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Mannheimer Morgen - Ist das Jochen?

a guest Feb 22nd, 2019 93 Never
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  1. DARMSTADT/VIERNHEIM.Wenig ĂŒberraschend wurde gestern der 38-jĂ€hrige Viernheimer, der seinen Vater mit einem Messer attackiert und dessen LebensgefĂ€hrtin geschlagen hatte - wir berichteten - als nicht schuldfĂ€hig eingestuft und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.
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  3. Richterin Barbara Bunk stĂŒtzte sich gestern am zweiten und letzten Verhandlungstag auf das ausfĂŒhrliche Gutachten von Dr. Beate Eusterschulte aus der forensischen Psychiatrie in Haina, wo der Beschuldigte nach seiner Festnahme untergebracht wurde. Darin heißt es, dass der seit Jahren arbeitslose Elektromechaniker seit seinen ersten Drogenkontakten Mitte der 90er Jahre eine prĂ€gnante PersönlichkeitsverĂ€nderung gezeigt habe. Seither ist der Mann insgesamt 13 Mal in stationĂ€rer Behandlung gewesen.
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  5. ZunĂ€chst wurden seine abstrusen Ideen und Wahnvorstellungen von den damaligen Ärzten als drogeninduzierte Psychose eingestuft. Daraus, so Eusterschulte, habe sich eine paranoide Schizophrenie entwickelt, die durch das Zusammenspiel mit dem massiven Konsum von Cannabis ein chronisches Krankheitsbild zeige. Die Diagnose ist eindeutig. Der Beschuldigte habe sich bis heute geweigert, das erforderliche Quantum an Medikamenten zu sich zu nehmen, so die Gutachterin weiter. Die Dosis betrage nur etwa ein Siebtel der fĂŒr seinen Fall ĂŒblichen Menge. Eine Besserung seiner psychischen Gesundheit sei so nicht zu erwarten, da die Medikation weit unter seinem therapeutischen Wirkungsbereich liege.
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  7. Vor Gericht betonte sie, dass der Mann nicht nur von seiner Unschuld ĂŒberzeugt sei, sondern weder VerstĂ€ndnis fĂŒr seinen psychischen Zustand noch Einsicht in die von ihm begangenen Straftaten zeige. Die VorfĂ€lle im Dezember 2013 und Januar 2014 seien in einer Phase akuter psychotischer Störungen begangen worden. Gerade dies mache ihn fĂŒr die Öffentlichkeit gefĂ€hrlich. "Wir mĂŒssen zum jetzigen Zeitpunkt davon ausgehen, dass weitere Gewaltdelikte folgen könnten, womöglich auch schwerwiegendere als bisher", so Dr. Eusterschulte beim Sicherungsverfahren in Darmstadt.
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  9. Nach Abschluss der Beweisaufnahme ergab sich fĂŒr die Staatsanwaltschaft ein rundes Bild. Bereits am ersten Verhandlungstag hatten der Vater des Beschuldigten und dessen LebensgefĂ€hrtin dargestellt, wie es immer wieder zu SachbeschĂ€digungen und aggressiven Übergriffen gekommen war. Die beiden Körperverletzungen seien nur der Höhepunkt gewesen. Die WutanfĂ€lle und Psychosen, der Verfolgungswahn und die bizarren Ideen vom Giftmord an seiner Mutter hĂ€tten sich zunehmend gesteigert. Gestern wurde auch die Nachbarin als Zeugin angehört. Sie sei von dem 38-JĂ€hrigen ĂŒber sechs Jahre lang verfolgt, belĂ€stigt und zuletzt als Hexe beschimpft worden. Es habe Morddrohungen gegeben. Dennoch habe sie versucht, mit dem TĂ€ter zu sprechen. Er habe eine unbĂ€ndige Wut in sich, vor allem gegen seinen Vater, so die Rentnerin. FĂŒr die Staatsanwaltschaft gab es keinerlei Zweifel, wer die Taten begangen hat. Die Aussage des Polizisten, der ihn festnahm, passte ebenso ins Bild. Der Beschuldigte bestreitet nach wie vor, fĂŒr die Übergriffe verantwortlich zu sein. Vor Gericht sagte er, dass er die Verletzungen der Opfer bedauere.
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  11. Sein Vater lebt seither in Angst vor seinem Sohn, die LebensgefĂ€hrtin hatte zwei SchneidezĂ€hne verloren und seit dem Angriff drei SchlaganfĂ€lle erlitten. Inwieweit diese mit dem Vorfall im Dezember zusammenhĂ€ngen, konnte aus der Distanz nicht geklĂ€rt werden. Der Anwalt der beiden NebenklĂ€ger sprach von einer traumatischen Erfahrung und betonte die hohe Gefahr, die von dem TĂ€ter ausgehe. Die Verteidigung schloss sich der EinschĂ€tzung der Staatsanwaltschaft an. "Mein Mandant lebt in einer Scheinwelt, die von außen nicht einsehbar ist", so Rechtsanwalt Claus PlĂŒcken (Weinheim). Auch er erkannte das GefĂ€hrdungspotenzial des Mannes an. FĂŒr Richterin Barbara Bunk passten sĂ€mtliche Zeugenaussagen widerspruchslos zusammen.
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