter Graalfs steigt er groß in den Sozialwohnungsbau ein. Nachdem die beiden etliche Grundstücke von der maroden Neuen Heimat erworben haben, dem mehr als zwielichtigen gewerkschaftseigenen Wohnungsbauunternehmen, legen sie geschlossene Immobilienfonds mit hoher Steuerabschreibung auf.
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  29. Für solche Vorhaben gibt es in Berlin eine wunderbare Adresse: die Wohnungsbaukreditanstalt. Dort werden die üppigen Subventionen für den sozialen Wohnungsbau verteilt. In der Wohnungsbaukreditanstalt bestimmen Politiker von der SPD Klaus Riebschläger (Senator und später Rechtsanwalt von Klaus Groth) und der CDU-Politiker Klaus Landowsky (später Vorstandssprecher der Berlin Hyp), wer Zuschüsse und Kredite erhält. Zu diesem privilegierten Kreis gehört auch die Groth-Gruppe.
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  31. »West-Berlin war ein Eldorado für Bauunternehmer«, erinnert sich »Spiegel«-Redakteur Michael Sontheimer, damals einer der führenden Journalisten bei der Aufdeckung der mafia-ähnlichen Strukturen West-Berlins. »Der soziale Wohnungsbau in West-Berlin war ein bizarrer ›Closed-Shop‹, in dem sich, dank Subventionen in Milliardenhöhe, eine kleine Gruppe von Bauunternehmern risikolos bereichern konnte. Klaus Landowsky saß in der Pfandbriefbank, die Hypotheken und Darlehen vergab, und im Vorstand der Wohnungsbaukreditanstalt, die die Subventionen ausschüttete. Dort amtierte auch der SPD-Filzokrat Klaus Riebschläger. Die Bauträger bauten bis zu 40 Prozent teurer als in Westdeutschland üblich, viele rechneten darüberhinaus noch imaginäre Leistungen ab. ›Wer im Sozialen Wohnungsbau nicht pro Grundstück eine Million Mark plus macht‹, pflegte ein Bauunternehmer zu sagen, ›hat sich richtig dumm angestellt.‹ Wer es schlau machen und weiterhin im Geschäft bleiben wollte, gab einen geringen Prozentsatz seiner Profite als Parteispenden vor allem an die CDU - im Jargon der Korruption heißen solche Zahlungen ›Kick Back‹. Daß diese systematische Ausplünderung der öffentlichen Haushalte über Jahrzehnte wie geschmiert funktionierte, ist ein Armutszeugnis für die politische Kultur der Mauerstadt und ihre bis auf wenige Ausnahmen zahnlose und devote Journaille, allen voran die des übermächtigen Springer-Konzerns.«
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  33. Im Laufe des sogenannten Antes-Skandals, der Berlins Oligarchie heftig, aber nur kurz erschütterte, kam heraus, daß die Firma Groth + Graalfs von 1983 bis 1985 Präsente im Werte von rund 200.000 Mark - vorzugsweise edle Weine zielgerichtet an Politik und Verwaltung verteilte. Zu den durstigen Empfängern zählt der damalige Wohnungsbaukreditanstalt-Direktor Riebschläger, der damalige CDU-Stadtrat Wolfgang Branoner (später Wirtschaftssenator und Mitglied im Aufsichtsrat der Bankgesellschaft) und Landowsky-Intimus Dankwart Buwitt, zu der Zeit CDU-Fraktionsvorsitzender und Mitglied des Verwaltungsrats der Wohnungsbaukreditanstalt (später Aufsichtsratsmitglied der Berlin ebenso wie 104 Mitarbeiter der Wohnungsbaukreditanstalt. Zum Vorstand der Wohnungsbaukreditanstalt gehörte auch Groths langjähriger Weggefahrte Klaus Landowsky.
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  35. Groth ist kein politischer Dogmatiker, sondern Geschäftsmann. Deswegen macht er keinen Hehl daraus, daß er an alle Parteien - gemeint sind CDU, SPD und FDP - gespendet hat, obwohl er die CDU, seine eigene Partei, bevorzugte. Das System von Geben und Nehmen setzte sich auch nach dem Antes-Skandal fort - und Groths Erfolgsgeschichte liefert dafür einige prächtige Beispiele: 1989 hatte Groth ein Gewerbegrundstück in Berlin-Tempelhof für 18 Millionen Mark erworben und verkaufte es drei Jahre später für 60 Millionen an das Land Berlin. Der schlagfertige Groth, immer zu Erklärungen bereit, meinte, er habe massive Investitionen auf dem Grundstück vorgenommen. Wenn es die gab - woran gezweifelt wird -, erzeugten sie keinesfalls eine entsprechende Wertsteigerung. Beim Wiederverkauf von zwei Teilf1ächen erzielte das Land Berlin weniger als die Hälfte des an Groth gezahlten Quadratmeterpreises. Ein Großteil konnte bis heute noch nicht verkauft worden.
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  37. Die öffentlich-rechtliche WohnungsbaukreditanstaIt benötigt 1993 neue Räume und mietet sich für zehn Jahre in einem Bürogebäude in der Spichernstraße 2 in Berlin-Wilmersdorf ein - für überteuerte 97,75 Mark monatlich pro Quadratmeter Kaltmiete. Schaden für die öffentliche Hand im Laufe der zehn Jahre, laut Landesrechnungshof: »... mindestens 54 Millionen Mark«. Das Haus gehörte Groth + Graalfs. Laut Rechnungshof gab es zu der Zeit Alternativprojekte, die weitaus billiger waren. Der Verwaltungsrat der WBK genehmigt den Mietvertrag, ohne einen Makler eingeschaltet zu haben. Zu den Mitgliedern dieses weitsichtigen Rats gehören Wolfgang Nagel und Norbert Meisner von der SPD und Elmar Pieroth und Dankward Buwitt seitens der CDU. Alle vier werden später Aufsichtsratsposten in der Bankgesellschaft oder ihrer Teilbanken bekleiden.
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  39. Auch Groths Großprojekte Karow Nord in Berlin und Kirchsteigfeld in Potsdam. kamen in Verruf. In Karow hat die Bauverwaltung bei der Kontrolle der Rechnungen Unregelmäßigkeiten entdeckt. Ein Beispiel: Der Bau für Privatstraßen wurde der öffentlichen Hand in Rechnung gestellt. Die angegebenen Preise für die Gehwegplatten in der Vorortsiedlung waren höher als die für die Gestaltung der exklusiven Friedrichstraße in Berlin. Bäume. monierten die Beamten, seien zu überhöhten Preisen in Anschlag gebracht worden, und bei Kreuzungen wurde der Straßenbelag doppelt - in beide Richtungen -in Rechnung gestellt. Auch die Kosten für das Abpumpen des Regenwassers beim Straßen bau, ein Kostenfaktor, der der Bauverwaltung bis dahin völlig unbekannt war, summierte sich zum Millionenbetrag.
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  41. 2500 Wohnungen bauen Groth + Graalfs in Potsdam-Kirchsteigfeld. Die dortigen Sozialwohnungen werden mit öffentlichen Geldern massiv gefördert. Klaus Groth bekommt 3080 Mark pro Quadratmeter an Förderung. über diese ungewöhnlich hohe Fördersumme war der damalige SPD-Abgeordnete im Potsdamer Landtag Joachim Franck, der selber aus der Baubranche kommt, entsetzt: »Ieh habe mir vorgestellt, daß wir den, der am preiswertesten baut, fördern. Das habe ich mir mindestens gedacht. Es fiel mir außerordentlich schwer, als ich sah, welch hohe Förderung Groth erhielt. Man muß wirklich sagen, das Geld wurde zum Fenster hinausgeschmissen.«
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  43. In einem Bericht aus dem Jahr 1999 beschäftigte sich der Berliner Landesrechnungshof erneut mit Groth. Geprüft wurde das Klingelhöfer Dreieck, eines der wichtigsten Filetstücke im Herzen Berlins, worauf unter anderem heute die CDU-Bundeszentrale steht. Beim Verkauf des Landesgrundstücks im Jahr 1998 an Groth erlitt die Kommune Verluste in Millionenhöhe, so der Landesrechnungshof. Der Verkauf wurde - wie könnte es anders sein - nicht ausgeschrieben. Später, als das Projekt nicht so zügig vorankommt, kauft die Berlin Hyp ein Bürogebäude auf dem Tiergartendreieck von Groths Firma ab - trotz massiven Leerstands in konzerneigenen Gebäuden. »Almosen-Haus« wurde das Gebäude von Bankmitarbeitern getauft, eine milde Gabe für den angeschlagenen Baulöwen Groth.
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  45. Zuletzt war Groth in den Schlagzeilen, als es um den Neubau der Bibliothek der Technischen Universität Berlin für rund 145 Millionen Mark ging. Der Senat hatte für die Ausschreibung im Jahr 2000 als externen Gutachter den langjährigen Geschäftspartner von Groth, das Ingenieurbüro Ruths, beauftragt. Die Vergabe, natürlich an Groth, wurde wegen einer Reihe von Unregelmäßigkeiten von einem anderen Bieter gerichtlich angefochten - mit Erfolg. Das erstinstanzliche Urteil wurde nicht nur von Groth, sondern auch von der Senatsbauverwaltung unter SPD-Senator Peter Strieder, also mit öffentlichen Geldern, angefochten. Vor dem Kammergericht verlieren Groth und Strieder erneut. Das Gericht untersagt dem Bausenator, den Auftrag so an Klaus Groth zu vergeben. Der Auftrag mußte neu ausgeschrieben werden.
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  47. Klaus Groth ist ein »Berliner Ehrenmann«. Als er am 12. März 1998 seinen sechzigsten Geburtstag im Hotel Adlon feiert, kommt alles, was in der Hauptstadt und Brandenburg Rang und Namen hat, auch der damalige CDU-Generalsekretär Hintze reist aus Bonn an. Die Festgemeinde sang »Lobet den Herrn« und verzehrte Lachs, Perlhuhn und Ochsenbackerl.
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  49. Ein halbes Jahr später erhält Klaus Groth das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse - auf Initiative von Bundespräsident Roman Herzog (der übrigens später Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung »Brandenburger Tor« der Bankgesellschaft wird). Groth wird ausgezeichnet als schaffensfreudige Unternehmerpersönlichkeit, die den Wohnungs- und Gewerbebau Berlins entscheidend und positiv geprägt hat. Im folgenden Jahr 1999 erhält Klaus Groth eine weniger begehrte Auszeichnung. Sein Name erscheint bei der Berlin Hyp unter den Kreditnehmern mit wertberichtigten Krediten. Wie alle anderen Berliner Baulöwen ist Groth an der freien Marktwirtschaft, die man in West-Berlins Subventionsökonomie nicht so genau kannte, gescheitert.
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  51. Im Jahresabschlußbericht der Berlin Hyp aus dem Jahr 1999 heißt es bezüglich ihres Groth-Engagements: »Aufgrund der nachhaltig schlechten Ertragslage seiner gesamten Unternehmensgruppe, aus der er überwiegend seine Einkünfte erzielt, kann sich Herr Groth Liquidität nur aus dem Verkauf privater Objekte beschaffen. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, daß bei der derzeitigen Immobiliensituation die Objekte nur mit Verlust zu veräußern wären.«
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  53. Die Bank ermittelt Einzelwertberichtigungen in Höhe von 10,2 Millionen Euro bei zwei Krediten. Bei anderen Engagements verzichtet die Bank zunächst auf Zins- und Tilgungszahlungen von der Groth-Gruppe. Im Konzernabschlußbericht der Bankgesellschaft für das Jahr 2000 werden von der Berlin Hyp in der Zwischenzeit Einzelwertberichtigungen für ihr Engagement bei der Klaus Groth Gruppe in Höhe von 45 Millionen Euro eingeräumt. Ursache für den Wertverfall sind hauptsächlich zunehmender Leerstand und Verkaufsschwierigkeiten.
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  55. Schon Ende des Jahres 2000 startet die Bankgesellschaft eine verdeckte Rettungsaktion für die Groth-Gruppe. Über Manfred Schoeps sollte Groth eine Kapitalspritze von der Bankgesellschaft in Höhe von 37 Millionen Mark zugeführt werden. Doch nach dem IBAG-Desaster Mitte nu ar und nachdem Informationen über diesen Rettungsplan für Groth an die Öffentlichkeit gelangen, kommt das verdeckte Geschäft ins Gerede. Nun übernehmen Rupf und die Bankgesellschaft selber das Kommando. Über eine Tochtergesellschaft gründet die Bankgesellschaft mit Groth am 3. Februar 2001 eine gemeinsame Firma die Groth Holding GmbH & Co. KG. Während die Einlage der Bank in die neue Gesellschaft 8,1 Millionen Euro beträgt, muß Groth selber 12,1 Millionen Euro beitragen. - Doch auch das wird von der Bank größtenteils durch ein Darlehen in Höhe von rund 10,5 Millionen Euro finanziert, wovon die Bank zunächst nur 4,2 Millionen Euro an Groth auszahlt. Groths Firma darf allerdings pro Jahr 1,6 Millionen Mark aus dem Kapitalstock der gemeinsamen Firma entnehmen. Erneut haben Rupf und die BankgeseIlschaft sich in ein dubioses Geschäft begeben. Die in der Zwischenzeit sensibilisierten Medien vermuten eine politische Intervention. Groth und die Berliner Politik leugnen das.
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  57. Trotz der uneigennützigen Rettungsaktionen der Bankgesellschaft bleibt die Lage der Groth-Gruppe düster. In einer vertraulichen Aktennotiz der BankgeseIlschaft zum Groth-Engagement vom 22. Juni 2001 fallt zum ersten Mal das gefürchtete I-Wort: »Insolvenzgefahr besteht, auch Betreiben durch Dritte nicht auszuschließen.« Die Notiz fährt daß im Falle einer Insolvenz bei Groths Firma, »Insolvenz von Herrn Klaus Groth privat (hohe Bürgschaftsverpflichtungen und hohe Verschuldung) nicht auszuschließen« ist. Klaus Groth versucht sich gesund zu schrumpfen. Er entläßt Personal, reduziert Kosten. In der West-Berliner Variante des Realsozialismus hat er Millionen verdient. Nach der Wiedervereinigung kämpft er ums Überleben. Sogar die Bankgesellschaft ist nicht mehr für ihn da und weigert sich im Dezember 2001, das restliche Darlehen in Höhe von rund 6,5 Millionen Euro an Groth zu zahlen. Groth versucht über das Gericht, das Geld von der Bankgesellschaft einzuklagen. Er unterliegt aber.
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  59. Doch ein Klaus Groth gibt nicht auf und landet einen neuen Coup. Die Bundesanstalt für Arbeit veräußert im Jahr 2003 ein Filetgrundstück mitten im alten Diplomatenviertel des Berliner Bezirks Tiergarten. Gegenüber steht schon das von Groth entwickelte Klingelhöfer Dreieck samt CDU-Bundeszentrale. Voraussichtlich bekommt ein Konsortium den Zuschlag, das aus Hochtief, KPMG und Klaus Groths Unternehmen besteht. Eine gewisse Ironie läßt sich nicht vermeiden. Hochtief hat das Bieterverfahren für den Bau und Betrieb des Flughafens Schönefeld im 1999 gewonnen und gleich wieder wegen Unregelmäßigkeiten im Bieterverfahren verloren. Spuren führten tief in die unterirdische Berliner Politiklandschaft. KPMG trägt als Wirtschaftsprüfer bei der Landesbank Berlin seit 1997 erhebliche Verantwortung für das Desaster der Bankgesellschaft. Und Klaus Groth ist eine Ikone der Berliner Filzlandschaft - ein System, das diese Stadt für Generationen finanziell ruiniert ~ hat und offensichtlich unerschrocken weiter funktioniert.
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  61. Auch die Rentaco Finanz & Boden Management AG befindet sich 1997 auf der exklusiven Liste der »International Club«-Mitglieder und Großkreditnehmer der Bankgesellschaft - oder besser gesagt, ihr Chef Günter Hartwig. Wie Groth ist er Bundesverdienstkreuzträger. Er ist wie Groth ein Praktiker, was Geschäfte und Politik angeht, obwohl Hartwig eher Arbeitsplätze als Spenden verteilt. Günter Hartwig ist laut Springer-Presse kein hanseatischer Kaufmann wie Groth, sondern ein »Selfmademan« und später Selfmadepleitier, nachdem Rentaco Anfang 2001 Insolvenz anmeldete. Er ist CDU-Mitglied und saß früher im Vorstand des Wirtschaftsrates der CDU Berlin-Brandenburg. Seine Spezialität waren Altersheime oder »Senioren-Residenzen«, wie das Rentaco-Produkt bezeichnet wurde. Im Juni 1997 hatte Hartwig Kredite über rund 200 Millionen Mark bei der Bankgesellschaft: 130 Millionen bei der Berliner Bank und weitere 70 Millionen bei der Berlin Hyp. Die Berliner Bank betrieb sogar mit Rentaco ein Unternehmen zum Bau von Sozialimmobilien in Berlin und ganz Deutschland. Nach der Insolvenz mußten die Bankgesellschaft AG, die Berlin Hyp und die Landesbank vorerst insgesamt Einzelwertberichtigungen für die »Günter Hartwig Gruppe« in Höhe von zunächst 49 Millionen Euro vornehmen.
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  63. Der letzte Aufsichtsrat von Rentaco bestand aus drei Mitgliedern: Dr. Oscar Schneider (CDU, Bundesbauminister a.D.), Jost von Trott zu Solz (CDU, Rechtsanwalt, alter Weggefährte von Landowsky und Diepgen in der CDU und Gründungsmitglied des »International Club«) und Dr. Dieter Flämig (CDU, Berliner Staatssekretär a.D. und früherer Senatssprecher des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen). Bei seinen Vorstandsmitgliedern war Hartwig nicht streng parteipolitisch. Im Gegenteil, so wie Groth an alle Parteien Geld zu spenden wußte, beschäftigte Hartwig Mitglieder aller Parteien. Zu den ersten Vorstandsmitgliedern von Rentaco im Jahr 1990 zählte Dr. Bemd Löhning, ein Volljurist. Er war vorher Fraktionsgeschäftsführer der FDP im Berliner Abgeordnetenhaus.
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  65. Im Jahr 1998 wurde der ehemalige SPD-Fraktionsgeschäftsführer Horst Achim Kern Vorstandsmitglied der Rentaco. Kern, eine klassische Figur im SPD-Filz Berlins, war nicht nur einer der wichtigsten Fürsprecher bei der Gründung der Bankgesellschaft, sondern wurde kurz nach deren Entstehen zum Mitglied des Aufsichtsrates der Berliner Bank berufen. Matthias Zipser, seit seiner frühen Jugend bei der SPD, diente sich zum persönlichen Referenten des damaligen Bausenators Wolfgang Nagel hoch. Dann wechselte er zur Rentaco samt besten Beziehungen zur Bauverwaltung. Dort arbeitete er sich weiter hoch zum Geschäftsführer der Rentaco-Tochter »RPE-Rentaco«. Zwar persönlich kein Mitglied des »International Club«, doch eine der schillerndsten Figuren unter den Großkreditnehmern der Bankgesellschaft ist Dr. Jürgen Hanne. Kein Clubmitglied, wie gesagt, doch immerhin stand seine ehemalige Ehefrau auf der Mitgliederliste. Jürgen Hanne hatte schon in den achtziger Jahren einen fragwürdigen Ruf als Fondsinitiator. Von 1979 bis 1986 hatte er mit seiner damaligen Firma »Konzepta elf« sogenannte Petrol Explorationsfonds unter dem Werbe-Motto »Eine Idee ist geboren« aufgelegt. Diese Fonds sollten in Kanada Öl- und Gasvorkommen suchen und Förderrechte erwerben. Faktisch ist allerdings kein einziger dieser Fonds wirtschaftlich erfolgreich gewesen, und die 700 Millionen Mark Anlegerkapital gingen verloren. Schon 1986 schrieben die Anlegerschützer vom »Kapital-Markt Intern«, daß die Konzepta-Unternehmensgruppe, wozu Hanne zählte«, »sich bereits mit einer Serie von schlimmen kanadischen Öl- und Gasfonds ihren Ruf ruiniert« habe. Hanne galt als »verbrannt« und als Fondsinitiator ungeeignet.
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  67. Doch nach der deutschen Wiedervereinigung konnte noch jeder Glücksritter mit Immobilien in den neuen Bundesländern Geschäfte machen. Die Gier nach Steuerersparnissen schaltete das Hirn vieler Anleger, hauptsächlich Gutverdienender, völlig aus.
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  69. »Die Dr. Hanne Unternehmensgruppe mit Sitz in Berlin und Calgary ist einer der größten deutschen Anbieter von Immobilienanlagen«, so eine Selbstdarstellung der Firma. »Schon kurz nach dem Mauerfall erkannte man die Entwicklungschancen in den neuen Ländern. Dadurch wurde die Dr. Hanne Unternehmensgruppe zu einem der ersten Anbieter, bei dem die Anleger von den hohen Steuervorteilen aus dem Fördergebietsgesetz profitieren«, hieß es weiter.
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  71. Hanne spezialisierte sich auf Fonds für den Bau und die Modernisierung von Seniorenwohnanlagen »für gehobene Ansprüche«. Die erste Seniorenresidenz eröffnete er 1993 in Neuenhagen-Hoppegarten bei Berlin. Im März 1995 besuchte in einem publizitätsträchtigen Auftritt Bundespräsident Roman Herzog, der Mann mit einem großen Herzen für Berliner Baulöwen, diese Seniorenresidenz. Bis 1999 waren es weitere 20 Alterswohnanlagen und vier Hotels, die die Dr. Hanne Grundstücks GmbH mit 1,5 Milliarden Mark Investitionskapital von Tausenden Anleger und von Banken finanzieren ließ.
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  73. Das wichtigste Geldinstitut war wohl die Bankgesellschaft Berlin. Schon im Juni 1997 hatte die Bank Hannes Projekte mit rund 335 Millionen Mark, hauptsächlich von der Beflin Hyp (251 Millionen Mark), aber auch von der Landesbank Berlin (84 Millionen Mark), finanziert. Schon im Mai 1999 mußten die ersten beiden Hanne-Gesellschaften, darunter die persönlich haftende Gesellschafterin sämtlicher von Hanne initiierten Immobilienfonds und die Generalübernehmerin sowie Projektentwicklerin dieser Fonds, Insolvenzantrag stellen. Das Ende zeichnete sich ab. Zwischen Hannes Unternehmensgruppe und den Fonds entdeckten die Anleger eine undurchsichtige Firmenverflechtung, wohinter sich auffallig Jürgen Hanne verbarg. Das Imperium brach zusammen. Fertiggestellte Wohngebiete wie Nächst Neuendorf und Werder, beide bei Berlin, wurden Geistersiedlungen. Aus war es mit den versprochenen Renditen in zweistelliger Prozenthöhe.
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  75. Wie hoch die Anlegerverluste sein werden, vermag man noch nicht festzustellen. Auch bei den Banken ist die Höhe des Schadens noch nicht endgültig ermittelt. Die Berlin Hyp und Landesbank Berlin mußten allerdings schon hohe Wertberichtigungen vornehmen.
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  77. Die Rechtsanwälte Peter Apel und Wolfgang Schirp, die zu unerbittlichen Verfolgern von Hanne wurden - strafrechtlich wie zivilrechtlich -, fassen den Niedergang des Hanne-Imperiums zusammen: »In der Dr. Hanne-Gruppe und in anderen mit dem Fondsinitiator Jürgen Hanne eng verbundenen Unternehmen wurde die Kostenseite der Projekte enorm aufgebläht. Für die Prospektierung der hohen Ausschüttungen und die Plazierung der Fonds auf dem Kapitalmarkt wurden mit kapitalschwachen und teilweise abhängigen Betreibergesellschaften Pachtverträge geschlossen, die wegen ihrer überhöhten Pachten nicht marktgerecht waren. Besonders bei den in den Jahren 1997/98 aufgelegten Immobilienfonds übersteigen die prospektierten Pachten das Marktniveau um das Zwei- bis Dreifache.« Hanne versuchte, diese Situation dadurch zu verschleiern, daß er Mittel aus dem Eigenkapital später aufgelegter Fonds entnahm und für das Stopfen von Löchern bei anderen Fonds nutzte. Doch Apel und Schirp interessieren sich nicht nur für Hannes Rolle bei den Fonds. Bei einem Fonds »Wohnen im Alter: Seniorenresidenz Voltairepark Potsdam« sind die beiden Anwälte überzeugt, daß die Berlin Hyp gemeinsam mit Hanne die Anleger betrogen habe.
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  79. Die Fondsgesellschaft sollte ein ehemaliges Militärhospital in Potsdam als Seniorenresidenz um- und ausbauen. Vorgesehen waren Anlegeranteile von rund 33 Millionen Mark und ein Bankkredit von 30 Millionen Mark. Der Verkauf der Fondsanteile fand zwischen November 1997 und Februar 1999 statt.
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  81. Laut Apel und Schirp hatten andere Banken eine Kreditierung des Objekts abgelehnt. Erst Ende 1997 sprang die Berlin Hyp ein und bot eine Finanzierung an. Merkwürdigerweise setzte sich der gesamte Kredit für das Vorhaben Voltairepark aus Teilbeträgen gescheiterter früherer Kreditengagements der Berlin Hyp an Hanne zusammen. Hierfür sind schon angebliche Bereitstellungszinsen angefallen, die den Fondsanlegern des Projekts Voltairepark, die mit diesen Krediten nichts zu tun hatten, in Rechnung gestellt wurden.
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  83. Die Realisierung des Fondsprojekts und die Plazierung der Anteile verliefen äußerst schleppend. Insgesamt wurden lediglich 70 Prozent des vorgesehenen Eigenkapitals - die Anlegeranteile - eingeworben.
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  85. Dadurch kam das Projekt zum Stillstand. Ohne vollständige Plazierung des Eigenkapitals konnte über den Kredit der Bank nicht verfügt werden. Gleichwohl fielen zugunsten der Bank Bereitstellungszinsen an. Ohne Valutierung des Kredites konnten die Bauarbeiten an dem Objekt nicht vollendet werden. Ohne Verwirklichung des Fonds Voltairepark bestand aber eine akute Insolvenzgefahr für die Unternehmensgruppe Dr. Hanne. Das wäre nicht nur eine Katastrophe für Hanne, sondern auch für die Berlin Hyp, die dem Bauträger immense Kredite eingeräumt hat, gewesen.
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  87. Die Berlin Hyp ließ Hanne nicht fallen. Es wurde ein Lösung gefunden - laut Apel und Schirp auf Kosten der Anleger. Der Fonds Voltairepark wurde einfach in zwei Bauabschnitte unterteilt, ohne daß die Fondsgesellschaft entsprechend der Bauteile aufgespalten wurde. »Dies ist äußerst ungewöhnlich«, meint Rechtsanwalt Apel, »da der sogenannte Bauteil A, gemessen an dem Gesamtvertriebsstand im Dezember 1998, mit rund 55 Prozent überzeichnet war.« Eine weitere Finanzierung des Bauteils B wurde durch die Berlin Hyp jedoch gleichzeitig abgelehnt. Damit wurde der sogenannte »Voltairepark-Fonds Bauteil A« geschlossen. Die Hälfte des ursprünglichen Kredits hätte die Berlin Hyp damit auszahlen können, und Hanne und die Berlin Hyp konnten auf die gesamten Anlegergelder zugreifen. Die Anlegergelder wurden bei der BfG Bank, die das Eigenkapital der Zeichner verwaltete, aber nicht entsprechend den Bauabschnitten zugeordnet. Das bedeutet, daß sämtliche Gelder der Anleger, auch der Teil, der dem Fonds Bauteil A nicht zugerechnet war, Hanne und der Berlin Hyp zur Verfügung standen.
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  89. Die Anlegergelder waren schnell weg, Hanne und der Voltairepark-Fonds kurz darauf pleite, und die Berlin Hyp zahlte nicht einmal die Hälfte des Kredites aus - sondern gerade genug, um das Grundstück zu erwerben (rund sechs Millionen Mark) -, das ihr bei der Insolvenz als Grundpfandgläubiger sowieso zufiel. Aus den Anlegergeldern hat die Berlin Hyp für die Bereitstellung des Kredites allein im Jahr 1999 rund 1,1 Millionen Mark vereinnahmt. Damit nicht genug. Im Dezember 2000 pfändete die Berlin Hyp das Geschäftskonto der Fondsgesellschaft Voltairepark, so stellen es Apel und Schirp jedenfalls dar, und ließ sich von der BfG Bank das Restguthaben in Höhe von rund 400.000 Mark auszahlen. Darunter befanden sich auch die Einlagen der Anleger, die dem Bauabschnitt B zugewiesen waren, dessen Finanzierung die Berlin Hyp bereits abgelehnt hat.
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  91. Man fragt sich, ob der »L-Faktor« - Klaus Landowsky - eine Rolle bei dieser Vorgehensweise der Berlin Hyp spielte. Aus dem üblichen Ablauf von Kreditgeschäften in Berlin macht Jürgen Hanne kein Geheimnis. Allen, die sich dafür interessieren, darunter der Zeitschrift »Stern«, erzählt er über die Berlin Hyp, Klaus Landowsky und die Berliner Bankenszene. Kurz vor dem Abdruck eines Interviews mit Hanne im »Stern« winkte der Baulöwe, der sich im Jahr 2001 nach Kanada abgesetzt hat und heute mit internationalem Haftbefehl gesucht wird, ab. Das Interview liegt bis heute unter Verschluß. Aber der »Stern« war nicht der einzige Gesprächspartner, dem Hanne gern etwas erzählte.
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  93. Hanne hat das gesagt, was man in Berlin »immer gewußt hat«, jedoch nie beweisen konnte. Hinsichtlich der Spenden an die CDU meinte Hanne: »Es war ein ungeschriebenes Gesetz in Berlin, daß bei hohen Krediten an Bauträger auch gelegentlich Spenden an die CDU zu erfolgen haben, die, meines Erachtens, in Millionenhöhe gelaufen sein müssen.« Aber auch über die Art der Spenden gibt Hanne uns einen Einblick, der weitere Fragen aufwirft: »Die Spenden wurden dabei häufig nicht direkt, sondern über Zwischenstationen gegeben, wobei ich selbige Personen nicht benennen möchte, da diese Personen im gesamten Berliner Bankwesen so gut wie keine Chance mehr für weitere Kredite hätten, denn das Berliner Bankwesen ist komplett vernetzt, um nicht zu sagen verfilzt.« Wie viele andere Bauträger haben solche Spendenumwege benutzt, und wie sind die Spendengelder bei der CDU angekommen?
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  95. Hanne beschreibt die Realpolitik von Berlin als Ursache des »Die Hauptproblematik lag immer in der Doppelfunktion von Herrn Landowsky, denn wie würde sich ein Kreditnehmer verhalten, wenn er vom höchsten Boß der Hypothekenbank auf eine Spende angesprochen wird, wissend, daß es sich hier um den Fraktionsvorsitzenden der mitregierenden Partei handelt.«
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